- 20.02.2026
- Artikel
Globale Unsicherheit, differenzierte Märkte: Wohin steuert der Verpackungsmaschinenbau?
Trotz Nullwachstum im Maschinenbau bleibt der Verpackungsmaschinenbau vorsichtig optimistisch. Technologie, Kooperationen und internationale Märkte bieten Perspektiven – doch Energiepreise, Regulierung und geopolitische Risiken fordern strategische Antworten.

2025 war für den deutschen Maschinenbau ein Jahr der Stagnation. Unberechenbare handelspolitische Entscheidungen aus den USA, geopolitische Spannungen, hohe Energiepreise und wachsende bürokratische Anforderungen die Unternehmen. Vor diesem Hintergrund musste sich die Branche im Jahr 2025 dem VDMA zufolge mit einem realen Nullwachstum zufriedengeben.
Innerhalb des Maschinenbaus zeigte sich der Verpackungsmaschinenbau bislang vergleichsweise robust. Allerdings ist das Bild differenziert: Die Entwicklung hängt maßgeblich von den jeweiligen Endanwenderindustrien und Teilbranchen ab, die sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich entwickeln.

Pharma zeigt sich krisenresilient
Wie sich das Marktumfeld unter diesen herausfordernden Vorzeichen entwickelt und welche Erwartungen die Unternehmen an die kommenden Monate knüpfen, zeigt eine aktuelle Bestandsaufnahme der Mitgliedsunternehmen des Packaging Valley. „Der Bereich Pharma war auch im Jahr 2025 sehr erfolgreich, während es in anderen Bereichen mehr oder weniger gut lief. Maschinenbauer, die nahe an der Kunststoffverarbeitung sind, leiden nach wie vor unter den Unsicherheiten des Marktes. Die Automatisierer haben eine schwierige Zeit hinter sich und blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft“, fasst Martin Buchwitz, Geschäftsführer von Packaging Valley Germany e. V. die Lage zusammen. Größere Schwankungen gebe es vor allem dort, wo die Endabnehmerbranchen direkt mit dem Konsumverhalten der Menschen verbunden sind und diese wiederum mit der gesamtwirtschaftlichen Situation.
Neben Pharma konnten Unternehmen, die stark im Bereich Nahrungsmittel aufgestellt sind, die schwierigen Rahmenbedingungen ebenfalls besser meistern. So blickt Multivac auf eine „insgesamt sehr positive Nachfrageentwicklung im Jahr 2025“ zurück. „Sowohl die Zahl der Kundenanfragen als auch der Auftragseingang haben deutlich zugelegt. Besonders stark war der Zuwachs im Bereich Portioning und Slicing. Zudem verzeichneten wir eine hohe Nachfrage in unserem Kernsegment der Tiefziehverpackungsmaschinen sowie im Liniengeschäft“, berichtet Dr. Tobias Richter, Geschäftsführender Direktor (CSO), Multivac Group. Kunden investieren dabei verstärkt in intelligente, effiziente und integrierte Linienlösungen, um Produktivität, Flexibilität und Nachhaltigkeit weiter zu steigern.
Buchwitz bestätigt diesen Trend im Bereich der Automatisierung: „Die Signale aus der Automatisierungstechnik und die entsprechenden Zahlen der Verbände zeigen eine Aufwärtsentwicklung“. Die Entscheidung vieler deutscher Verpackungsmaschinenbauer auf intelligente Lösungen mit einem hohen Mehrwert für die Kunden zu setzen, dabei aber auch das mittlere Feld nicht zu ignorieren, scheint sich auszuzahlen. „Neben den Maschinen, für die deutsche Verpackungsmaschinenbauer bekannt sind, wächst der Markt im Bereich mit einem ausgewogenen Preis-Leistungs-Verhältnis“, so Buchwitz, warnt aber zugleich: „Die Unternehmen der Branche müssen sich strategisch sehr viel marktspezifischer aufstellen, wie dies in der Vergangenheit der Fall war.“
Wachstumsimpulse aus Entwicklungs- und Schwellenländern
Mit Blick auf die internationalen Absatzmärkte zeigen sich die Mitgliedsunternehmen des Packaging Valley weiterhin gut positioniert. Erfolgreich sind sie nach wie vor in etablierten Märkten wie den USA, Europa und Asien. Zudem sieht Buchwitz in Südamerika und je nach Bereich des Verpackungsmaschinenbaus auch in Afrika Potenziale für Wachstum.

In Entwicklungs- und Schwellenländern kommen Impulse durch die steigende Nachfrage nach modernen Verpackungslösungen, die die Produkthaltbarkeit erhöhen und Lebensmittelverluste reduzieren, wie Dr. Tobias Richter bestätigt. In Südamerika und Indien wirken laut Richter bestehende und neu verhandelte Freihandelsabkommen unterstützend. „Eine zügige Ratifizierung solcher Vereinbarungen ist aus unserer Sicht ein entscheidender Hebel für zusätzliche Wachstumsimpulse“, fordert Richter. Neue und bereits verhandelte Abkommen erhöhten die Planungssicherheit, stärkten internationale Wertschöpfungsketten und erleichterten den Zugang zu strategisch wichtigen Märkten. „Weniger Bürokratie, etwa durch die gegenseitige Anerkennung von Zertifizierungen, kann zusätzliche Kostenvorteile ermöglichen“, sagt Richter.
Auch Buchwitz teilt diese Einschätzung: „Der Vorstand des Packaging Valley hat sich dager sehr klar pro Freihandel im Allgemeinen und Mercosur in der Speziellen ausgesprochen.“
Technologie als strategischer Hebel
Technologie ist und bleibt der zentrale Differenzierungsfaktor des deutschen Verpackungsmaschinenbaus „Die unglaubliche Dynamik von KI gibt der Entwicklung einen zusätzlichen Schub“, so Buchwitz, „wobei die große Kunst darin liegt, unter der unzählbaren Anzahl an Angeboten und Möglichkeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Während KI und Automatisierung erhebliche Potenziale erzeugen und internationale Handelsabkommen zusätzliche Wachstumsimpulse ermöglichen, bleibt das globale Umfeld komplex. „Standortfaktoren, Regulierung und Fachkräfteverfügbarkeit werden entscheidend dafür sein, wie stark Unternehmen diese Chancen nutzen können“, ergänzt Richter.
Das Packaging Valley sieht zudem großen Chancen darin, sehr viel stärker auf Kooperationen und Partnerschaften zu setzen. „Der ‚Lonesome Cowboy‘ wird es in Zukunft im Markt der Verpackungsmaschinen schwer haben“, warnt Buchtwitz. Gerade in Deutschland, dem Land er Maschinenbauer und Automatisierer, liege es auf der Hand, in Zusammenarbeit zu intensivieren. „Wir als Packaging Valley setzen auf Innovation, die sich nicht nur an der Technologie festmacht, sondern sich quer durch alle Unternehmensbereiche zieht“, ergänzt der Geschäftsführer des Packaging Valley.
Vorsichtiger Optimismus
Die Mitgliedsunternehmen des Packaging Valley kommen aus den verschiedenen Bereichen rund um den Verpackungsmaschinenbau: Maschinenbau, Automatisierungstechnik, Engineering sowie Lösungen aus der Wertschöpfungskette. Dementsprechend fallen Prognosen laut Buchwitz auch unterschiedlich aus. Doch die gesamte Branche zeige sich im Moment vorsichtig optimistisch. So wächst der Bedarf an Verpackung und damit auch der von Verpackungsmaschinen weltweit weiterhin und Sustainable Packaging sei Herausforderung und Chance zugleich.
Gleichzeitig bleibt das globale Umfeld anspruchsvoll. „Vorsichtig optimistisch sind wir vor allem, weil weltpolitische, weltwirtschaftliche und die deutschen wirtschaftspolitischen Entwicklungen einfach nicht vorhersehbar sind und wir uns in einer sehr volatilen und teils disruptiven Lage befinden“, so Buchwitz und Richter gibt zu bedenken: „Schwache Binnenmärkte – etwa in China oder in Teilen Europas – verstärken den Wettbewerbsdruck exportorientierter Hersteller in dynamischen Regionen wie Südostasien.“ Die internationale Aufstellung des bayerischen Maschinenbauers erweist sich dabei als großer Vorteil: „Mit lokalen Standorten, regionaler Wertschöpfung und unmittelbarer Kundennähe können wir flexibel auf Marktveränderungen reagieren und Chancen auch in einem volatilen Umfeld gezielt nutzen“, meint Richter.
Auf globale Ereignisse lässt sich dennoch nur bedingt Einfluss nehmen, falls überhaupt. „Den diesbezüglich noch größten Einfluss haben wir, wenn es um die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland geht – aber auch da gibt es Grenzen“, betont Buchwitz.
„Hohe Energie- und Personalkosten, zunehmende regulatorische Auflagen sowie langwierige Genehmigungs- und Entscheidungsprozesse bremsen Innovations- und Investitionsgeschwindigkeit. Für industriell geprägte Unternehmen entsteht ein zunehmend herausforderndes Umfeld“, ergänzt Richter. Deutschland bleibe für die Multivac-Gruppe dennoch ein zentraler Standort mit hoher industrieller Kompetenz, exzellenten Forschungsstrukturen und einem leistungsfähigen Netzwerk aus Kunden, Partnern und Zulieferern. „Entscheidend wird sein, diese Stärken durch verlässliche Rahmenbedingungen, investitionsfreundliche Politik und gezielte Reformen, beispielsweise mit Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel zu sichern“, sagt Richter.
Unterm Strich steht der Verpackungsmaschinenbau vor einer strategischen Weichenstellung. Pharma, Lebensmittel und technologische Innovationskraft stabilisieren das Geschäft. Internationale Märkte und Handelsabkommen eröffnen zusätzliche Chancen. Doch entscheidend wird sein, wie konsequent Unternehmen Technologie, Marktkenntnis und Kooperation miteinander verbinden – und ob es gelingt, den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen.
Autor: Alexander Stark, Redaktion FACHPACK360°