• 11.09.2026
  • Interview

Wie Verpackungsforschung den Weg in die Praxis findet

Wie lassen sich Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz und Produktschutz bei Verpackungen aufeinander abstimmen? Silvia Apprich von der Hochschule Campus Wien erläutert, woran ihr Team forscht und wie die Zusammenarbeit mit Unternehmen den Weg in die Praxis ebnet.

Geschrieben von Alexander  Stark

Porträtbild von Silvia Apprich
Silvia Apprichs Forschung konzentriert sich auf nachhaltige Verpackungen, Recyclingfähigkeit und Produktschutz.

Dr. Apprich, Sie leiten seit diesem Jahr das Department Applied Life Sciences und die Studiengänge im Bereich Verpackungstechnologie der Hochschule Campus Wien. Welche Forschungs- und Innovationsthemen stehen derzeit im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?

Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft stehen derzeit im Zentrum unserer Forschungsaktivitäten. Im Bereich Verpackungstechnologie beschäftigen wir uns insbesondere mit dem recyclinggerechten Design von Verpackungen und der Verbesserung ihrer Sortierbarkeit, da diese eine wesentliche Voraussetzung für hochwertige Recyclingprozesse ist. Zudem forschen wir an neuen Verpackungsmaterialien, besonders im Papierbereich, sowie an Möglichkeiten zur gezielten Reduktion von Kunststoffen, ohne dabei die Funktionalität zu beeinträchtigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertung von Verpackungen, bei der neben der Materialfrage auch Produktschutz, Haltbarkeitsverlängerung und die Sicherheit von Verpackungsmaterialien berücksichtigt werden.

 

Wie kann Forschung dabei helfen, zentrale Herausforderungen der Verpackungsbranche zu lösen? Wo gibt es den größten Forschungsbedarf – bei Materialien, Prozessen oder der Digitalisierung?

Veränderungen können nur durch eine enge Zusammenarbeit von Forschung und Praxis gelingen. Besonders großer Forschungsbedarf besteht derzeit bei der Verbesserung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen. Dazu gehören die Optimierung der Sortierbarkeit, die Entwicklung neuer Materialien und die Anpassung bestehender Verpackungskonzepte an die Anforderungen der neuen gesetzlichen Vorgaben. Gleichzeitig brauchen wir mehr Wissen darüber, wie Konsumentinnen und Konsumenten durch verständliche Kennzeichnung und richtige Entsorgungsentscheidungen in den Recyclingprozess eingebunden werden können. Ebenso wichtig sind belastbare Haltbarkeitstests, die sicherstellen, dass nachhaltigere Verpackungslösungen weiterhin einen optimalen Produktschutz gewährleisten.

 

Ihr Studiengang wurde gemeinsam mit der Industrie entwickelt. Wie fließen aktuelle Herausforderungen aus Unternehmen konkret in Forschung und Lehre ein? Und wie gelangen die Ergebnisse schneller in die industrielle Anwendung?

Die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen entlang der gesamten Verpackungswertschöpfungskette ist ein wesentliches Merkmal unseres Studiengangs. Viele Lehrveranstaltungen werden von Expertinnen und Experten aus der Praxis gestaltet und unterrichtet, wodurch aktuelle Herausforderungen direkt in die Lehre einfließen. Studierende bearbeiten reale Aufgabenstellungen in Kooperation mit Unternehmen und verfassen häufig ihre Abschlussarbeiten im industriellen Umfeld. Darüber hinaus führen wir gemeinsam mit Unternehmen und Universitäten kooperative Forschungsprojekte durch, oft auch in interdisziplinären Teams. Dieser kontinuierliche Austausch beschleunigt den Wissenstransfer und ermöglicht es, Forschungsergebnisse rasch in konkrete Anwendungen und Innovationen zu überführen.

 

Welche Entwicklung in der Verpackungsbranche stimmt Sie derzeit besonders optimistisch – und warum?

Optimistisch stimmt mich die zunehmende Erkenntnis, dass Verpackungen nicht nur als Abfall, sondern als notwendiger Bestandteil nachhaltiger Produktsysteme betrachtet werden müssen. Eine gut gestaltete Verpackung schützt Produkte, verlängert deren Haltbarkeit und kann dadurch wesentlich zur Vermeidung von Lebensmittelverlusten und Ressourcenverschwendung beitragen. Gleichzeitig beobachten wir große Fortschritte bei maßgeschneiderten Verpackungslösungen, die den Materialeinsatz reduzieren und dennoch die erforderliche Schutzfunktion erfüllen. Diese Entwicklung zeigt, dass Ressourcenschonung und hohe Funktionalität kein Widerspruch sein müssen, sondern sich durch intelligentes Verpackungsdesign erfolgreich verbinden lassen.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Dr. Apprich.
 

Autor

Alexander Stark
Alexander  Stark
Redakteur FACHPACK360°