Darüber hinaus ist die Verpackung der wichtigste Informationsträger im Regal. Gerade im Tierfuttermarkt lesen nur wenige Kunden die Zutatenliste. Stattdessen übernehmen Claims und Icons diese Kommunikationsfunktion: „70 % Fleisch“, „grain free“, „für Gelenke“, „Senior“ – das sind die Botschaften, die wahrgenommen werden.
Nicht zuletzt transportiert die Verpackung die gesamte Markenwelt. Dabei geht es um Storytelling über die Herkunft der Zutaten, um klare Farbcodes für verschiedene Sorten oder um einen konsistenten Premium-Look mit matten Oberflächen. Viele Kunden bleiben einer Marke treu, weil sie Vertrauen in deren Erscheinungsbild entwickelt haben. Die Verpackung bildet damit die Brücke zwischen Produkt und Marke.
Gibt es bedeutende Unterschiede in den Bestimmungen für Verpackungen für Tiernahrung im Vergleich zu Lebensmittel für Menschen?
Die Unterschiede sind geringer, als man zunächst vermuten könnte. Insgesamt gilt jedoch, dass sich der Tiernahrungsbereich am Lebensmittelstandard orientiert – mit hohen Hygienestandards, klar definierten regulatorischen Vorgaben und vollständiger Rückverfolgbarkeit. Das schafft Verlässlichkeit für Hersteller, Handel und letztlich auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher.
Was ändert sich für Sie mit der neuen europäischen Verpackungsverordnung PPWR kurz-, mittel- und langfristig?
Die Verordnung zwingt uns, in drei Geschwindigkeiten zu denken.
Kurzfristig – also in den nächsten ein bis zwei Jahren – geht es vor allem um Transparenz und Dokumentation: Nachweise über Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit und Herkunft müssen bereitgestellt werden. Gleichzeitig stehen erste Designanpassungen an, etwa der Verzicht auf Verbundmaterialien, die das Recycling erschweren, sowie die Einführung erweiterter Kennzeichnungen zur Materialart und Entsorgung.
Mittelfristig, in einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren, werden verpflichtende Rezyklat-Quoten für bestimmte Verpackungen relevant, auch für Petfood. Das bedeutet nicht nur technische Umstellungen, sondern auch einen spürbaren Anstieg an administrativem Aufwand, den wir als Unternehmen einplanen müssen.
Langfristig führt kein Weg an der vollständigen Integration in die Kreislaufwirtschaft vorbei. Verpackungen müssen von Grund auf so entwickelt werden, dass sie mehrfach recycelt werden können. Das betrifft Materialwahl, Konstruktion und die gesamte Lieferkette. Für uns bedeutet das: Nachhaltigkeit ist kein einmaliges Projekt, sondern eine dauerhafte Entwicklungsaufgabe, die tief in unseren Prozessen verankert sein muss.
Autor: Christian Nink, Freier Fachjournalist