- 25.09.2026
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Verbraucher-Aufklärung: Warum Recyclingwissen allein nicht ausreicht
Zwischen dem Wissen über Recycling und der richtigen Abfalltrennung im Alltag besteht häufig noch eine Lücke. Rossmann will sie mit interaktiven Lernformaten schließen und arbeitet selbst an recyclingfähigen Verpackungen mit höheren Rezyklatanteilen.
Geschrieben von Alexander Stark

Im Verkaufsregal ist die Verpackung noch kein Abfall, sondern Teil des Produkts. Sie schützt den Inhalt, vermittelt Informationen und prägt den ersten Eindruck. Erst nach dem Gebrauch wird aus ihr ein Wertstoff, der richtig getrennt und entsorgt werden muss. Der Einzelhandel erreicht die Menschen genau an diesem Übergang und kann deshalb frühzeitig Orientierung für den Umgang mit Verpackungen nach der Nutzungsdauer geben.
An Informationen über Abfalltrennung und Recycling mangelt es grundsätzlich nicht. Kommunen, staatliche Stellen und Verbände erklären über unterschiedliche Kanäle, was wohin gehört und wie sich Wertstoffe im Kreislauf halten lassen. Doch zwischen vorhandenem Wissen und seiner praktischen Umsetzung im Alltag liegt häufig noch ein weiter Weg.
Der Einzelhandel kann diese Distanz verkürzen. Er bringt täglich Millionen verpackter Produkte in Umlauf und erreicht die Menschen zu einem Zeitpunkt, an dem Produkt und Verpackung noch als Einheit wahrgenommen werden. Kampagnen am Verkaufsort, Hinweise auf Verpackungen und digitale Angebote können Recycling und Ressourcenschonung unmittelbar mit dem Einkauf verbinden, ist sich die Drogeriemarktkette sicher. Das Unternehmen setzt dabei auf Impulse, die das Thema in den Alltag tragen und zur richtigen Entsorgung anregen sollen.

Recycling als Erlebnis vermitteln
Dafür setzt der Drogeriehändler auf direkten Kontakt ebenso, wie Online-Aktivitäten. So lockte Rossmann auf der IdeenExpo in Hannover im Sommer mit einer Gaming-Area und einem RoboRun. Besucherinnen und Besucher konnten einen Lego-Roboter durch eine detailgetreue Miniaturfiliale steuern und dabei Verpackungen einsammeln, sortieren und richtig entsorgen. „Durch die Interaktion mit den Robotern werden Schülerinnen und Schüler angeregt, sich mit der Technologie auseinanderzusetzen“, so das Unternehmen. Entwickelt wurden die Roboter von IT-Auszubildenden und dual Studierenden von Rossmann.
Auch über Messeauftritte hinaus verbindet das Unternehmen die Vermittlung von Recyclingwissen mit unterschiedlichen Formaten. Entsprechende Inhalte wurden bereits im Rahmen der Kampagne „Plastik ist kein Müll!“ und in Zusammenarbeit mit dem Content Creator Levi Penell aufgegriffen. Mit der Initiative „Zukunft Mitgemacht“ fördert Rossmann zudem innovative Lern- und Experimentierräume an Schulen.
Obwohl die grundlegenden Recyclingregeln vielen Menschen durchaus bekannt sind, besteht die Herausforderung weniger darin, weitere Regeln zu formulieren, als vorhandenes Wissen in konsequentes Handeln zu übersetzen. Rossmann sieht deshalb Potenzial für interaktive Formate, die Recycling nachvollziehbar und die Wirkung der richtigen Trennung sichtbar machen. „Statt Recycling nur theoretisch zu erklären, können Kundinnen und Kunden selbst aktiv werden: Sie trennen und recyceln Verpackungen im Recycling-Spiel, erleben Kreisläufe spielerisch und erhalten durch echtes Rezyklat ein greifbares Verständnis dafür, wie aus gebrauchten Kunststoffen neue Verpackungen entstehen“, so Rossmann. Informationsangebote könnten demnach an Wirkung gewinnen, wenn sie durch praktisches Ausprobieren ergänzt werden. „Wo Technologie, Gamification und unmittelbares Erleben zusammenwirken, entsteht ein dynamischer Lernprozess, der Neugier weckt und gewonnene Erkenntnisse lebendig nachklingen lässt“, so Rossmann im Interview mit FACHPACK360° weiter.
Ziele für Verpackungen und Rezyklate
Glaubwürdig wird die Aufklärung über Recycling jedoch erst, wenn der Händler auch die eigenen Verpackungen entsprechend weiterentwickelt. Rossmann orientiert sich deshalb nach eigenen Angaben an den Grundsätzen „Vermeidung, Verminderung, Verbesserung und Verwertung“. Die Kampagne „Plastik ist kein Müll!“ verbindet das Unternehmen deshalb mit konkreten Zielen für die Verpackungen seiner mehr als 5.000 Eigenmarkenprodukte: Verpackungen sollen nach Möglichkeit vermieden, durch geringere Materialstärken leichter und mit einem höheren Anteil recycelter Rohstoffe hergestellt werden. Nach ihrem Gebrauch sollen sie sich möglichst gut in die Kreislaufwirtschaft zurückführen lassen.
Wie weit Rossmann auf diesem Weg vorangekommen ist, zeigen die für 2025 ausgewiesenen Rezyklatanteile. Nach Unternehmensangaben bestand der für Eigenmarkenverpackungen eingesetzte Kunststoff zu 41 Prozent aus recyceltem Material. Bis 2028 soll der Rezyklatanteil in den Kunststoffverpackungen der Rossmann-Marken auf 45 Prozent steigen. Über alle Materialarten hinweg – einschließlich Glas, Papier und Aluminium – sollen die Verpackungen der Eigenmarken bis dahin zu 50 Prozent aus recycelten Materialien bestehen.
Eng mit dem Rezyklateinsatz verbunden ist die Frage, ob sich die Verpackungen nach Gebrauch erneut verwerten lassen. Nach Angaben von Rossmann weisen derzeit rund 71,7 Prozent der Eigenmarkenverpackungen, bezogen auf ihr Gewicht, eine Recyclingfähigkeit von mehr als 95 Prozent auf. Technisch anspruchsvoll seien insbesondere Folien, Tuben und Mehrschichtmaterialien mit Barrierefunktionen. Solche Lösungen können für den Produktschutz erforderlich sein, lassen sich mit den vorhandenen Verfahren jedoch schwieriger recyceln.
Die Umstellung erfordert daher laut Rossmann eine sorgfältige Abwägung zwischen Produktschutz, Haltbarkeit, Materialeinsatz und regulatorischen Anforderungen. Gemeinsam mit Partnern wie BellandVision arbeite man systematisch an weiteren Verbesserungen.
Das Unternehmen hat sein bisheriges Ziel klar formuliert: Bis 2030 sollen sämtliche Eigenmarkenverpackungen eine Recyclingfähigkeit von mindestens 80 Prozent erreichen.
