• 21.07.2026
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Zirkuläre Verpackungssysteme: In Dresden entsteht ein neues Kompetenzcluster

Dresden ist bekannt als Standort für Unternehmen der Halbleiterindustrie. Weniger bekannt ist außerhalb der Branche, dass die sächsische Landeshauptstadt reichlich Verpackungskompetenz bündelt. Ein neuer Baustein ist das materialübergreifende Impuls-Lab Circular Packaging Technologies & Systems (CPTS), zu dem eine Stiftungsprofessur für Zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme an der TU Dresden gehört. Wir beleuchten Hintergründe, Pläne und Ziele und sprechen darüber mit Dr. Thorsten Voß von der beteiligten Forschungsstiftung der Papierindustrie.
Eine Kollage mit Motiven, die eine Kreislaufwirtschaft symbolisieren
Die TU Dresden baut ihre Verpackungskompetenz mit dem CPTS Impuls-Lab und einer neuen Stiftungsprofessur für zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme aus.

Das entstehende Impuls-Lab „Circular Packaging Technologies & Systems“ (CPTS) der Fakultät Maschinenwesen der Technischen Universität Dresden wird seit etwa zwei Jahren konzipiert und nimmt immer konkretere Formen an. Als wesentlicher Bestandteil wurde 2025 eine W3-Stiftungsprofessur ausgeschrieben, die an der Technischen Universität Dresden (TUD) eingerichtet und voraussichtlich 2027 ihre Arbeit aufnehmen wird.

 

Anspruch und Ziel des CPTS

Im Rahmen des CPTS kooperieren das „PTS – Institut für Fasern & Papier“ als Forschungsinstitut der Papierindustrie mit Sitz in Heidenau bei Dresden, das „Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV“ mit seinem Dresdner Standort und die beiden Professuren „Verarbeitungsmaschinen/Verarbeitungstechnik“ sowie „Holztechnologie und holzbasierte Bioökonomie“ der TUD. 

Anspruch und Ziel des Impuls-Lab, ist es, gemeinsam mit der Industrie vor- und vorauszudenken und Verpackungssysteme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu analysieren und weiterzuentwickeln. Mit der gegebenen, übergreifenden Systemkompetenz sieht man sich in der Lage, dieses Vorhaben von der Rohstoffbasis bis zur Wiederverwertung und materialübergreifend von Papier und naturfaserbasierten Materialien bis hin zu Kunststoffen und Verbundmaterialien anzugehen. 

Dass die Partnerkompetenzen im CPTS schwerpunktmäßig sowohl Papier als auch Kunststoffe abdecken, sieht man nicht als Hindernis, im Gegenteil. Im Sinne einer ganzheitlichen und systemischen Betrachtung sollen die unterschiedlichen Startpositionen, die beide Packstoffgruppen in der aktuellen Transformation mitbringen, bewusst ausgenutzt werden. Im Blick hat man dabei vor allem die Ebene des Wissenstransfers, der zu anpassungsfähigen Systemansätzen und neuen Systemlösungen führen soll.

 

Beispiel PPWR und Maschinen

Ein spannendes Vorhaben speziell vor dem Hintergrund der neuen europäischen Verpackungsverordnung. Die PPWR macht Kreislauffähigkeit kostenwirksam und definiert die Marktfähigkeit von Verpackungen über Vorgaben, Verbote und Quoten teilweise neu. Das kann beispielsweise im Bereich der Verpackungsmaschinen dazu führen, dass sich die automatisierten Lösungen ein Stück weit vom Spezialisten zum Generalisten bewegen müssen. War früher die Maschinengängigkeit mit Blick auf Geschwindigkeit – und damit verbundene Kostenvorteile – ein dominanter Aspekt, muss sich die Technologie heute auf ein breiteres Spektrum an Materialien und Materialeigenschaften mit größeren Schwankungen der Eigenschaften und unter Akzeptanz ungünstigerer Prozessfenster einstellen.

Verlustminimierung und Kreislauffähigkeit verändern nicht zuletzt durch regulatorische Einflüsse das Kostengerüst und schaffen neben neuen Herausforderungen auch neue Spielräume und Chancen.
 

Porträtbild von Dr. Thorsten Voss vom PTS
Dr. Thorsten Voß, Geschäftsführer und Vorstand der PTS

Stiftungsprofessur als Bindeglied

Zu einem zentralen Bindeglied im CPTS-Impuls-Lab soll nach Auskunft von Dr. Thorsten Voß, Geschäftsführer und Vorstand der PTS, eine W3-Stiftungsprofessur für Zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme werden. Am 26. März 2026 fanden die hochschulöffentlichen Lehrproben der Bewerber und Bewerberinnen mit dem Thema „Systematischer Überblick über Herstellungsverfahren für faserbasierte Verpackungen“ und jeweils anschließend Vorträge zum Thema „Vorstellungen zu Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Zirkulären faserbasierten Verpackungssysteme an der Fakultät Maschinenwesen der TU Dresden“ statt.

Die Finanzierung der Stiftungsprofessur erfolgt zu zwei Dritteln durch den Verband DIE PAPIERINDUSTRIE und zu einem Drittel durch die Forschungsstiftung. Konkret fördert die Papierbranche die Professur beginnend mit der Besetzung über einen Zeitraum von fünf Jahren mit jährlich 250.000 Euro.

Herr Dr. Voß, was war der Ausgangspunkt für die Stiftungsprofessur?

Dr. Voß: Ausgangspunkt war die Frage, welche Kompetenzen bereits vorhanden sind und welche Bausteine gezielt ergänzt werden müssen, um das Themenfeld „Zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme“ ganzheitlich bearbeiten zu können. Die Papierindustrie hat sich dabei bewusst für eine kluge und systematische Kombination bestehender Stärken entschieden. Statt neue Strukturen aufzubauen, werden vorhandene Kompetenzen gezielt ergänzt und intelligent miteinander vernetzt. Die Stiftungsprofessur schließt dabei eine wichtige Lücke und stärkt die gesamtheitliche Betrachtung von Verpackungssystemen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Wie definiert sich das CPTS in diesem Kontext?

Im Impuls-Lab Circular Packaging Technologies and Systems (CPTS) sprechen wir ein breites Spektrum der Verpackungsbranche an: von Papierproduzenten und Papierverarbeitern bis hin zu Markenherstellern, die gemeinsam an nachhaltigen und innovativen Lösungen arbeiten. Ganz ähnlich wie bei branchenübergreifenden Initiativen, die Materialhersteller, Produzenten und Handel vernetzen, wollen wir in unserem Netzwerk die entscheidenden Akteure zusammenbringen, um Kreislaufverpackungen voranzutreiben. 

Das CPTS bündelt die Kompetenzen des Instituts für Naturstofftechnik (Professuren für Verarbeitungsmaschinen/Verarbeitungstechnik sowie Holztechnologie und holzbasierte Bioökonomie) der Fakultät Maschinenwesen der TU Dresden, des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) sowie des PTS – Instituts für Fasern & Papier gGmbH. Gemeinsam entsteht so ein interdisziplinärer Forschungsverbund für nachhaltige und kreislauffähige Verpackungssysteme.

Was ist die Rolle der PTS in dem Projekt?

Die PTS nimmt eine besondere Rolle ein. Als Branchenforschungsinstitut der deutschen Papierindustrie verbindet sie wissenschaftliche Exzellenz mit den konkreten Anforderungen der industriellen Praxis. Genau dafür unterhält und unterstützt die Forschungsstiftung diese Struktur. Neue Erkenntnisse gelangen schnell in die Unternehmen, während Fragestellungen der Unternehmen unmittelbar in Forschung und Entwicklung einfließen können. Damit entsteht ein kontinuierlicher Transfer zwischen Wissenschaft und Industrie, der für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche von zentraler Bedeutung ist.

Welche Rolle spielt Dresden als Standort?

In Dresden entsteht ein einzigartiger Nukleus für zirkuläre faserbasierte Verpackungssysteme. Dieser deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Rohstoffen und Fasern über Materialien, Verpackungsdesign, Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse bis hin zu Nutzung, Recycling und Kreislaufführung. Gleichzeitig wird dieser Nukleus mit weiteren Akteuren der Bioökonomie, Materialforschung und Verpackungstechnik vernetzt und schafft so ein leistungsfähiges Innovationsökosystem. 

Dabei steht nicht eine einzelne Technologie im Mittelpunkt. Der Ansatz ist bewusst technologie- und systemoffen sowie ideologiefrei. Ziel ist es, die jeweils besten Lösungen für funktionierende, wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Verpackungssysteme zu entwickeln. Verpackungen werden dabei ganzheitlich entlang ihres gesamten Lebenszyklus betrachtet. 

Gerade diese kluge Kombination aus universitärer Exzellenz, außeruniversitärer Forschung und unmittelbarer Branchenanbindung macht den Standort Dresden so attraktiv. Die Stiftungsprofessur ergänzt die vorhandenen Kompetenzen gezielt, stärkt die Zusammenarbeit der Partner und schafft einen Mehrwert, der deutlich über die Summe der Einzelbeiträge hinausgeht. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Innovationen und industrielle Anwendungen zu überführen.
 

Dresden zeigt sich als Zentrum für Verpackungskompetenz und als Hotspot der Branche auch am 3. und 4. Dezember im Rahmen der 35. Dresdner Verpackungstagung. Die FACHPACK lädt als Premiumpartner des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi) herzlich dazu ein. Details zum Programm (das auch Verpackungsmaschinen und das Thema Papier mit Schwerpunkt Hochleistungsbarrieren umfasst) findet sich hier. Bis Anfang Oktober 2026 gibt es Frühbucherkonditionen.

 

Autor: Christian Nink, Freier Fachjournalist