• 08.11.2026
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Tchibo testet Pfandsystem für lose Kaffeebohnen in Wien und Graz

In 33 Filialen in Wien und Graz testet Tchibo ein Pfandsystem für lose Kaffeebohnen. Edelstahldosen sollen Einwegverpackungen reduzieren und den Kaffee frisch halten. Wie bewährt sich das System im Filialalltag, und wie kommt es bei den Kunden an? Erste Erfahrungen zeigen Chancen und Herausforderungen.
Mit gerösteten Kaffeebohnen gefüllte Edelstahl-Mehrwegdose von Tchibo neben einer Tasse Kaffee auf einem Holztisch.
In 33 Tchibo-Filialen in Wien und Graz können Kunden lose Kaffeebohnen in wiederverwendbare Edelstahl-Dosen abfüllen lassen.

Seit Mai 2026 erprobt Tchibo gemeinsam mit dem Mehrwegspezialisten circolution ein Pfandsystem für lose Kaffeebohnen in Österreich. In den 33 teilnehmenden Filialen in Wien und Graz können Kunden Bohnen in Edelstahldosen für 250 oder 500 Gramm abfüllen lassen. Das Pfand beträgt 3 Euro für die Dose und 1 Euro für den Deckel. Bei der Rückgabe in einer teilnehmenden Filiale erhalten die Kunden das Pfand zurück. Die Dosen werden anschließend gereinigt und wiederverwendet. Die Mehrwegdose soll zugleich als Verpackung und Aufbewahrungsgefäß dienen und bei Bedarf in den Kreislauf zurückkehren. Mindestens 50 Umläufen sollen dabei möglich sein. 

Über die bisherigen Erfahrungen berichtete Robert Stein, Head of Packaging, Capsules & New Materials bei Tchibo, beim Österreichischen Verpackungstag am 1. Oktober 2026 und im Interview mit FACHPACK360°.

 

Edelstahl für Aromaschutz, Stabilität und Optik

Im Pilotprojekt will Tchibo nach Steins Worten prüfen, ob sich Mehrweggebinde als praktische Alternative zur Einwegverpackung eignen. 

Bei der Materialwahl standen Aromaschutz und mechanische Belastbarkeit im Mehrwegkreislauf im Vordergrund. Edelstahl ist formstabil und schützt den Kaffee vor Licht, Sauerstoff und Wasserdampf. „Für den Aromaschutz ist aber nicht allein das Material des Dosenkörpers entscheidend: Auch die Deckel müssen zuverlässig schließen. Zudem muss die Dose für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sein und sich wiederholt reinigen lassen“, erläutert Stein. 

Mitarbeiterin hinter einer Tchibo-Verkaufstheke befüllt eine silberne Mehrwegdose mit losen Kaffeebohnen.
Die Edelstahl-Dosen werden direkt in den Tchibo-Filialen mit Kaffeebohnen befüllt. Zurückgegebene Behälter werden vor Ort gereinigt und anschließend erneut eingesetzt.

Rückgabe und Reinigung direkt in der Filiale

Ein zentraler Aspekt des Pilotprojekts ist die Einbindung des Mehrwegsystems in den Filialalltag. Anders als bei Systemen mit zentraler Aufbereitung entfällt der Transport der zurückgegebenen Behälter zu einem externen Reinigungsdienstleister. „Was die Rückgabe und Reinigung betrifft, haben wir den großen Vorteil, dies effizient vor Ort in der Filiale selbst abwickeln zu können“, hebt Stein hervor. 

Die Dosen werden vor Ort in den Filialspülmaschinen gereinigt – denselben Geräten die auch für das Geschirr der Kaffeebar genutzt werden. Der Pilotbetrieb soll zeigen, wie sich Rücknahme, Reinigung und Bereitstellung der Dosen in die laufenden Abläufe einfügen.

Neben technischen und organisatorischen Fragen steht die Kundenakzeptanz im Mittelpunkt. Tchibo untersucht dabei auch, ob das Mehrwegsystem zusätzliche Kunden anspricht und die Besuchshäufigkeit beeinflusst.

Als Anreiz erhalten Kunden beim Einkauf mit der Mehrwegdose 30 TreueBohnen im Gegenwert von 30 Cent auf ihre TchiboCard gutgeschrieben. Da die Dosen in den Filialen verfügbar sind, können sich Kunden auch spontan für die Mehrweglösung entscheiden. 

„Wir wollen nachhaltiges Verhalten nicht nur ermöglichen, sondern auch dazu motivieren, mitzumachen“, erklärt Paul Unterluggauer, Geschäftsführer Tchibo Österreich. „Die Mehrwegdose macht Kreislaufwirtschaft im Alltag konkret erlebbar – ohne Aufwand für unsere Kund*innen.“ 

 

Vom Mehrwegbecher zur Kaffeebohne

Mit dem Pfandsystem baut Tchibo seine bestehenden Mehrwegangebote aus. Schon seit mehreren Jahren können Kunden lose Kaffeebohnen in mitgebrachte Behälter oder in Kaffeedosen aus der Filiale abfüllen lassen. Das neue Angebot ergänzt diese Möglichkeit um einen wiederverwendbaren Behälter mit geregelter Rücknahme.

„Nach unseren Erfahrungen mit Mehrwegbechern im Coffee-to-go-Bereich war die Kaffeebohne der logische nächste Schritt“, so Unterluggauer.

Für circolution zeigt die Zusammenarbeit mit Tchibo, wie sich Mehrwegsysteme in bestehende Einzelhandelsstrukturen einbinden lassen. Neben geeigneten Behältern seien dafür auch funktionierende Rücknahme- und Aufbereitungsprozesse nötig, betont Geschäftsführer Maximilian Bannasch: „Dafür liefern wir nicht nur Behälter, sondern das System dahinter – inklusive Rücknahme- und Pfandlogik, Aufbereitung/Qualitätssicherung und der dazugehörigen Logistik.“

Einen weiteren Impuls für die Entwicklung von Mehrweglösungen sieht Bannasch in der europäischen Verpackungsverordnung PPWR. Frühzeitige Pilotprojekte böten Unternehmen die Gelegenheit, Erfahrungen mit der technischen Umsetzung, der Logistik und dem Verbraucherverhalten zu sammeln.

 

Entscheidung über Ausweitung nach Pilotabschluss

Ob Tchibo das Pfandsystem auf weitere Filialen ausweitet, ist noch offen. Zunächst wertet das Unternehmen die Erfahrungen aus Wien und Graz aus. Entscheidend sind die Kundenakzeptanz, die Rücklaufquoten, die tatsächliche Wiederverwendung und die Einbindung in den Filialalltag.

„Nach Abschluss des Piloten werten wir die Ergebnisse aus. Dabei berücksichtigen wir unter anderem die Akzeptanz bei Kund:innen, die Rückgabe- und Wiederverwendungsquoten sowie die Abläufe in den Filialen. Auf dieser Grundlage entscheiden wir, ob und in welcher Form das Angebot fortgeführt oder ausgeweitet wird“, so Stein.

 

Autor: Alexander Stark, Freier Fachjournalist