Flexible Verpackungen
Der Industrieverband Papier- und Folienverpackung e.V. (IPV) spricht in seinem Geschäftsbericht 2025-2026 von einem Markt für flexible Verpackungen der sich ähnlich schwierig wie der Gesamtmarkt entwickele. „Die gleichbleibend sehr schwache Konjunktur sorgte erneut für Rückgänge. Insgesamt ist der Umsatz in der Branche nach eigenen Schätzungen um -0,7 Prozent auf rund 2,045 Milliarden Euro gesunken“, so der IPV.
Ursachen und Treiber
2025 war für viele abnehmerstarke Branchen und Segmente ein Jahr der Stagnation oder des Rückgangs. Während Bereiche wie Pharma, Kosmetik und E-Commerce ein Wachstum verzeichnen konnten, zeigte sich bei Lebensmitteln, Getränken, Chemie und DIY eher Stagnation oder Rückgang. Übergreifend wirkten sich Konsumzurückhaltung, Preisdruck und strukturelle Herausforderungen aus. So erklärte auch der GADV bei der Vorstellung seiner Zahlen, dass die Entwicklung auf ein weiterhin anspruchsvolles Marktumfeld für Verpackungshersteller hindeute.
Der IPV weist darauf hin, dass die Personalkosten nach den Materialkosten den zweitgrößten Kostenblock darstellen. „Zwar blieben erneute massive Lohnsteigerungen aufgrund der kriselnden Wirtschaft aus, die Personalkosten bleiben aber innerhalb einer schwachen Konjunktur auf einem kritisch hohen Niveau gegenüber den Erlösen“, so der IPV.
Sowohl GADV als auch IPV verweisen zudem auf den marktprägenden Einfluss laufender Regulierungen wie die PPWR oder das VerpackDG. So sieht der IPV diese als Ursache „für ungewöhnliche Wellenbewegungen der Aufträge der Kundenmärkte mit daraus folgenden höheren Stückkosten“.
Mit Blick auf die gesunkenen Produktionsmengen dürften auch die anhaltenden Effizienzgewinne aufgrund gezielter Packstoffeinsparungen (Lightweighting) ein (wenn auch vergleichsweise geringerer) Faktor sein. Zu den Gründen für die Schere zwischen sinkender Produktionsmenge und weniger stark sinkendem Produktionswert dürfte auch die gestiegenen Inflation zählen.
Branchen und Segmente
Nach Zahlen von Destatis stiegt der Umsatz im Einzelhandel 2025 mit +3,8 Prozent deutlich über dem Niveau von 2024 (+2,5 Prozent). Preisbereinigt blieb ein Anstieg um +2,7 Prozent gegenüber +1,1% in 2024. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren konnte die Umsätze 2025 nominal um +3,4 Prozent (Vorjahr +2,9 Prozent) steigern. Real stieg der Umsatz jedoch nur um +1,1 Prozent (2024 +0,7 Prozent).
Als klarer Wachstumstreiber zeigte sich erneut der Internet- und Versandhandel mit einer Steigerung um +10,0 Prozent (real +10,1%).
Die medizinische und chemisch-pharmazeutische Industrie musste nach Zahlen des Verbands der Chemischen Industrie e. V. (vci) nach einem bereits schwachen 2024 auch in 2025 nochmals um -1 Prozent sinkende Umsatzwerte vermelden. Auch die Produktion sank leicht um -0,5 Prozent. Dagegen konnten Apotheken, kosmetische, pharmazeutische und medizinische Produkte ihre Umsätze nach Angaben im IPV-Geschäftsbericht in 2025 deutlich um nominal +5,5 Prozent (real +3,5 Prozent) steigern.
Der Markt für Textilien, Bekleidung und Lederwaren musste laut IPV dagegen erneut leichte Einbrüche von -0,3 Prozent (real -0,8 Prozent) verzeichnen.
Prognosen für 2026 und die Zukunft
Packstoffübergreifend bestehen nach Einschätzung der GADV-Verbände weiterhin erhebliche Verunsicherung hinsichtlich der Auslegung und Anwendung der neuen Regulierungen wie beispielswiese der PPWR oder des VerpackDG. Auch der IPV spricht von einem weiterhin verhaltenen Ausblick für 2026. „Nach internen Schätzungen blieben die Absätze im ersten Halbjahr stabil auf niedrigem Niveau“, so der IPV-Geschäftsbericht.
Für die deutsche Kunststoffverpackungs- und Folienindustrie zeigt eine aktuelle Konjunkturumfrage der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen unter 112 Herstellern, dass sich die wirtschaftliche Stimmung etwas aufhellt. Für das vierte Quartal 2026 verbessern sich laut IK insbesondere die Absatzerwartungen, während Ertrags- und Kostendruck hoch bleiben und das Exportgeschäft angespannt ist.
Die Situation für Verpackungen auf Papierbasis zeigt sich nach Auskunft des Verbands Die Papierindustrie im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zur Vorjahresperiode nicht verbessert. Die Produktionsmenge der deutsche Papier- und Zellstoffindustrie insgesamt sank laut Verbandszahlen gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um -1,4 Prozent auf 9,4 Millionen Tonnen, der Umsatz um -7,1 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Das Segment Papier, Karton und Pappe für Verpackungszwecke blieb mit 6,4 Millionen Tonnen die mengenmäßig größte Sparte und stand für mehr als 67 Prozent der Gesamtproduktion. Die Produktionsentwicklung zeigte verglichen mit dem Vorjahreszeitraum keine Veränderung. Bei Wellpappe bewertet der Verband der Wellpappen-Industrie e. V. (VDW) die Aussichten für 2026 auf Basis der aktuellen weltpolitischen Lage zurückhaltend. Die Wellpappenindustrie sehe sich schon jetzt stark betroffen durch in die Höhe geschnellte Energiepreise, Produktions- und Logistikkosten sowie neue Unsicherheiten am Markt. Auch die Gefahr einer neuen Kostenwelle bei den Rohstoffen sei nicht von der Hand zu weisen. Etikettenpapiere nehmen eine Sonderstellung ein. Laut dem EUWID Marktbericht hat sich hier auch im dritten Quartal 2026 die Marktdynamik aus den beiden Vorquartalen fortgesetzt. Im deutschen Markt tätige Hersteller berichten von einer durchgehend sehr guten Auslastung.
Im Bereich Behälterglas sank der Absatz im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland nach Auskunft des Aktionsforum Glasverpackung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um -7,8 Prozent auf rund 1,82 Millionen Tonnen. Die Zahlen seien sowohl im Inland als auch im Ausland rückläufig. Im Segment Lebensmittel und Pharma/Kosmetik sei aus den stabilen Zahlen des ersten Quartals ist ein Minus von 5,9 Prozent geworden. Getränkeflaschen verzeichneten laut BV Glas im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 einen Rückgang um -8,7 Prozent, wobei alle Teilsegmente rückläufig waren. Die anstehende Steuererhöhung auf Spirituosen dürfte die Situation für 2027 zusätzlich belasten.
Bei Aluminiumverpackungen zeigt sich laut eine Marktbericht von EUWID im dritten Quartal 2026 eine nicht abreißend hohe Nachfrage nach Sleekdosen sowie eine sehr gute Auslastung bei Aerosoldosen, die vor allem aus dem Körperpflegesegment komme. Bei den Tuben sei das Bild uneinheitlicher. Sorge bereite der Branche „das nach wie vor hohe Preisniveau beim Aluminium sowie die zahlreichen Kostensteigerungen. Letztere dürften sich in den Preisen für Dosen und Tuben im kommenden Jahr niederschlagen“, so der Marktbericht.
Die auf dem deutschen Markt tätigen Hersteller von Stahlblechverpackungen berichten laut EUWID mehrheitlich über eine Abschwächung der Nachfrage im Laufe des zweiten oder spätestens im dritten Quartal 2026. Bei Weißblech sprechen die Dosenhersteller von höheren Kosten – insbesondere durch stark gestiegenen Preise für Lacke, Druckfarben, Dichtungsmassen oder Frachten – die erst 2027 weitergegeben werden könnten.
Bei Paletten ist laut dem EUWID-Marktbericht eine für September/Oktober 2026 „von den Herstellern erwartete Herbstbelebung trotz der jüngsten Steigerungen in der deutschen Exportwirtschaft oder den lebhafteren Geschäftstätigkeiten auf Seiten der deutschen Chemieindustrie weitgehend ausgeblieben“.
Autor: Christian Nink, Freier Fachjournalist


