• 08.09.2026
  • Länder-/Marktbericht

Europas Verpackungsmarkt zwischen Erholung und Kostendruck

Verhaltene Wachstumsaussichten, Kostendruck und neue Anforderungen an Materialien und Beschaffung prägen den europäischen Verpackungsmarkt. Studien und Marktdaten zeigen, wo sich Chancen eröffnen und wie stark sich Nachfrage und Materialeinsatz zwischen Ländern und Produktgruppen unterscheiden.

Geschrieben von Alexander  Stark

Verschiedene Verpackungstypen vor einer EU-Flagge
Kosten und Versorgungssicherheit beeinflussen die Materialwahl und Verpackungsbeschaffung europäischer Markenhersteller.

 

Der europäische Verpackungsmarkt befindet sich zwischen vorsichtiger Erholung und anhaltendem Anpassungsdruck. Zu Jahresbeginn 2026 deutete sich eine Stabilisierung der Nachfrage an, die Wachstumsaussichten unterschieden sich jedoch deutlich nach Ländern und Produktkategorien. Hohe Kosten, unsichere Lieferketten und steigende Nachhaltigkeitsanforderungen prägen die Entscheidungen von Markenherstellern und Verpackungsanbietern. Wie vielfältig der Markt ist, zeigt auch der Materialeinsatz: Je nach Produkt, Anwendung und nationalen Konsumgewohnheiten haben Papier, Kunststoff, Glas und Metall ein unterschiedliches Gewicht.

In einer Befragung vom Dezember 2025 und Januar 2026 unter rund 400 Markenherstellern aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien waren die Nachfrageerwartungen bei Kosmetik und Körperpflege, Getränken sowie Gesundheitsprodukten vergleichsweise positiv. Schwache Konsumausgaben und Überkapazitäten begrenzten die weitere Entwicklung. Die Analysten von L.E.K. Consulting schreiben im „European Brand Owner Packaging Survey 2026“: „Das Wachstum kehrt zurück, allerdings in moderatem Tempo. Ob es sich dauerhaft beschleunigen wird, lässt sich bislang nur schwer absehen.“ 

Durch die wachsende Bedeutung von Handelsmarken könnte sich die Nachfrage stärker auf Segmente mit anderen Verpackungsspezifikationen und strengeren Kostenvorgaben verlagern. Markenhersteller reagieren auf steigende Verpackungskosten mit optimierten Designs, einem Wechsel der Materialien und einer breiteren Lieferantenbasis, da sich weitere Kostensteigerungen zunehmend schwer an Handel und Verbraucher weitergeben lassen.

Zusätzliches Wachstumspotenzial bietet die regionale Beschaffung. Europäische Markenhersteller beziehen ihre Verpackungen der Befragung zufolge verstärkt aus Europa, um die Versorgungssicherheit zu verbessern, Kosten zu kontrollieren und schneller auf veränderte Anforderungen reagieren zu können.

Seit der Befragung haben der Krieg im Nahen Osten und erhebliche Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus zusätzliche Lieferkettenrisiken geschaffen. Auch die US-Zollpolitik beeinflusst Beschaffungsentscheidungen.

Bei Gesundheitsprodukten und Unterhaltungselektronik haben die Zölle stärkere Auswirkungen auf die Verpackungsnachfrage als in der vorwiegend lokal versorgten Getränkebranche. Wie die Autoren erläutern: „Die Auswirkungen von Zöllen lassen sich nicht allein auf Marken- oder Länderebene beurteilen.“ Wie stark Unternehmen betroffen sind, hängt auch von einzelnen Produkten, Materialien und Lieferantenstandorten ab.

Unternehmen reagieren darauf, indem sie ihre Lieferantenbasis verbreitern, stärker in den Absatzmärkten einkaufen, Verträge neu verhandeln und den Materialeinsatz reduzieren.

L.E.K. erwartet, dass der Umgang mit Zollrisiken zu einem festen Bestandteil der Verpackungsstrategie wird. Der Analyse zufolge wird die Wettbewerbsfähigkeit zunehmend davon abhängen, wie flexibel Unternehmen ihre Verpackungsdesigns und Lieferantennetzwerke gestalten, bevor Störungen auftreten.

 

Zollpolitik sorgt für Unsicherheit

Neben Zollrisiken prägen Nachhaltigkeitsanforderungen die Verpackungsentwicklung. Nach Einschätzung von L.E.K. werden sie im europäischen Markt zunehmend zur Grundvoraussetzung.

Markenhersteller beziehen Umweltziele zunehmend in Verpackungsdesign, Beschaffung und Funktionalität ein. L.E.K. sieht Chancen für Anbieter, die recyclingfähige Verpackungen in großen Mengen bereitstellen und dabei Produktschutz und Wirtschaftlichkeit gewährleisten können. Materialwechsel erfordern allerdings Kompromisse: Monomaterialstrukturen können bei bestimmten Anwendungen höhere Kosten verursachen oder eine geringere Barrierewirkung aufweisen. Wirtschaftliche Hürden bleiben erheblich. So nennen 41 Prozent der Befragten Schwierigkeiten, höhere Verpackungskosten selbst zu tragen oder weiterzugeben, als wichtigstes Hindernis für den weiteren Einsatz nachhaltiger Verpackungen.

Wettbewerbspotenzial sieht L.E.K. künftig im verlässlichen Zugang zu Rezyklaten und alternativen Materialien, in rückverfolgbaren Lieferketten und in praxisgerechten Verbesserungen des Verpackungsdesigns.

 

Europas Verpackungsmarkt im globalen Vergleich

Durch Lieferketten und Handelsbeziehungen ist die europäische Verpackungsbranche Teil des globalen Marktes, in dem Asien die führende Position einnimmt. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Smithers erreichte der Verpackungsumsatz in Asien 2023 ein Volumen von rund 470 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 270 Milliarden US-Dollar in Nordamerika und 234 Milliarden US-Dollar in Westeuropa. Nach ergänzenden Daten von Euromonitor International, die PMMI im 2025 Guide to Global Markets veröffentlicht hat, wurden 2024 in Westeuropa rund 722,1 Milliarden Verpackungseinheiten über den Einzelhandel abgesetzt. In Nordamerika waren es 575,7 Milliarden, in China 754,4 Milliarden Einheiten. Die Zahlen beziehen sich auf Verpackungen von Einzelhandelsprodukten und erfassen damit nicht sämtliche Verpackungen, die in der Wirtschaft eingesetzt werden.

 

Konsumgüter geben Einblick in Materialmix

Einen detaillierteren Einblick in die Verpackungen ausgewählter Konsumgüter in Europa bietet der Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (Joint Research Centre, JRC) Estimating packaging placed on the market at national level aus dem Jahr 2026. Das zugrunde liegende Modell der Studie erfasst ausgewählte Lebensmittel und Getränke, Haushaltsreinigungs- und Pflegemittel, Kosmetik- und Körperpflegeprodukte sowie Heimtierfutter in 19 EU-Mitgliedstaaten, die zusammen nach Angaben des Berichts mehr als 97 % der EU-Bevölkerung repräsentieren.

Die geografische Abdeckung ist zwar groß, das erfasste Produktspektrum jedoch begrenzt. Mehrere Kategorien frischer Lebensmittel bleiben ebenso unberücksichtigt wie Tertiärverpackungen für Transport, Lagerung und Distribution. Die Ergebnisse beschreiben deshalb einen Teil des Marktes für Konsumgüterverpackungen und nicht den gesamten Verpackungseinsatz in Europa. Bei alkoholischen und alkoholfreien Getränken berücksichtigt das Modell neben dem Einzelhandel auch den Außer-Haus-Verbrauch.

Für diesen Untersuchungsbereich schätzt das JRC, dass 2024 insgesamt 42,8 Millionen Tonnen Verpackungen in Verkehr gebracht wurden. Davon entfielen 32,3 Millionen Tonnen auf glasbasierte Verpackungen, 5,9 Millionen Tonnen auf Kunststoff, 2,3 Millionen Tonnen auf Metall und 2,1 Millionen Tonnen auf papierbasierte Verpackungen. Letztere umfassen auch Getränkekartons und weitere papierbasierte Verbundverpackungen. Die separat ausgewiesene Kategorie gemischter Materialien machte rund 0,1 Millionen Tonnen aus.

Der hohe Glasanteil in diesem Modell erklärt sich sowohl durch das Materialgewicht als auch durch die Bedeutung von Getränken innerhalb der ausgewählten Produktkategorien. Bier und Wein tragen am stärksten zum Aufkommen an Glasverpackungen bei. Bei PET sind es abgefülltes Wasser und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke. Der größte Anteil der Getränkekartonmenge entfällt auf Milch.

Die Schätzungen berücksichtigen auch Mehrwegverpackungen. Einige Behälter, insbesondere Mehrwegflaschen aus Glas, bleiben im Umlauf und werden nicht bereits im Jahr des jeweiligen Verkaufs zu Abfall. Das schränkt die direkte Vergleichbarkeit mit den jährlichen Abfallzahlen von Eurostat zusätzlich ein.

 

Kunststoffverpackungen spiegeln nationale Konsumgewohnheiten wider

In den vom JRC untersuchten Konsumgüterkategorien belief sich die Menge an Kunststoffverpackungen 2024 auf knapp 14 Kilogramm pro Kopf. Die Spanne reichte von 8,0 Kilogramm in Schweden bis zu 15,6 Kilogramm in Deutschland. Allein auf abgefülltes Wasser entfielen in Schweden 6 % der im Modell erfassten Kunststoffverpackungen, in Italien dagegen 46 %.

Zwischen 2011 und 2025 stieg die Menge an Kunststoffverpackungen für die erfassten Produkte und Länder um rund 11 %. Maßgeblich dafür war PET. Bei Lebensmittel- und Getränkeverpackungen war PET in den meisten Ländern der mengenmäßig wichtigste Kunststoff, während Polypropylen für ein breiteres Spektrum an Lebensmittelanwendungen eingesetzt wurde. Bei Haushaltsreinigungs- und Pflegemitteln, Kosmetik- und Körperpflegeprodukten sowie Heimtierfutter entfielen in jedem untersuchten Land zusammen mehr als 75 % der Kunststoffverpackungen auf HDPE und PET.

 

Ergänzende Daten aus der Abfallstatistik

Größe und Zusammensetzung des europäischen Verpackungsmarktes hängen davon ab, was gemessen wird. 

Hergestellte Verpackungen, mit Produkten verkaufte Verpackungen und Verpackungsabfälle bilden unterschiedliche Stufen der Wertschöpfungskette ab. Sie bieten ergänzende Perspektiven auf den Materialeinsatz, ergeben jedoch keine einheitliche Marktbilanz. 

Einen EU-weiten Ausgangspunkt bietet die Abfallstatistik von Eurostat. Im Jahr 2023 fielen in der EU 79,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Papier und Karton machten nach Gewicht 40,4 % der Gesamtmenge aus, gefolgt von Kunststoff mit 19,8 %, Glas mit 18,8 %, Holz mit 15,8 % und Metall mit 4,9 %. Das entsprach 177,8 Kilogramm pro Kopf und damit 8,7 Kilogramm weniger als 2022, aber weiterhin 21,2 Kilogramm mehr als 2013. Zwischen den Ländern bestanden erhebliche Unterschiede. Irland verzeichnete 223,1 Kilogramm pro Kopf, Italien 219,5 Kilogramm und Deutschland 215,2 Kilogramm
 

Autor

Alexander Stark
Alexander  Stark
Redakteur FACHPACK360°