• 24.07.2026
  • Interview

„Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen“

Zwischen Nachhaltigkeit, Handelsanforderungen und der neuen EU-Verpackungsverordnung PPWR: Wie findet ein Familienunternehmen wie Develey den richtigen Kompromiss für seine Verpackungen? Lorenz Dobiaschowski, Leiter Verpackungsentwicklung bei Develey, spricht im Interview über langfristiges Denken statt Quartalslogik, den Einsatz von Rezyklaten und warum Mehrweg-Glas für ihn kein Allheilmittel ist.

Geschrieben von Alexander  Stark

Lorenz Dobiaschowski leitet bei der Develey Senf & Feinkost GmbH das Verpackungsentwicklungsteam.
Lorenz Dobiaschowski leitet seit 2018 das Verpackungsentwicklungsteam von Develey und gestaltet dort den Spagat zwischen Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit und den neuen Anforderungen der PPWR mit.

Lorenz Dobiaschowski leitet bei der Develey Senf & Feinkost GmbH das Verpackungsentwicklungsteam. 2010 begann er seine Laufbahn im Bereich Lebensmittelrecht und Risikomanagement für Verpackungen bei Develey. Über Stationen im Projektmanagement der Verpackungsentwicklung führte sein Weg 2018 zur Übernahme der Leitung des Verpackungsentwicklungsteams. Im Interview spricht er darüber, wie das Familienunternehmen Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit und die Anforderungen der neuen EU-Verpackungsverordnung PPWR miteinander in Einklang bringt.

Herr Dobiaschowski, Develey spricht vom Anspruch, als Familienunternehmen in Generationen zu denken. Was bedeutet dieser Grundsatz für die Lebensmittel aber auch für die Verpackungsentwicklung?

Genau, als Familienunternehmen denken wir nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Es ist uns besonders wichtig, langfristige Entscheidungen zu treffen und fair, respektvoll sowie verlässlich miteinander umzugehen. Deshalb zählen Verantwortung, Verlässlichkeit, Qualität und Innovationsgeist zu unseren zentralen Werten. Dieses Selbstverständnis beeinflusst unseren Arbeitsalltag und prägt damit natürlich auch unsere Lebensmittel und Verpackungen. Für unsere Produkte bedeutet das, dauerhaft hohe Qualität, Sicherheit und Genuss zu gewährleisten. Übersetzt für die Verpackungsentwicklung heißt das, Entscheidungen zu treffen, die langfristig tragfähig sind. Unser Ziel ist es, Materialien ressourcenschonend einzusetzen, Recyclingfähigkeit zu verbessern und gleichzeitig den bestmöglichen Produktschutz sicherzustellen. Denn die effizienteste Verpackung ist letztlich diejenige, die Lebensmittelverluste vermeidet und gleichzeitig möglichst wenig Ressourcen verbraucht.

Zwischen Nachhaltigkeit, Kosten, Lebensmittelsicherheit, Handelsanforderungen und Verbraucherakzeptanz: Wie definieren Sie den „Sweet Spot“ für eine gute Verpackungslösung?

Der „Sweet Spot“ liegt für uns dort, wo alle relevanten Anforderungen in einer ausgewogenen Lösung zusammenkommen. Eine Verpackung muss in erster Linie die Produktsicherheit und -qualität gewährleisten. Gleichzeitig muss sie wirtschaftlich herstellbar sein, den Anforderungen des Handels entsprechen und mit gelungenem Design und Handling-Eigenschaften Verbraucherinnen und Verbraucher überzeugen. Zusätzlich rückt mit der europäischen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) die Konformität mit rechtlichen Anforderungen noch deutlicher ins Zentrum. 

Wie wird das Verpackungsentwicklungsteam bei Produkt- oder Sortimentsentscheidungen in Ihrem Unternehmen eingebunden?

Zum einen wird das Verpackungsentwicklungsteam bei Develey frühzeitig in Innovationsprojekte eingebunden. Nur so ist sichergestellt, dass wir ein stimmiges Konzept aus Produkt und Verpackung entwickeln und wir uns auch im Design differenzieren. Zum anderen ist es der Anspruch des Verpackungsentwicklungsteams den Markt und technisch Möglichkeiten zu kennen und tiefgreifend zu verstehen, um die strategische Ausrichtung des Unternehmens aktiv mitzugestalten. Unser Erfolgsfaktor ist dabei die konstruktive und zielorientieret Zusammenarbeit mit relevanten Abteilungen und Partnern, wie Marketing, Forschung und Entwicklung, Einkauf, Produktion und Qualitätsmanagement sowie natürlich mit unseren Kunden und Lieferanten. 

Wie hat Develey auf die Vorgaben der PPWR reagiert? Was hat sich bei den Verpackungen dadurch verändert?

Die Anforderungen der PPWR bestätigen grundsätzlich die Richtung, die wir bei Develey bereits seit Jahren eingeschlagen haben. Themen wie Recyclingfähigkeit, Materialeffizienz und der verstärkte Einsatz von Rezyklaten stehen bereits fest auf unserer Agenda. Die PPWR hat dazu geführt, dass wir unsere Verpackungsportfolios noch systematischer analysieren und zukünftige Anforderungen frühzeitig in Entwicklungsprojekte integrieren. Dabei überprüfen wir beispielsweise Materialkombinationen hinsichtlich ihrer Recyclingfähigkeit, reduzieren, wo möglich, Materialeinsätze und bewerten alternative Verpackungskonzepte.

Wie bewerten Sie den Einsatz von Rezyklaten in Lebensmittelverpackungen: Wo sehen Sie Potenzial, und wo bestehen derzeit noch technische oder regulatorische Hürden?

Rezyklate sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Die Herausforderung liegt aktuell vor allem in der Verfügbarkeit geeigneter Qualitäten sowie in regulatorischen Vorgaben für den direkten Lebensmittelkontakt. Während beispielsweise bei PET bereits etablierte Lösungen existieren, sind die Möglichkeiten bei anderen Kunststoffen noch begrenzt. Zusätzlich müssen Rezyklate hohe Anforderungen hinsichtlich Produktsicherheit, Funktionalität und gleichbleibender Qualität erfüllen. Langfristig erwarten wir hier, insbesondere durch die PPWR katalysiert, deutliche Fortschritte durch verbesserte Sammel-, Sortier- und Recyclingtechnologien.

Develey beteiligt sich an der Initiative „Glas kann mehrWeg“. Wo sehen Sie die größten Vorteile von Mehrweg-Glas gegenüber Einwegglas?

Mehrweg-Glas kann insbesondere in regionalen und gut etablierten Mehrwegsystemen Vorteile bieten. Entscheidend ist jedoch immer die Gesamtbetrachtung. Die tatsächliche Umweltbilanz hängt unter anderem von Transportwegen, Umlaufzahlen und den jeweiligen Produktanforderungen ab. Die Anforderungen an Verpackungen durch Logistik, Produktschutz, und Verbraucheranforderungen sind je nach Produktkategorie sehr unterschiedlich. Deshalb glauben wir nicht an eine einzige Standardlösung für alle Anwendungen. Mehrweg-Glas kann dabei in Zukunft einen Platz einnehmen, jedoch als Teil eines vielfältigen und bedarfsgerechten Verpackungsmixes.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dobiaschowski.
 

Autor

Alexander Stark
Alexander  Stark
Redakteur FACHPACK360°