- 15.08.2026
- Länder-/Marktbericht
- Insights
Wohin sich der US-Verpackungsmarkt entwickelt
Der US-Verpackungsmarkt wächst weiter, zugleich steigen die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Recyclingfähigkeit und Materialeffizienz. Unterschiedliche Vorgaben der Bundesstaaten und eine wechselhafte Zollpolitik erhöhen den Anpassungsdruck auf Hersteller und Marken.
Geschrieben von Alexander Stark

Der US-amerikanische Verpackungsmarkt zählt zu den größten der Welt; nur China liegt beim Verbrauch an Kunststoffverpackungen noch vor den Staaten. Für die kommenden Jahre rechnen Marktbeobachter mit weiterem Wachstum. Impulse kommen vor allem aus dem E-Commerce sowie aus dem zunehmenden Fokus auf Materialeffizienz und Recyclingfähigkeit. Davon profitieren insbesondere flexible Verpackungen: Sie benötigen vergleichsweise wenig Material, sind leicht und bieten Vorteile bei Transport und Logistik. Im Gesamtmarkt bleiben daher Kunststoffverpackungen sowie Papier und Karton die wichtigsten Materialgruppen. Alternative und biobasierte Materialien gewinnen zwar an Bedeutung, bislang jedoch eher als Nischenlösungen.
Kunststoff, Papier und Metall prägen die Materialstruktur
Aktuelle Marktstudien von Mordor Intelligence und Fortune Business beziffern den US-amerikanischen Verpackungsmarkt für 2025 auf rund 270 Milliarden US-Dollar. Für die kommenden Jahre erwarten sie ein jährliches Wachstum von etwa 4 Prozent.
Auf der Materialseite lag der wertmäßigen Anteil von Kunststoffverpackungen 2025 bei 35,9 Prozent, wie Morder Intelligence berichtet. Für Papier und Karton prognostizieren die Marktforscher bis 2031 ein jährliches Wachstum von 5,33 Prozent. Demnach könnten faserbasierte Verpackungen einen Teil des Kunststoffvolumens ersetzen, da Einzelhändler verstärkt auf entsprechende Alternativen setzen. Mordor Intelligence beziffert den Marktanteil für Papier- und Kartonprodukte auf 28,70 % — die Zahlen lassen sich aufgrund einer anderen Unterteilung der Materialgruppen aber nicht ohne Weiteres dem Kunststoffanteil von 35,88 Prozent gegenüberstellen. Metallverpackungen bleiben ebenfalls gefragt. Sie können bis 2031 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 6,64 Prozent rechnen. Zu den wichtigsten Anwendungen zählen hier Getränkedosen.
Neben der Materialfrage entscheidet jedoch vor allem die Nachfrage einzelner Endmärkte darüber, wo Verpackungshersteller künftig wachsen.
E-Commerce, Lebensmittel und Pharma als zentrale Wachstumslokomotiven
Besonders stark prägen Lebensmittel den Bedarf: Laut Fortune Business Insights bilden sie das größte Endverbrauchssegment des US-Verpackungsmarktes. Für den Food-Bereich prognostiziert die Studie bis 2032 eine CAGR von 4,42 Prozent. Getrieben wird die Nachfrage unter anderem durch die große Bedeutung des Lebensmittelhandels, veränderte Konsumgewohnheiten sowie das Wachstum von Online-Lebensmittelhandel und Meal-Kit-Angeboten.
Pharmaverpackungen zählen zu den dynamischeren Segmenten des US-Verpackungsmarktes. Grand View Research beziffert den US-Markt 2024 auf rund 46,4 Milliarden Dollar und erwartet bis 2030 ein Wachstum auf knapp 70,9 Milliarden Dollar. Impulse kommen von der Expansion der Pharma- und Biopharmaindustrie sowie steigende Anforderungen an Sicherheit, Rückverfolgbarkeit und spezialisierte Drug-Delivery-Systeme. Mit dem Pharmamarkt wächst auch der Bedarf an spezialisierten Verpackungsdienstleistungen. Der US-Markt für entsprechende Services soll von 2025 bis 2030 jährlich um rund 9 Prozent wachsen.
Parallel zu diesen branchenspezifischen Wachstumstreibern verändert ein übergreifendes Thema nahezu alle Verpackungssegmente: Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit wichtig, aber nicht allein entscheidend
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zählen auch in den USA zu den wichtigsten Entwicklungstrends im Verpackungsmarkt. Im Fokus stehen der Einsatz von Recyclingmaterialien, eine bessere Recyclingfähigkeit, Materialeinsparungen und geringere Emissionen. Verpackungshersteller und Marken arbeiten unter anderem an Monomaterialstrukturen, papier- und faserbasierten Lösungen, leichteren Verpackungen sowie Konzepten für Wiederbefüllung und Wiederverwendung.
Auch auf nationaler Ebene gibt es Bestrebungen, die Recyclingstrukturen zu verbessern. Die 2021 von der US-Umweltschutzbehörde EPA veröffentlichte National Recycling Strategy unterstützt das Ziel, die Recyclingquote bei Siedlungsabfällen von damals rund 32 Prozent auf 50 Prozent bis 2030 zu erhöhen. Dafür setzt die Strategie an fünf Punkten an: Sie will Märkte für Recyclingmaterialien stärken, Sammlung und Recyclinginfrastruktur ausbauen, Verunreinigungen im Wertstoffstrom reduzieren, politische Rahmenbedingungen für die Kreislaufwirtschaft verbessern und Messmethoden vereinheitlichen. Die aktuelle US-Regierung hat diese Strategie allerdings inzwischen unter Überprüfung gestellt.
Einer stärker kreislauforientierten Verpackungswirtschaft stehen damit auf absehbare Zeit strukturelle Hürden entgegen, darunter vor allem uneinheitliche Sammel- und Recyclingsysteme.
Zielkonflikte zeigen sich auch im Verhalten der Verbraucher. Eine im März 2025 durchgeführte McKinsey-Befragung von 1.000 US-Verbrauchern zeigt: Nachhaltigkeit ist bei Verpackungen relevant, tritt aber hinter Preis, Qualität und Convenience zurück. Mehr als 70 Prozent der Befragten bewerten Preis und Qualität als wichtige Kaufkriterien; die Umweltwirkung von Verpackungen ist für 44 Prozent äußerst oder sehr wichtig. Bei den Verpackungseigenschaften stehen Lebensmittelsicherheit und Haltbarkeit besonders weit oben.
US-Verbraucher sehen vor allem Markeninhaber (36 Prozent) und Verpackungshersteller (32 Prozent) in der Verantwortung für nachhaltigere Verpackungen. Für den Markt heißt das: Nachhaltigkeit gewinnt an Gewicht, muss aber mit Produktschutz, Convenience und Kosten vereinbar bleiben.
Besonders die Recyclingfähigkeit dürfte angesichts zunehmender EPR- und Recyclingvorgaben dennoch weiter an Bedeutung gewinnen.
50 Staaten mit eigenen Rahmenbedingungen
Eine Besonderheit des US-amerikanischen Verpackungsmarktes ist seine ausgeprägte Heterogenität. Die 50 Bundesstaaten unterscheiden sich teils deutlich bei Verpackungsanwendungen, Konsumgewohnheiten, Recyclingstrukturen und regulatorischen Vorgaben. Eine landesweit harmonisierte Statistik zum Verpackungsrecycling fehlt; zudem erfassen die Bundesstaaten ihre Daten teilweise nach unterschiedlichen Methoden. Auch die Voraussetzungen für Sammlung und Recycling variieren regional erheblich.
Neue EPR-Regelungen (Erweiterte Herstellerverantwortung) in sieben Bundesstaaten erhöhen den Druck auf Marken und Verpackungshersteller, Materialwahl, Recyclingfähigkeit und Verpackungsdesign stärker an regionale Anforderungen anzupassen. Maine, Oregon, Colorado, Kalifornien, Minnesota, Maryland und Washington haben inzwischen entsprechende Verpackungs-EPR-Gesetze verabschiedet, befinden sich jedoch in unterschiedlichen Umsetzungsphasen. Besonders relevant ist Kalifornien: Als bevölkerungsreichster Bundesstaat der USA ist es einer der wichtigsten Einzelmärkte für Marken und Verpackungshersteller. Die dortigen Vorgaben könnten deshalb über den Bundesstaat hinaus Einfluss auf Verpackungsdesign und Materialwahl national tätiger Unternehmen nehmen. Aus Compliance-Anforderungen werden damit zunehmend auch wirtschaftliche Faktoren.
Große, integrierte Anbieter können regulatorische Anforderungen und damit verbundene Kosten dank Größenvorteilen sowie umfangreicher Forschungs- und Entwicklungskapazitäten tendenziell besser abfedern. Kleinere Unternehmen suchen dagegen verstärkt nach Möglichkeiten zur Differenzierung und Spezialisierung.
Hinzu kommt die Zollpolitik der aktuellen US-Regierung, die den Anpassungsdruck weiter verstärkt. Veränderte Handelsbedingungen erhöhen die Kosten und veranlassen Verpackungshersteller sowie Marken, ihre Lieferketten zu überprüfen, Beschaffungsquellen zu diversifizieren und Verpackungen hinsichtlich Materialeinsatz und Abmessungen anzupassen. Die anhaltende handelspolitische Unsicherheit erschwert zudem langfristige Investitions- und Beschaffungsentscheidungen.
Die weitere Entwicklung des US-Verpackungsmarktes wird damit wesentlich davon abhängen, wie gut Unternehmen auf regionale Regulierung, veränderte Lieferketten und die wachsende Nachfrage nach materialeffizienten Verpackungslösungen reagieren.
