• 07.04.2026
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Verpackungsmaschinen: Wohin geht die Automatisierungsreise?

Verpackungsprozesse müssen heute mehr leisten als nur Tempo. Gefragt sind flexible Maschinen, die Ausfälle vermeiden, Formatwechsel beschleunigen und gleichzeitig dabei helfen, Nachhaltigkeitsziele zu erfüllen.
Pick and Place Roboter auf der FACHPACK
Automatisierung im Verpackungsmaschinenbau zielt heute vor allem auf flexible, vernetzte und ressourceneffiziente Prozesse.

Der Automatisierungsdruck bei Verpackungsprozessen nimmt weiter zu. Während im Verpackungsumfeld vielfach informationsgetriebene Prozesse im Vordergrund stehen, verlagert sich der Schwerpunkt im Maschinenbau zunehmend in Richtung Vernetzung, Automatisierung und digital unterstützter Prozessführung.

Getrieben wird diese Entwicklung von mehreren Faktoren zugleich. Fachkräftemangel, Wettbewerbsdruck, Nachhaltigkeitsanforderungen, wachsende Sortimentsvielfalt sowie der Zwang, schnell auf Trends und regulatorische Vorgaben reagieren zu müssen, erhöhen in vielen Unternehmen den Handlungsdruck. Hinzu kommt, dass vor allem im E-Commerce sowohl klassische Volumenaufträge als auch individualisierte Kleinserien effizient erfüllt werden müssen. Die Folge: Verpackungsmaschinen sollen nicht nur schneller, sondern vor allem flexibler und intelligenter werden.

 

Automatisierung als Wachstumstreiber

Die Kunden deutscher Verpackungsmaschinenhersteller investieren daher verstärkt in effiziente und integrierte Linienlösungen, um Produktivität, Flexibilität und Nachhaltigkeit weiter zu steigern (siehe Bericht vom Februar 2026). „Die Signale aus der Automatisierungstechnik und die entsprechenden Zahlen der Verbände zeigen eine Aufwärtsentwicklung“, berichtet Martin Buchwitz, Geschäftsführer von Packaging Valley Germany e. V.  „Die Entscheidung vieler deutscher Verpackungsmaschinenbauer auf intelligente Lösungen mit einem hohen Mehrwert für die Kunden zu setzen, dabei aber auch das mittlere Feld nicht zu ignorieren, scheint sich auszuzahlen.“

Zwei Entwicklungslinien zeichnen sich besonders deutlich ab: Zum einen gewinnt die physische Automatisierung an Bedeutung, etwa durch Robotik und modularere Maschinenkonzepte. Zum anderen nimmt die datengetriebene Optimierung an Gewicht zu, also die Fähigkeit, Zustände zu erfassen, Prozesse zu analysieren und Eingriffe vorausschauend zu steuern.

Roboter-Anwendung auf der FACHPACK
Cobots stellen mit einem Marktanteil von 33,29 Prozent im Jahr 2026 das größte Teilsegment des Marktes dar.

Physische Automatisierung als Antwort auf Flexibilitäts- und Personaldruck

Ein zentraler Entwicklungspfad im Verpackungsmaschinenbau ist die Automatisierung mithilfe von Robotern. Fortune Business Insights schätzte den globalen Markt für Verpackungsroboter im Jahr 2025 auf 7,57 Milliarden Dollar. Für die Jahre 2026 bis 2034 rechnen die Marktforscher mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 13,60 Prozent. Bis 2034 soll der Markt ein Volumen von 23,49 Milliarden Dollar erreichen. Wachstumstreiber sind vor allem Automatisierungslösungen für Verpackungs- und Palettierprozesse, etwa mit SCARA-Robotern, Delta-Robotern, Cobots und weiteren Robotersystemen. 

Pick-and-Place ist in den meisten Roboterkategorien der Verpackungsindustrie das führende Segment und erfordert präzise Handhabung und Geschwindigkeit. Das Segment der Pick-and-Place-Anwendungen hält mit 34,35 Prozent im Jahr 2026 den größten Marktanteil. Darüber hinaus steigern zunehmende Fortschritte bei Sortier- und Verpackungsprodukten für den E-Commerce-Sektor die Nachfrage nach Pick-and-Place-Robotern.

Cobots stellen mit einem Marktanteil von 33,29 Prozent im Jahr 2026 das größte Teilsegment des Marktes dar. Sie bieten eine kostengünstige Möglichkeit, sich wiederholende Aufgaben für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu automatisieren, während größere Hersteller von ihrem modularen Einsatz profitieren.

SCARA-Roboter sind aufgrund ihres zunehmenden Einsatzes für Hochgeschwindigkeits- und Montageaufgaben auf Wachstumskurs. Sie ermöglichen dreidimensionale Bewegungen in Produktionslinien und verbessern die Produktivität. Die Nachfrage nach Delta-Robotern und anderen Robotern mit unterschiedlichen Greifertypen wird der Marktstudie zufolge aufgrund ihrer Eignung für präzise lineare Verpackungs- und automatisierte Palettieraufgaben weiter steigen.

Entscheidend ist jedoch weniger die einzelne Roboterkategorie als ihre Funktion im Gesamtsystem. Robotik wird in Verpackungsprozessen zunehmend vom Einzelarbeitsplatz zum integrierten Linienbaustein, um manuelle Tätigkeiten zu reduzieren, Umrüstungen zu vereinfachen und wechselnde Produktformate flexibler zu beherrschen.

Parallel dazu steigt auch der Bedarf an Maschinen, die sich schnell auf wechselnde Produkte, Formate und Chargengrößen einstellen lassen. Denn gerade in Märkten mit hoher Produktvielfalt und kurzen Lebenszyklen stoßen starre Monolinien an ihre Grenzen. Gefragt sind daher modulare Anlagenkonzepte, die wirtschaftliche Formatwechsel ermöglichen und sich auch von weniger erfahrenem Personal sicher bedienen lassen. Mechanische, elektronische und digitale Unterstützungssysteme tragen dazu bei, Umrüstzeiten zu verkürzen, Fehler zu vermeiden und die notwendige Flexibilität im laufenden Betrieb abzusichern.

Ein Display mit technischen Daten und eine Person in einem schwarzen Anzug, die auf einer Tastatur etwas auswählt.
Moderne Maschinen sind heute vielfach mit Dashboards ausgestattet und vernetzt. 

Datengetriebene Automatisierung für Verfügbarkeit, Qualität und Wartung

Neben die physische Automatisierung tritt damit eine zweite Entwicklungslinie ins Rampenlicht: die datengetriebene Optimierung von Verpackungsprozessen. Vernetzte Maschinen, standardisierte Datenmodelle, IIoT-Konnektivität und digitale Assistenzsysteme schaffen die Grundlage dafür, Anlagenzustände transparenter zu machen und Prozesse gezielter zu steuern. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Leistungsdaten, sondern vor allem Qualitätsparameter, Zustandsüberwachung, Maschinenverfügbarkeit und Wartungsbedarf.

In der Praxis zeigt sich der Nutzen vor allem dort, wo Transparenz in konkrete Handlungsfähigkeit übersetzt wird. Moderne Maschinen sind heute vielfach mit Dashboards ausgestattet und vernetzt. Anwender können ihre Leistung auch aus der Ferne überwachen, etwa per App. Das ist für analytische Zwecke hilfreich, um auf Probleme bei der Produktivität zu stoßen. Ähnliches gilt für einzelne Maschinenkomponenten wie Motoren: Wenn sich zum Beispiel deren Stromverbrauch auffällig erhöht, kann es daran liegen, dass ein Defekt vorliegt oder eine andere Störung im System besteht. Über Fernwartung lassen sich solche Auffälligkeiten frühzeitig erkennen. So können Hersteller oder Betreiber rechtzeitig reagieren und Ersatz bereitstellen, bevor es zu Ausfällen kommt.

 

Nachhaltigkeit und Regulierung als zusätzliche Technologietreiber

Automatisierung wird zudem von Nachhaltigkeitsthemen angetrieben. Sie ist längst nicht mehr nur ein Thema der Verpackungsmaterialien, sondern wirkt zunehmend in die Maschinen- und Linienentwicklung hinein. Unternehmen stehen unter Druck, Materialeinsatz, Energieverbrauch und Ausschuss zu verringern und gleichzeitig ihre Prozesse auf kreislauffähige und ressourcenschonende Verpackungskonzepte auszurichten. Automatisierung wird damit auch zu einem Instrument, um Nachhaltigkeitsziele wirtschaftlich umsetzbar zu machen.

Zusätzlichen Schub erhält diese Entwicklung durch regulatorische Vorgaben wie die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Sie erhöht den Druck, Verpackungsprozesse technologisch neu aufzustellen und insbesondere Materialeffizienz sowie Leerraumreduktion systematischer anzugehen. Gerade im E-Commerce oder Produktversand rücken deshalb automatisierte Lösungen für passgenaue Verpackungen stärker in den Fokus. On-demand-Systeme für maßgeschneiderte Wellpappkartons können beispielsweise dazu beitragen, Füllmaterial, Transportvolumen und Materialverbrauch zu senken, ohne Schutzfunktion und Logistikfähigkeit zu beeinträchtigen.

 

Voraussetzungen und Grenzen der Entwicklung

So klar die Richtung ist, so wenig verläuft die Automatisierungsreise in der Praxis geradlinig. Viele Verpackungsumgebungen sind historisch gewachsen und durch unterschiedliche Steuerungsgenerationen, heterogene Maschinenparks und verschiedene Herstellersysteme geprägt. Diese Vielfalt erschwert die durchgängige Vernetzung und damit auch die sinnvolle Nutzung von Daten für weiterführende Automatisierungs- und KI-Anwendungen.

Hinzu kommt, dass digitale Systeme im industriellen Umfeld belastbar und nachvollziehbar arbeiten müssen. Anders als in rein informationsgetriebenen Anwendungen reichen im Maschinenbau plausible Ergebnisse nicht aus; entscheidend sind validierbare Datenquellen, definierte Schnittstellen und reproduzierbare Resultate. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, lassen sich die Vorteile von KI, Diagnostik und datenbasierter Optimierung in der Praxis zuverlässig nutzen.

Gerade darin liegt der eigentliche Maßstab für die nächste Ausbaustufe der Automatisierung: Unternehmen, die physische Automatisierung und datengetriebene Optimierung gezielt zusammenführen, schaffen die Voraussetzungen, um Verpackungsprozesse robuster, wirtschaftlicher und anpassungsfähiger aufzustellen. Die Automatisierungsreise führt damit nicht zu isolierten Hightech-Maschinen, sondern zu integrierten, lernfähigen und flexibel beherrschbaren Verpackungsprozessen.

 

Autor: Alexander Stark, Redakteur FACHPACK360°