- 06.10.2026
- Interview
- Frauen in der Verpackungsindustrie
„Es braucht keine neue Verpackung, sondern ein neues System“
Kosmetikflaschen über bestehende Pfandautomaten zurückführen und künftig erneut befüllen: Das Heilbronner Start-up reo erprobt, wie sich dafür vorhandene Strukturen von Handel, Logistik und Markenherstellern verbinden lassen. Im Women4Packaging-Interview spricht Gründerin Steffanie Rainer über erste Erkenntnisse aus der Pilotphase, den geplanten Regelbetrieb und die Erfahrungen, die ihren unternehmerischen Weg geprägt haben.
Geschrieben von Alexander Stark

Seit Ende Oktober 2025 erprobt reo die Rückgabe leerer Kosmetikverpackungen über bestehende Pfandautomaten im Handel. Wo steht das Pilotprojekt heute und welche Erkenntnisse haben Sie bislang gewonnen?
Wir sind jetzt im letzten Monat unserer Pilotphase. Seit Ende Oktober 2025 testen wir in 28 Filialen: in 18 Kaufland-Märkten in München und Heilbronn und in 10 VollCorner-Biomärkten in München. Rund 5.000 Flaschen unserer Markenpartner wie Kneipp, lavera, Sante und Logona sind dafür gekennzeichnet worden. Wer eine leere Flasche in den Pfandautomaten gibt, bekommt 29 Cent zurück.
Die wichtigste Erkenntnis: Die Kundinnen und Kunden verstehen das System sofort, weil es total einfach ist. Den Weg zum Pfandautomaten kennt jeder. Anfangs gab es noch Erkennungsprobleme an den Automaten, die wir gemeinsam mit den Herstellern TOMRA und Sielaff gelöst haben. Genau dafür ist ein Pilot da.

Wie funktioniert das System im Regelbetrieb?
Kauf: Die Kundin kauft ihr Shampoo oder Duschgel ganz normal, egal wo im Handel. Die Flasche trägt unseren lila Kreis und einen Code.
Rückgabe: Die leere Flasche kommt in den Pfandautomaten und wird dort erkannt. Wir sehen schon jetzt, dass Flaschen, die bei anderen Handelspartnern gekauft wurden, bei Kaufland zurückgegeben werden. Das zeigt, dass es um ein offenes System geht und nicht um einen einzelnen Händler.
Logistik: Der Handel sammelt die Flaschen und gibt sie über die bestehende Leergutlogistik zurück, genau wie Getränkekisten.
Reinigung: Heute werden die Flaschen noch nicht gereinigt, aber die Reinigung ist vorbereitet. Erste Tests sind gelaufen, und wir wissen, dass wir das nach Kosmetikstandard hinbekommen.
Wiederbefüllung: In Zukunft werden die Flaschen von den Marken neu befüllt und kommen zurück in den Handel.
reo selbst ist dabei die Datenplattform und der Koordinator. Wir bauen keine Waschanlage und keine Automaten, sondern verbinden die Infrastruktur, die schon da ist. Im Regelbetrieb soll jede Flasche über einen GS1-DataMatrix-Code eindeutig identifizierbar sein. So wissen wir, wo sie ist, wie oft sie schon im Kreislauf war und wann sie aussortiert werden muss. Das ist auch die Grundlage für den digitalen Produktpass, den die EU-Verpackungsverordnung künftig verlangt.
Sie sind in einem mittelständischen Familienunternehmen aufgewachsen. Wie hat dieses Umfeld Ihren eigenen Weg zur Unternehmerin geprägt? Welche Erfahrungen haben Ihnen besonders dabei geholfen?
Ich bin in einer Stanzerei groß geworden, in der es um Abrufaufträge der Automobilindustrie ging. Da durchläuft man alle Prozesse, und man lernt schnell, Prozesse zu verstehen, sie aufzusetzen und effizient zu werden.
Die zweite prägende Erfahrung war die Nachfüllstation, die ich damals gebaut habe, und die vielen Gespräche drumherum. Dabei habe ich gelernt, dass man bestehende Prozesse nicht ändern darf. Wer anfängt, Abläufe umzuwerfen, die über Jahre und Jahrzehnte optimiert wurden, wird nie etwas verändern. Man muss Schritt für Schritt vorgehen und immer auf dem Bestehenden aufsetzen. Genau das ist heute das Prinzip von reo.
Wie entstand die Idee für Reo und wann wussten Sie, dass daraus ein Unternehmen werden sollte?
Die Idee kam aus meinem eigenen Alltag. Als Studentin mit kleinem Kind habe ich mich gefragt, wie man das besser machen kann, mit all den Verpackungen, die nach einmaligem Gebrauch im Müll landen.
Mit den Nachfüllstationen habe ich erst einmal alles falsch gemacht. Aber genau daraus habe ich gelernt, worauf es ankommt: auf bestehende Prozesse aufsetzen und es in der Umsetzung so leicht wie möglich machen.
Dass daraus ein Unternehmen wird, haben wir Schritt für Schritt gemerkt, durch die Unterstützung von Campus Founders und jetzt durch den Test mit Kaufland. Mit der EU-Verpackungsverordnung kommt auf alle etwas zu, und dafür braucht es uns. Es braucht keine neue Verpackung, es braucht ein neues System. Die dualen Systeme haben ausgedient.
