In der Praxis zeigt sich der Nutzen vor allem dort, wo Transparenz in konkrete Handlungsfähigkeit übersetzt wird. Moderne Maschinen sind heute vielfach mit Dashboards ausgestattet und vernetzt. Anwender können ihre Leistung auch aus der Ferne überwachen, etwa per App. Das ist für analytische Zwecke hilfreich, um auf Probleme bei der Produktivität zu stoßen. Ähnliches gilt für einzelne Maschinenkomponenten wie Motoren: Wenn sich zum Beispiel deren Stromverbrauch auffällig erhöht, kann es daran liegen, dass ein Defekt vorliegt oder eine andere Störung im System besteht. Über Fernwartung lassen sich solche Auffälligkeiten frühzeitig erkennen. So können Hersteller oder Betreiber rechtzeitig reagieren und Ersatz bereitstellen, bevor es zu Ausfällen kommt.
Nachhaltigkeit und Regulierung als zusätzliche Technologietreiber
Automatisierung wird zudem von Nachhaltigkeitsthemen angetrieben. Sie ist längst nicht mehr nur ein Thema der Verpackungsmaterialien, sondern wirkt zunehmend in die Maschinen- und Linienentwicklung hinein. Unternehmen stehen unter Druck, Materialeinsatz, Energieverbrauch und Ausschuss zu verringern und gleichzeitig ihre Prozesse auf kreislauffähige und ressourcenschonende Verpackungskonzepte auszurichten. Automatisierung wird damit auch zu einem Instrument, um Nachhaltigkeitsziele wirtschaftlich umsetzbar zu machen.
Zusätzlichen Schub erhält diese Entwicklung durch regulatorische Vorgaben wie die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Sie erhöht den Druck, Verpackungsprozesse technologisch neu aufzustellen und insbesondere Materialeffizienz sowie Leerraumreduktion systematischer anzugehen. Gerade im E-Commerce oder Produktversand rücken deshalb automatisierte Lösungen für passgenaue Verpackungen stärker in den Fokus. On-demand-Systeme für maßgeschneiderte Wellpappkartons können beispielsweise dazu beitragen, Füllmaterial, Transportvolumen und Materialverbrauch zu senken, ohne Schutzfunktion und Logistikfähigkeit zu beeinträchtigen.
Voraussetzungen und Grenzen der Entwicklung
So klar die Richtung ist, so wenig verläuft die Automatisierungsreise in der Praxis geradlinig. Viele Verpackungsumgebungen sind historisch gewachsen und durch unterschiedliche Steuerungsgenerationen, heterogene Maschinenparks und verschiedene Herstellersysteme geprägt. Diese Vielfalt erschwert die durchgängige Vernetzung und damit auch die sinnvolle Nutzung von Daten für weiterführende Automatisierungs- und KI-Anwendungen.
Hinzu kommt, dass digitale Systeme im industriellen Umfeld belastbar und nachvollziehbar arbeiten müssen. Anders als in rein informationsgetriebenen Anwendungen reichen im Maschinenbau plausible Ergebnisse nicht aus; entscheidend sind validierbare Datenquellen, definierte Schnittstellen und reproduzierbare Resultate. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, lassen sich die Vorteile von KI, Diagnostik und datenbasierter Optimierung in der Praxis zuverlässig nutzen.
Gerade darin liegt der eigentliche Maßstab für die nächste Ausbaustufe der Automatisierung: Unternehmen, die physische Automatisierung und datengetriebene Optimierung gezielt zusammenführen, schaffen die Voraussetzungen, um Verpackungsprozesse robuster, wirtschaftlicher und anpassungsfähiger aufzustellen. Die Automatisierungsreise führt damit nicht zu isolierten Hightech-Maschinen, sondern zu integrierten, lernfähigen und flexibel beherrschbaren Verpackungsprozessen.
Autor: Alexander Stark, Redakteur FACHPACK360°