• 06.07.2026
  • Interview

Wie Familienunternehmen in der Verpackungsbranche beweglich bleiben

Verpackungen stehen unter hohem Veränderungsdruck: Regulierung, Nachhaltigkeit, Effizienz und Nachwuchsfragen prägen die Branche. Dr. Julia Eberhardt von LEEB Flexibles sieht darin auch Gestaltungsspielraum. Im Interview spricht sie über schnelle Entscheidungen im Familienunternehmen, die besondere Rolle von Nachfolge und die Stärken deutscher Verpackungshersteller im internationalen Wettbewerb.

Geschrieben von Alexander  Stark

Julia Eberhardt,  Geschäftsführerin von LEEB Flexibles
Dr. Julia Eberhardt führt LEEB Flexibles gemeinsam mit ihrem Bruder Georg Eberhardt in vierter Generation.

Dr. Julia Eberhardt führt den Verpackungshersteller LEEB Flexibles gemeinsam mit ihrem Bruder Georg Eberhardt in vierter Generation. Das Allgäuer Familienunternehmen mit Hauptsitz in Memmingen wurde 1928 gegründet und ist auf flexible Lebensmittelverpackungen spezialisiert. Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre und Organisationspsychologie promovierte Eberhardt zum Thema „Nachfolge in Familienunternehmen“ und war mehrere Jahre für internationale Konzerne tätig. Im Gespräch erklärt sie, was Zukunftsfähigkeit für ein fast 100 Jahre altes Familienunternehmen bedeutet, warum Führung in Transformationsphasen auch Familienarbeit ist und welche Perspektiven die Verpackungsindustrie jungen Talenten bietet.

 

Sie führen LEEB Flexibles in vierter Generation. Was bedeutet Zukunftsfähigkeit für ein Familienunternehmen, das seit fast 100 Jahren Verpackungen entwickelt und produziert?

Zukunftsfähigkeit bedeutet, Erfahrung und Tradition zu wahren, Gegenwart zu „LEEBen“ und Zukunft aktiv zu gestalten. Wir lernen auch nach 100 Jahren noch jeden Tag dazu und entwickeln uns täglich weiter. Wir denken einerseits in Generationen und treffen unsere Strategie- und Investitionsentscheidungen andererseits sehr schnell und dynamisch. Als Familienunternehmen profitieren wir dabei einerseits von kurzen Entscheidungswegen und 100%iger Unabhängigkeit, andererseits aber auch von der langjährigen Erfahrung unserer Mitarbeitenden und der gewachsenen Kundenstrukturen.

 

Sie haben zum Thema Nachfolge in Familienunternehmen promoviert. Was unterscheidet Führung in einem Familienunternehmen von Führung in einem Konzern – gerade in Transformationsphasen?

Es sitzt immer eine Partei mehr am Tisch: die Familie. Mit all ihren Mustern, Emotionen und ihrer Geschichte. Das bringt einerseits tiefes Vertrauen und Verständnis und höchste Loyalität, andererseits erfordert es das bewusste Gestalten dieser „Familien-Ebene“. Ich führe das Unternehmen gemeinsam mit meinem Bruder und wir sind uns sehr bewusst, dass wir sowohl Bruder und Schwester, aber eben auch Co-CEOs sind. Beide Beziehungen reflektiert und sensibel zu pflegen und zu gestalten ist unsere Aufgabe – wahrscheinlich die wichtigste überhaupt. Das nehmen wir sehr ernst, weil dadurch eine unglaubliche Energie entsteht: wir stellen beide das Wohl des Unternehmens über alles – das hilft uns sehr, insbesondere in herausfordernden Zeiten. 

 

Die Verpackungsindustrie steht oft im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit, Regulierung und öffentlicher Kritik. Wie erklären Sie jungen Talenten, warum es sich trotzdem lohnt, in diese Branche einzusteigen?

Wie kaum eine andere Industrie bietet die Verpackungsindustrie unglaublich gute Zukunftsperspektiven, ist hoch dynamisch und dabei so vielfältig. Nachhaltigkeit wird hier nicht nur in Prozessen und Verhalten gelebt, sondern direkt am Produkt. Wo sonst kann man tatsächlich und direkt einen Beitrag leisten und Zukunft so aktiv gestalten?! 

Wenn es uns als Branche noch besser gelänge, diese Aspekte in den Vordergrund zu stellen und sichtbar zu machen, erübrigte sich die Frage. Das ist mein Ziel! 

 

Wo sehen Sie die größten Stärken deutscher Verpackungsunternehmen im internationalen Wettbewerb – bei Qualität, Technologie, Nachhaltigkeit oder Kundennähe?

Aus Erfahrung und echter Kundennähe entsteht Innovationskraft und Umsetzungspower. Das zeichnet die deutsche Verpackungsindustrie in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern aus! Die immer kürzer werdenden Lebenszyklen einzelner Produktauflagen erfordert höchste Flexibilität und Schnelligkeit – da zahlt sich auch geografische Nähe aus. Und dennoch müssen wir uns im globalen Wettbewerb beweisen – modernste Technik und höchst Effizienz in Produktion und Service sind dabei unabdingbar. Daran müssen wir alle mit Hochdruck arbeiten und dürfen die Dynamik internationaler Märkte nicht übersehen, sondern sollten sie als Antrieb verstehen, selbst immer noch besser zu werden.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Eberhardt.
 

Autor

Alexander Stark
Alexander  Stark
Redakteur FACHPACK360°