Technologieoffener Beschaffungsprozess als Alternative
Unternehmen, die in eine neue Verpackungsmaschine investieren, möchten sicherstellen, dass ihre Investition auch in Zukunft tragfähig ist. Gerade angesichts veränderlicher Rahmenbedingungen muss eine Anlage während ihrer Nutzungsdauer neue Anforderungen bewältigen können – etwa PPWR, Fachkräftemangel, schwankende Mengen, Automatisierung und Robotik. Felix Gass bringt es auf den Punkt: „Zukunftsfähigkeit steckt nicht im Auslieferungszustand. Sie zeigt sich in den Kosten der Änderungen, die später kommen.“
Am Anfang steht für ihn deshalb die Frage, welche Fähigkeiten das Produktionssystem in den kommenden Jahren braucht. „Erst daraus ergibt sich, welche Maschine dafür in Betracht kommt.“
In Zukunft wird nach Ansicht von Felix Gass künstliche Intelligenz hier stärker zum Einsatz kommen: „KI kann Unternehmen künftig vor allem dabei helfen, den Markt breiter und kontinuierlicher zu beobachten. Bei einer konkreten Investition werden heute häufig zuerst die Hersteller angefragt, die im Unternehmen bereits bekannt sind. KI-gestützte Systeme können weitere Anbieter und technologische Ansätze identifizieren, Informationen strukturieren und Veränderungen über einen längeren Zeitraum verfolgen. Welche Kriterien entscheidend sind und welche Lösung zur Strategie des Unternehmens passt, bleibt jedoch eine unternehmerische Entscheidung.“
Drei Tipps für die Beschaffung von Verpackungsmaschinen
Der Vorteil eines technologieoffenen Verfahrens besteht darin, dass es den Lösungsweg nicht vorgibt. Gerade deshalb müssen Anbieter umso genauer erklären, wie ihr Ansatz funktioniert, unter welchen Bedingungen die zugesagte Leistung erreicht wird und wo seine Grenzen liegen. „So bleibt der Lösungsraum offen, ohne dass die Anforderungen an Verlässlichkeit sinken“, betont Gass.
Ein guter Beschaffungsprozess schafft eine belastbare Grundlage für die Wahl einer Technologie, die zur weiteren Entwicklung des Unternehmens passt und auch unter veränderten Bedingungen wirtschaftlich betrieben werden kann. Felix Gass empfiehlt:
- „Beginnen Sie nicht mit dem Lastenheft und nicht mit der Anbieterliste. Beginnen Sie mit der Zukunft, für die Sie investieren: Portfolio, Materialien, Mengen, Automatisierung, und welche Abhängigkeiten Sie bewusst eingehen wollen. Danach bauen Sie das Bewertungsmodell, bevor das erste Angebot eintrifft.“
- „Schauen Sie dabei genau auf die heutige Produktion: Wo entstehen Verluste durch Formatwechsel, geringe Verfügbarkeit oder fehlende Flexibilität? Welche Anforderungen haben sich in den letzten Jahren verändert? Daraus ergibt sich, welche Probleme die nächste Anlage tatsächlich lösen soll.“
- „Klären Sie, wer auf Käuferseite die Übersicht über den gesamten Lösungsraum verantwortet. Jeder Anbieter kennt seine eigene Technologie genau und hat ein berechtigtes Interesse daran, dass sie gewinnt. Im Unternehmen selbst ist diese Rolle häufig nicht besetzt. Bleibt sie unbesetzt, prägt der Anbieter mit dem überzeugendsten Auftritt die Richtung.“