• 22.08.2026
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Das sind die Sieger beim Deutschen Verpackungspreis 2026

Über 210 Unternehmen aus 17 Ländern hatten ihre Innovationen in den 10 Kategorien des Deutschen Verpackungspreises 2026 eingereicht. 37 Unternehmen aus fünf Ländern konnten sich am Ende über eine Auszeichnung freuen. Wir stellen Ihnen die siegreichen Lösungen vor und fassen die wichtigsten Tendenzen in den Wettbewerbskategorien für Sie zusammen. Außerdem werfen wir einen besonderen Blick auf die Nachwuchskategorie, die von der FACHPACK als Sponsor begleitet wird.
Der Deutsche Verpackungspreis 2026 zeichnet 37 Unternehmen für Innovationen aus, die von nachhaltigen Materialien und digitalen Lösungen bis zu Verpackungsmaschinen und Nachwuchsprojekten reichen.

Als größte Leistungsschau rund um die Verpackung in Europa zieht der Deutsche Verpackungspreis jährlich Innovationen aus der ganzen Welt an. Als Premiumpartner des dvi trägt die FACHPACK ihren Teil dazu bei, dass dieser Wettbewerb möglich ist. Auch dieses Jahr hatte die unabhängige, 22-köpfige Fachjury auf ihrer zweitägigen Jurysitzung eine Menge Arbeit. Am Ende wurden Lösungen von 37 Unternehmen aus Deutschland, Österreich, Italien, den Niederlanden und UK prämiert. Die Sieger verteilen sich auf alle zehn Kategorien inklusive Maschinen, Automatisierung und Software sowie den Nachwuchsbereich. Von Kunststoff über faserbasierte Packstoffe bis hin zu Glas und Metall sind alle Packstoffe vertreten.

 

Nachwuchs macht Hoffnung und überzeugt

In der Nachwuchs-Kategorie, die von der FACHPACK als Sponsor begleitet wird, zeichnete die Jury vier innovative Lösungen aus. Sie zeigen Verpackung als multifunktionales Medium, das über Produktschutz hinausgeht, bringen eine im besten Sinne simple, KI-gestützte Nachhaltigkeitsbewertung, bieten emotionale Begleitung in besonderen Situationen und Mehrwerte über spielerische Aspekte.

Gewinner der Nachwuchskategorie

Kollage mit Kartonverpackungen aus verschiedenen Perspektiven
Sixpack-Karton für Limonadeflaschen
Kollage mit Kartonverpackungen für Schwangerschaftstests
Ein Überblick mit CO2 Werten von Verpackungen
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Net’s Play!

Die Verpackung für Tischtennisschläger und -bälle mit integriertem Netz kommt von Pina Schmitz, Lara Thole, Sophia Reinecke und Wiebke Wendorff, die an der Fachhochschule Münster – Münster School of Design studieren. 

Was die Jury begeistert: „Die Verpackung verwandelt sich mit wenigen Handgriffen in ein Tischtennisnetz. So bietet die ursprüngliche Verpackung einen richtigen Mehrwert und einen überzeugenden Zweit- beziehungsweise Zusatznutzen. Damit macht Net's Play spontane Bewegung und gemeinsames Spielen einfach – für alle, jederzeit und überall.“

Was die Studierenden sagen: „Die Idee zu Net's Play entstand während unserer Recherche nach Produkten mit verbesserungswürdigen Verpackungen. Dabei entdeckten wir Tischtennisschläger-Verpackungen, die viel Material, insbesondere Kunststoff, verwenden und bei denen das Netz separat gekauft werden muss. Durch die Arbeit an Net's Play haben wir unsere Begeisterung für Papier und Karton entdeckt. Es ist erstaunlich, wie vielseitig und gleichzeitig robust dieses Material ist. Besonders interessieren uns Verpackungen und Produkte, die über ihre eigentliche Funktion hinaus einen positiven Mehrwert schaffen.“

 

EASE 

EASE ist ein funktionaler Schwangerschaftstest, der die Anwenderin durch eine klare Verpackungs- und visuelle Gestaltung vom Kauf bis zur Anwendung emotional begleitet. Er stammt von Fine Kleipa, Siri Brockfeld, Lisa Bahlinger, Lilly Blume und Moritz Hegemann, die ebenfalls an der Fachhochschule Münster – Münster School of Design studieren.

Was die Jury begeistert: „EASE denkt das Erlebnis eines Schwangerschaftstests völlig neu, indem die Verpackung zu einem intuitiven Begleiter wird. Die diskrete Verpackung vermittelt durch ihre Eigenschaften und Anleitungen emotionale Sicherheit.

Die Kartonverpackung führt Anwenderinnen durch jeden Schritt, dient während der Entwicklung des Testergebnisses als Halterung und ermöglicht anschließend eine unauffällige Aufbewahrung. Durch die Integration mehrerer Funktionen in einem einzigen Design reduziert EASE den Ressourcenverbrauch und bietet den Anwenderinnen zugleich Orientierung, Komfort und Sicherheit in einem der sensibelsten Momente des Lebens.“

Was die Studierenden sagen: „Die Idee für EASE kam an einem eher unerwarteten Ort: vor dem Schwangerschaftstest-Regal in der Drogerie. Im Austausch wurde uns schnell bewusst, dass die bestehende Auswahl die emotionalen Bedürfnisse der Verbraucher*innen komplett übersieht, sei es bei der Kaufsituation oder beim unpraktischen Handling. Die Verpackung von EASE besteht bewusst ausschließlich aus Papier bzw. Karton, ganz ohne Fremdmaterial und folgt damit unserem Anspruch an Nachhaltigkeit. Von Anfang an war es unser Ziel, die Verpackung nicht als bloße Hülle für einen Schwangerschaftstest zu verstehen, sondern als intuitiven Begleiter.“

 

OpenUp!

Das verwandelbare und wiederverwendbare Sixpack für Getränke wurde von Lena Peitzmeier, Michèle Brandt, Hanna Otte, Ines Dahlmann und Nicola Matuschak von der Fachhochschule Münster – Münster School of Design entwickelt und eingereicht.

Was die Jury begeistert: „OpenUp! verwandelt klassische Getränkeverpackungen in ein interaktives, soziales Erlebnis aus robustem, wiederverwendbarem Karton. Das markante, dreieckige Design vereint zwei unterschiedliche Zusatzfunktionen zur Förderung analoger Interaktion: ein Kronkorken-Wurfspiel und einen passiven Lautsprecher. Ein klares Farbsystem sowie intuitive Illustrationen direkt auf der Verpackung machen die Anwendung spielerisch einfach und verständlich. OpenUp reduziert die digitale Ablenkung durch Handys und zeigt, wie Verpackung durch ein cleveres Zweitnutzungskonzept echte Begegnungen und Nachhaltigkeit gleichermaßen fördern kann.“

Was die Studierenden sagen: „Während der Entwicklung unseres Projekts haben wir uns gefragt, wie eine Verpackung Menschen nicht nur ein Produkt, sondern auch ein gemeinsames Erlebnis bieten kann. Dabei ist uns aufgefallen, dass viele Treffen heute von Handys geprägt sind. Das war ein Problem, mit dem wir uns alle und auch viele Leute aus unserem Umfeld identifizieren können und welches wir gerne lösen wollten. Daraus entstand die Idee, eine Verpackung zu entwickeln, die einen Anlass schafft, miteinander zu spielen, zu reden und einfach gemeinsam Zeit zu verbringen. Dabei war uns besonders wichtig, dass man bewusst miteinander interagiert und das ganz ohne Medien. Am meisten begeistern uns Verpackungen, die kreativ gedacht sind und nach ihrem eigentlichen Zweck nicht einfach im Müll landen.“

 

EcoTrace

EcoTrace ist eine Software, die eine KI-gestützte CO₂-Bewertung auf Basis eines Fotos der Lebensmittelverpackung bietet. Entwickler ist Lennart Standtke, der an der Hochschule Neubrandenburg seinen Master of Science im Bereich Food Chain Environment macht.

Was die Jury begeistert: „Mit EcoTrace wird die ökologische Bewertung von Lebensmittelverpackungen revolutioniert: Aus wenigen Fotos entsteht in Sekunden eine transparente CO₂-Ökobilanz. Die prämierte Innovation verbindet Künstliche Intelligenz, wissenschaftlich validierte Lebenszyklusanalyse und hohe Praxistauglichkeit zu einer bezahlbaren Lösung für kleine und mittlere Unternehmen. Damit schafft EcoTrace die Grundlage für nachhaltigere Verpackungsentscheidungen und unterstützt Unternehmen bei den steigenden Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung.“

Was der Studierende sagt: „Die Verpackung trägt ja bereits alle Informationen, die für eine CO₂-Bewertung nötig sind – Zutatenliste, Mengenangaben, Verpackungsmaterial. Während meines Masterstudiums kam mir die Idee, dieses vorhandene "Datenblatt" einfach per Foto auszulesen, statt es manuell zu erfassen und daraus automatisiert eine Ökobilanz zu erstellen, wie sie sich kleine und mittlere Lebensmittelhersteller sonst kaum leisten können. Als nächster Schritt soll die automatische Klassifikation von Verpackungsmaterialien inklusive Rezyklat-Varianten und Recyclingfähigkeit weiter ausgebaut werden. Daneben wollen wir die Datenbasis über eine vollwertige ecoinvent-Anbindung verbessern. Mich interessiert besonders, wie stark sich Verpackungsentscheidungen – Materialwahl, Rezyklatanteil, Verbundstoffe – konkret auf den CO₂-Fußabdruck eines Produkts auswirken und wie wenig das bisher für Hersteller sichtbar gemacht wird.“

Premium-Etiketten mit abwaschbarem Klebstoff
Wash-Off-Klebstoff ermöglicht Premium-Etiketten, die während der Nutzung sicher haften und sich im Waschprozess nahezu rückstandsfrei ablösen; der Klebstoff bleibt an den Papierfasern gebunden und geht nicht in die Lauge über.

Nachhaltigkeit dominiert

Gemessen an der Zahl der Einreichungen ist die Kategorie Nachhaltigkeit bereits seit einigen Jahren die dominierende Kategorie des Wettbewerbs. Um die stetig steigenden Innovationsleistungen in diesem Bereich besser abbilden und bewerten zu können, unterteilt der Deutsche Verpackungspreis die Kategorie in die Segmente Rezyklateinsatz, Recyclingfähigkeit, Mehrweg, Materialreduktion und Gesamtkonzept. Unabhängig von den Einreichungen, die gezielt in der Kategorie Nachhaltigkeit getätigt werden, ist das Thema auch in den anderen Kategorien allgegenwärtig. Es gibt im Grunde kaum noch eine Innovation, die nicht auch Fortschritte in diesem Bereich bringt – sei es Kreislauffähigkeit, Rezyklateinsatz, Ressourcenschonung oder andere Aspekte.

Eine grundlegende Tendenz bei den acht Siegern der Kategorie Nachhaltigkeit ist die Vereinfachung komplexer Strukturen – ob durch Integration der Barriere in die Druckfarbe, den Einsatz von Lasermarkierungen zur Eliminierung des Druckprozesses, die konsequente Materialreduktion mittels Minimierung von Fremdanteilen oder die konsequente Reduzierung unterschiedlicher Packstoffe bis hin zum reinen Monomaterial, das im besten Fall sogar aus PCR besteht. Auffällig ist auch ein Fokus auf optimale Recyclingfähigkeit, die über die reine Materialkomposition hinausgeht und auf Prozesse wie das Deinking oder das Ablösen von Etiketten abzielt.

Design kombiniert Optik mit Nachaltigkeit

Die vier ausgezeichneten Lösungen in der Kategorie Design verbinden Ästhetik und Markenidentität mit Recyclingfähigkeit und Materialreduktion. Sie bieten konkrete Funktionalitätsgewinne für Nutzerinnen und Nutzer beispielsweise bei der Ergonomie oder der Wiedererkennbarkeit. Auffällig ist auch, dass die Unternehmen ökologische Verantwortung erfolgreich und kreativ mit funktionalen Innovationen unter anderem im Bereich Restentleerung, Refill oder mit dem Verzicht auf Um- bzw. Transportverpackungen oder mit gesteigerter wirtschaftlicher Effizienz verbinden.

Tuben und Fläschchen für Kosmetikprodukte
Design Refresh verbindet ikonische Marken-DNA mit cleaner Designsprache, schafft Wiedererkennbarkeit über Produktlinien und Formate hinweg und integriert PCR-Materialien. 
Nahaufnahme einer Glasfalsche mit einem Drehverschluss aus Metall
Dauerhaft ins Glas eingebrachte Data-Matrix-Codes geben jeder Mehrwegflasche eine digitale Identität und ermöglichen Rückverfolgbarkeit, Qualitätssteuerung und Umlaufanalysen. 

Digitalisierung schreitet voran

Die drei Digitalisierungs-Gewinner verdeutlichen, dass datengetriebene und KI-gestützte Prozesse auch im Feld der Verpackungen eine immer wichtigere Rolle übernehmen. Software macht Nachhaltigkeit zum operativen Steuerungsinstrument, über das Verpackungsdaten digitalisiert und der CO₂-Fußabdruck, die Recyclingfähigkeit und die regulatorische Konformität in Echtzeit dargestellt werden können. Dauerhaft ins Glas eingebrachte Data-Matrix-Codes geben Mehrwegflaschen eine digitale Identität und ermöglichen Rückverfolgbarkeit und Transparenz im Mehrwegsystem ohne Systemumbau. Im Bereich E-Commerce hilft Software, Leerraum und Materialeinsatz auf heuristischer Basis zu optimieren.

Funktionalität & Convenience bieten echten Mehrwert

Die vier Gewinner der Kategorie Funktionalität & Convenience machen aus einer an sich passiven Verpackung ein aktives Werkzeug beziehungsweise einen aktiven Prozessbestandteil. Die neuen Funktionalitäten zeigen sich bei lebensrettenden Darreichungen im OP-Saal, bei der Deckenmontage in Wohnräumen sowie bei Dosierung und Applikation. Gleichzeitig gelingt es den Lösungen, auf bisher erforderliche, separate Komponenten zu verzichten und den Materialaufwand sowie die Komplexität spürbar zu reduzieren.

 

Logistik & Materialfluss kombinieren Ökologie und Wirtschaftlichkeit

Gemeinsamer Trend der vier siegreichen Logistik-Lösungen ist die Verbindung von Kreislaufwirtschaft mit Prozessoptimierung. PCR-Rezyklat in Stretchfolie bietet Optionen zur Erfüllung von PPWR-Pflichten, Karton ersetzt Holz bei Schwerlast, intelligente Mehrwegbehälter ersetzen Einweg und schaffen durch digitales Tracking gleichzeitig Transparenz. Alle Lösungen liefern neben dem ökologischen Nutzen auch messbare wirtschaftliche Vorteile.

 

Neues Material spart Ressourcen

Die ausgezeichnete Lösung in der Kategorie Neues Material zeigt, wie der äußerst sparsame Einsatz einer Materialinnovation eine komplette Verpackungskomponente ersetzen kann. Statt Schrumpffolie halten geschäumte Klebepunkte Getränke-Multipacks zusammen. Der Ansatz ist systemisch wirksam und reduziert gleichzeitig Material, Energie und Abfall. 
 

Verpackungsmaschine auf weißem Hintergrund
Modulare Verpackungsmaschine mit Faltschachtelmodul, Mover Technologie, kombinatorischer Format- und Produktauswahl sowie Inline-Formatverstellung mit weniger manuellen Eingriffen. 

Verpackungsmaschinen steigern Effizienz und Wirtschaftlichkeit

Maximale Flexibilität, minimale Stillstandszeit, reduzierter Platzbedarf, kurze Time-to-Market und gesteigerte Prozess-Transparenz gehören zu den herausragenden Optimierungen der drei Sieger in der Kategorie Verpackungsmaschinen. Ausgezeichnet wurden beispielsweise neue Möglichkeiten bei der Inline-Formatverstellung und der schnellen Umrüstung mit einem deutlich reduzierten Bedarf manueller Eingriffe, bei der Modularität, beim Ertragsmonitoring zur Verlustminimierung, beim Hygienic Design oder bei formatunabhängigen Transportsystemen. 

Warenpräsentation vereint Schönheit und neuen Nutzen

Die vier ausgezeichneten Lösungen der Kategorie Warenpräsentation zeigen sich als fernwirksame Eye-Catcher, kombinieren als Shelf-Ready-Verpackungen Transportverpackung und Display, bieten mit Premium-Anmutung und zahlreichen technisch anspruchsvollen Veredelungselementen ein starkes Geschenk- und Markenerlebnis oder bringen über den Einsatz einer patentierten Prägetechnik Braille, Reliefschrift und Logos millimetergenau direkt auf flexible Verpackungen auf.

Ein Karton für die Präsentation von Gläschen
Shelf-Ready-Verpackung kombiniert Transportverpackung und Display
Leerer Faltkarton mit Stapelrand
Regalverpackung mit selbstaufrichtendem Stapelrand, Automatikboden und mechanischer Arretierung; reduziert die Befüllzeit um 86 %, spart Material und steigert die Effizienz beim händischen Bestücken. 

Wirtschaftlichkeit: Zwei Sieger – eine Idee

In der Kategorie Wirtschaftlichkeit wurde eine Regalverpackung ausgezeichnet, die Produktschutz, einfache Entnahme und sichere Stapelbarkeit mit deutlich höherer Prozesseffizienz vereint. Bemerkenswert ist hier, dass dies ganz ohne Neuinvestitionen in Automatisierung gelingt. Spannend auch: Die technisch identische Innovation wurde von zwei Unternehmen unabhängig voneinander entwickelt und eingereicht. So gibt es zwei Sieger für eine ausgezeichnete Innovation.

Einladung zur Preisverleihung

Die Verleihung der Deutschen Verpackungspreise findet am 19. November in Berlin statt. Die Teilnahme ist kostenfrei und erfordert lediglich eine vorherige Registrierung über die Homepage des Deutschen Verpackungspreises unter www.verpackungspreis.de. Auf der Preisverleihung werden dann auch die Gold-Awards vergeben. Mit den Gold-Awards zeichnet die Jury Innovationen aus, die sich selbst aus dem Kreis der Verpackungspreisträger noch hervorheben. 

 

Autor: Christian Nink, Freier Journalist