- 12.01.2026
- Interview
- Insights
- Frauen in der Verpackungsindustrie
COP30-Durchbruch: Verpackung als klimarelevantes System anerkannt
Impulse von der FACHPACK, weitergetragen in die globale Klimapolitik: Auf der COP30 positionierte die World Packaging Organisation (WPO) Verpackung erstmals als systemrelevante Klimalösung. In diesem Interview erläutert WPO-Präsidentin Luciana Pellegrino, wie der Branchendialog internationale Klimastrategien beeinflusst.

Mit der COP30 in Brasilien hat die Verpackungsindustrie erstmals eine sichtbare Rolle im internationalen Klimadialog eingenommen. Eine der zentralen Stimmen war Luciana Pellegrino, Präsidentin der World Packaging Organisation (WPO). Sie leitete die Verpackungssession im Action on Food Hub der UN-Klimakonferenz und positionierte Verpackung als einen zentralen Hebel zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung.
In Zusammenarbeit mit UNIDO und der FSSC Foundation wirkte die WPO zudem an der gemeinsamen Abschlusserklärung mit. Für die Organisation, die Mitglieder in 66 Ländern vertritt, markierte dies einen Meilenstein – und ein klares Signal dafür, dass Verpackung zunehmend als systemrelevanter Bestandteil nachhaltiger Lebensmittel- und Handelssysteme anerkannt wird.
Im Interview erläutert Luciana Pellegrino die zentralen Botschaften der COP30 und skizziert die Erwartungen, die politische Entscheidungsträger und internationale Organisationen heute an die Verpackungsindustrie richten.
Frau Pellegrino, die COP30 rückte Verpackung in den Fokus der Klimaverhandlungen – was hat diesen Durchbruch ermöglicht, und wie hat sich die Wahrnehmung der Branche durch politische Entscheidungsträger verändert?
In den vergangenen zwei Jahren hat die World Packaging Organisation gemeinsam mit UNIDO, der Wageningen University & Research (WUR) und der FSSC Foundation daran gearbeitet, wissenschaftlich fundierte Diskussionen auf die COP zu bringen und Verpackung im Kontext nachhaltiger Landwirtschaft und resilienter Lebensmittelsysteme zu positionieren.
Warum ist das so wichtig? Lebensmittelverluste und -verschwendung allein verursachen laut FAO rund 8 % der weltweiten Treibhausgasemissionen. Wäre Food Loss and Waste (FLW) ein eigenes Land, wäre es nach China und den USA der drittgrößte Emittent weltweit. Diese Perspektive rückt Verpackung als strategische Klimalösung ins Zentrum – direkt verknüpft mit Emissionsminderung, Ernährungssicherheit, Ressourceneffizienz und Klimaanpassung. Dieser Perspektivwechsel ermöglicht es, Verpackung in den Mittelpunkt von Klimastrategien zu rücken, Fördermittel einzufordern und nachhaltige Lebensmittelketten weltweit voranzutreiben.
Wie haben Sie die Erkenntnisse des Packaging Forum 2025 – insbesondere den Perspektivwechsel von „Verpackung als Abfall“ hin zu „Verpackung als Klimainstrument“ – in die UN-Diskussionen eingebracht?
Das Forum und die Roundtables von FACHPACK, WPO, dvi, UNIDO und FSSC während der FACHPACK 2025 waren äußerst aufschlussreiche und bereichernde Veranstaltungen. Sie haben uns eng mit Verpackungsunternehmen vernetzt und ermöglicht, gemeinsam zu untersuchen, wie die Branche nachhaltige Verpackungslösungen und nachhaltige Lebensmittelsysteme vorantreibt.
Im Bereich der Verpackungsnachhaltigkeit wird viel diskutiert – darunter Aspekte wie Kreislaufwirtschaft sowie klare Zielvorgaben zu recyclingfähigen Verpackungen oder dem Einsatz von Rezyklaten. Obwohl Forschung und Entwicklung im Verpackungsbereich den Schutz und die Haltbarmachung von Lebensmitteln als grundlegende Säule umfasst, fehlen bislang klare Zielvorgaben oder harmonisierte, ganzheitliche Treiber.
Genau hier kamen die WPO und ihre Partner ins Spiel. Wir konnten die Erkenntnisse aus dem FACHPACK Forum 2025 auf der COP30 einbringen, die positiven Wirkungen von Verpackung hervorheben und entsprechende Leitplanken vorschlagen.
Die COP30 hat Food Loss and Waste (FLW) weit oben auf die Agenda gesetzt. Wo kann Verpackung aus Ihrer Sicht weltweit den größten und schnellsten Beitrag zur Reduzierung von FLW leisten?
Die COP30 hat Lebensmittelverluste und -verschwendung (FLW) prominent auf die globale Agenda gesetzt. Aus Sicht der WPO kann Verpackung einen der schnellsten und wirksamsten Beiträge zur Reduzierung von FLW leisten, wenn sie als integraler Bestandteil des Lebensmittelsystems und nicht als isoliertes Produkt konzipiert wird.
Das Papier Navigating the Food Loss and Waste Paradox (WPO/UNIDO/WUR) stellt hierfür ein praxisnahes Instrument vor: die Save Food Packaging Design Principles. Diese fünf Prinzipien zielen darauf ab, FLW durch Verpackungsdesign zu verhindern, indem sie
- das Produkt enthalten und schützen,
- die Haltbarkeit bewahren und verlängern,
- Verbraucherkomfort bieten,
- klar mit Verbraucherinnen und Verbrauchern kommunizieren und
- Lebensmittelabfälle und Verpackungsabfälle in ein ausgewogenes Verhältnis bringen.
Mit der wissenschaftlichen Anerkennung der klimarelevanten Auswirkungen von FLW griff die gemeinsame Session von WPO, UNIDO FSSC und WUR im Action on Food Hub im Blue Pavilion der COP30 diese Botschaft auf. Im Fokus standen Sensibilisierung, Finanzierung und Projekte, die zeigen, wie Verpackung zur Entwicklung nachhaltiger Lebensmittelsysteme mit positiven sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Effekten beiträgt.
Als strategisches Ergebnis kündigte die FSSC Foundation an, die fünf Designprinzipien künftig als Referenz in ihre Leitlinien für Lebensmittelsicherheitsverpackungen aufzunehmen.
Zusammenfassend bot die COP30 ein lebendiges und inspirierendes Umfeld und machte deutlich, dass der private Sektor und Organisationen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen übernehmen müssen. Es war eine herausragende Gelegenheit, der Verpackung eine Stimme zu geben und die Branche weiterhin dazu zu motivieren, sich kooperativ als Teil der Lösung einzubringen.
Vielen Dank für das Interview, Frau Pellegrino.
Autor: Alexander Stark, Redakteur FACHPACK360°