Frau Buhmann, die Verpackungsindustrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Wenn Sie auf die kommenden Jahre schauen: Welche Entwicklungen werden den Markt aus Ihrer Sicht am stärksten prägen – und wo möchten Sie als Unternehmerin selbst Impulse setzen?
Die Verpackungsindustrie wird in den kommenden Jahren vor allem durch Nachhaltigkeit, Automatisierung und den steigenden Bedarf an Flexibilität geprägt werden. Gleichzeitig beeinflussen Fachkräftemangel und neue regulatorische Anforderungen zunehmend die Investitionsentscheidungen unserer Kunden.
Gefragt sind heute Lösungen, die effizient, ressourcenschonend und schnell anpassbar sind – insbesondere bei häufigen Produktwechseln oder neuen Verpackungsmaterialien.
Als Unternehmerin möchte ich dort Impulse setzen, wo Technologie im Alltag wirklich hilft: durch Maschinen mit hoher Verfügbarkeit, einfacher Bedienung und langfristiger Investitionssicherheit. Unser Anspruch ist klar: Technologie muss einen messbaren Nutzen bringen.
Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und neue regulatorische Vorgaben verändern derzeit viele Entscheidungen in der Branche. Wie wirkt sich das aus Ihrer Sicht ganz konkret auf den Maschinenbau und auf die Erwartungen der Kunden aus?
Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und neue regulatorische Vorgaben wirken sich heute sehr konkret auf den Maschinenbau aus. Unsere Kunden erwarten Anlagen, die nicht nur leistungsfähig, sondern auch flexibel, energieeffizient und langfristig zukunftssicher sind. Investitionsentscheidungen werden zunehmend danach getroffen, ob eine Maschine auch morgen noch auf neue Materialien, Formate und Marktanforderungen reagieren kann.
Das betrifft uns als Maschinenbauer ganz unmittelbar. Verpackungsmaterialien verändern sich stark: Sie werden dünner, leichter, recyclingfähiger oder bestehen aus neuen Materialverbünden. Damit steigen die Anforderungen an unsere Maschinentechnik. Eine nachhaltigere Verpackung darf am Ende nicht zu weniger Effizienz oder mehr Ausschuss in der Produktion führen.
Für uns bedeutet das, Maschinen so zu entwickeln, dass sie „future proof“ sind: flexibel umrüstbar, energieeffizient im Betrieb, langlebig und anpassbar an neue Verpackungsmaterialien. Ein wichtiger Ansatz ist dabei auch „Umrüsten statt neu kaufen“. Wenn bestehende Anlagen an neue Anforderungen angepasst werden können, schont dies Ressourcen, reduziert Kosten und macht Nachhaltigkeit im industriellen Alltag ganz praktisch umsetzbar.
Robotik, Automatisierung, Daten: Vieles läuft heute unter dem Begriff Smart Manufacturing. Was bedeutet dieses Thema für Sie in der Praxis eines mittelständischen Verpackungsunternehmens wirklich?
Für uns bedeutet Smart Manufacturing vor allem, Produktion einfacher und robuster zu machen. Als mittelständisches Unternehmen setzen wir Technologie dort ein, wo sie spürbar entlastet – etwa durch Automatisierung, transparente Prozesse und bessere Planbarkeit.
Wichtig ist dabei ein pragmatischer Ansatz: nicht möglichst viel Digitalisierung, sondern genau so viel, wie im Alltag wirklich hilft. Smart Manufacturing heißt für uns, Technik so einzusetzen, dass sie zuverlässig läuft, Personal unterstützt und die Produktivität nachhaltig steigert.
Sie verbinden unternehmerische Verantwortung mit einem klaren Blick auf die Zukunft der Branche. Welche Botschaft möchten Sie dem Nachwuchs und insbesondere jungen Frauen mitgeben, die sich für die Verpackungsindustrie interessieren oder dort Karriere machen wollen?
Meine Botschaft ist ganz klar: Trauen Sie sich. Die Verpackungsindustrie ist eine spannende, vielseitige und sehr zukunftsrelevante Branche, gerade für Menschen, die Technik, Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten verbinden möchten.
Natürlich ist der Maschinenbau noch immer männerdominiert. Aus meiner Sicht liegt das aber weniger an der Branche selbst, sondern vor allem daran, dass nach wie vor zu wenige Frauen technische Berufe erlernen oder technische Studiengänge wählen. Genau deshalb ist es so wichtig, junge Frauen früh zu ermutigen, diesen Weg einzuschlagen.
Ich persönlich habe in dieser Branche nur gute Erfahrungen gemacht. Entscheidend sind Kompetenz, Haltung, Neugier und der Wille, Verantwortung zu übernehmen. Die Verpackungsindustrie braucht unterschiedliche Perspektiven, neue Ideen und mutige Talente. Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Frauen diese Chancen für sich nutzen.