Herr Dr. Voß, was war der Ausgangspunkt für die Stiftungsprofessur?
Dr. Voß: Ausgangspunkt war die Frage, welche Kompetenzen bereits vorhanden sind und welche Bausteine gezielt ergänzt werden müssen, um das Themenfeld „Zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme“ ganzheitlich bearbeiten zu können. Die Papierindustrie hat sich dabei bewusst für eine kluge und systematische Kombination bestehender Stärken entschieden. Statt neue Strukturen aufzubauen, werden vorhandene Kompetenzen gezielt ergänzt und intelligent miteinander vernetzt. Die Stiftungsprofessur schließt dabei eine wichtige Lücke und stärkt die gesamtheitliche Betrachtung von Verpackungssystemen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Wie definiert sich das CPTS in diesem Kontext?
Im Impuls-Lab Circular Packaging Technologies and Systems (CPTS) sprechen wir ein breites Spektrum der Verpackungsbranche an: von Papierproduzenten und Papierverarbeitern bis hin zu Markenherstellern, die gemeinsam an nachhaltigen und innovativen Lösungen arbeiten. Ganz ähnlich wie bei branchenübergreifenden Initiativen, die Materialhersteller, Produzenten und Handel vernetzen, wollen wir in unserem Netzwerk die entscheidenden Akteure zusammenbringen, um Kreislaufverpackungen voranzutreiben.
Das CPTS bündelt die Kompetenzen des Instituts für Naturstofftechnik (Professuren für Verarbeitungsmaschinen/Verarbeitungstechnik sowie Holztechnologie und holzbasierte Bioökonomie) der Fakultät Maschinenwesen der TU Dresden, des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) sowie des PTS – Instituts für Fasern & Papier gGmbH. Gemeinsam entsteht so ein interdisziplinärer Forschungsverbund für nachhaltige und kreislauffähige Verpackungssysteme.
Was ist die Rolle der PTS in dem Projekt?
Die PTS nimmt eine besondere Rolle ein. Als Branchenforschungsinstitut der deutschen Papierindustrie verbindet sie wissenschaftliche Exzellenz mit den konkreten Anforderungen der industriellen Praxis. Genau dafür unterhält und unterstützt die Forschungsstiftung diese Struktur. Neue Erkenntnisse gelangen schnell in die Unternehmen, während Fragestellungen der Unternehmen unmittelbar in Forschung und Entwicklung einfließen können. Damit entsteht ein kontinuierlicher Transfer zwischen Wissenschaft und Industrie, der für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche von zentraler Bedeutung ist.
Welche Rolle spielt Dresden als Standort?
In Dresden entsteht ein einzigartiger Nukleus für zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme. Dieser deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Rohstoffen und Fasern über Materialien, Verpackungsdesign, Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse bis hin zu Nutzung, Recycling und Kreislaufführung. Gleichzeitig wird dieser Nukleus mit weiteren Akteuren der Bioökonomie, Materialforschung und Verpackungstechnik vernetzt und schafft so ein leistungsfähiges Innovationsökosystem.
Dabei steht nicht eine einzelne Technologie im Mittelpunkt. Der Ansatz ist bewusst technologie- und systemoffen sowie ideologiefrei. Ziel ist es, die jeweils besten Lösungen für funktionierende, wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Verpackungssysteme zu entwickeln. Verpackungen werden dabei ganzheitlich entlang ihres gesamten Lebenszyklus betrachtet.
Gerade diese kluge Kombination aus universitärer Exzellenz, außeruniversitärer Forschung und unmittelbarer Branchenanbindung macht den Standort Dresden so attraktiv. Die Stiftungsprofessur ergänzt die vorhandenen Kompetenzen gezielt, stärkt die Zusammenarbeit der Partner und schafft einen Mehrwert, der deutlich über die Summe der Einzelbeiträge hinausgeht. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Innovationen und industrielle Anwendungen zu überführen.