Zu große Versandkartons, unnötiges Füllmaterial und überflüssiger Leerraum gehören in vielen Versandprozessen noch immer zum Alltag. Das verursacht Abfall und CO₂-Emissionen sowie vermeidbare Material-, Transport- und Lagerkosten. Entsprechend groß ist der Druck, Verpackungen effizienter zu gestalten und den Leerraum zu reduzieren. Mit der PPWR rückt dieses Thema nun noch stärker in den Fokus. So darf das Leervolumen in Transport-, Sammel- und E-Commerce-Verpackungen ab 2030 50 Prozent nicht überschreiten. Bereits bis Februar 2027 müssen die EU-Mitgliedstaaten die entsprechenden nationalen Regelungen erlassen haben. Konkret bedeutet das: Der Anteil von Luft und Füllmaterial muss hier deutlich sinken, ohne dass Schutzfunktion und Transportfähigkeit beeinträchtigt werden.
Packsize hat dafür eine passende Antwort entwickelt: eine Automatisierungslösung mit maßgeschneiderten Wellpappkartons on demand, die exakt auf das jeweilige Produkt zugeschnitten werden. Auf der FACHPACK 2025 zeigte das Unternehmen mit Vega Grieshaber, wie sich dieses Prinzip in der Praxis umsetzen lässt.
Maßgeschneiderte Kartonzuschnitte
Vega Grieshaber entwickelt Sensoren für die Füllstand- und Druckmesstechnik und muss für deren Versand sehr unterschiedliche Verpackungsformate abdecken. Ann-Christin Dietmeier, Versandleiterin bei Vega Grieshaber, erklärte: „Wir haben eine extrem hohe Varianz an unterschiedlichen Sensoren, was sich auch in den Abmessungen widerspiegelt.“ Genau diese Vielfalt habe schon früh dazu geführt, Standardverpackungen zu hinterfragen und Verpackungsprozesse neu zu denken. Bereits 2012 begann der Hersteller daher die Zusammenarbeit mit Packsize – zunächst mit einfachen manuellen Stand-alone-Lösungen. Später rückten stärker automatisierte Prozesse, mehr Nachhaltigkeit und bessere Ergonomie in den Fokus.
Mit dem Ziel Leerraum zu reduzieren, entwickelte Packsize gemeinsam mit Vega eine Verpackungslösung mit drei zentralen Bereichen: Langgutverpackung, Vorverpackung und automatisierte Versandverpackung. Der Kartonzuschnitt wird dabei produktspezifisch erzeugt und exakt auf die Abmessungen des jeweiligen Artikels abgestimmt. Dadurch lässt sich der Materialeinsatz reduzieren, während zugleich unnötiger Leerraum im Versandkarton vermieden wird.
Wie Anna Hornig, Global Marketing Automation und Webmanagerin bei der Packsize GmbH, erläuterte, wurde für das Projekt ein datengetriebener Ansatz mit einem für den Kunden wichtigen ergonomischen Konzept verknüpft. Besonders deutlich wird das bei langen und schweren Sensoren. „Einen 6,30 Meter langen Karton manuell zu falten, ist aufwendig und erfordert üblicherweise zwei Personen. Mit der neuen Lösung dient der Tisch als Falthilfe, die Verpackungszeit sank von zehn auf drei Minuten – ein spürbarer Produktivitätsgewinn“, beschrieb Dietmeier den Nutzen.
Alle Sensoren werden zunächst eine Produktverpackung erhalten. Diese Produktverpackung wird on-demand direkt dem Mitarbeitenden angedient, zusätzliche Wege entfallen. Nach Abschluss der Vorverpackung werden die Einheiten an die Fördertechnik übergeben und damit in die nächste Stufe des automatisierten Prozesses. Im anschließenden Sequenzierlager warten die vorverpackten Einheiten, bis ein Auftrag vollständig ist.
Anna Hornig hob hervor, dass durch den datengetriebenen „Cubing-Ansatz“ insbesondere die Volumenreduktion und die Einhaltung der 50-Prozent-Leervolumengrenze erreicht werden sollen. Die Cubing-Software ist das datenbasierte Steuerungselement der Verpackungslösung von Packsize. Sie scannt beziehungsweise verarbeitet die Produktdaten und berechnet daraus, wie Artikel möglichst platzsparend in einen Versandkarton eingeordnet werden können. Anna Hornig beschrieb das anschaulich „wie Tetris“: Einzelne Produkte werden erfasst und dann so in einer Box angeordnet, „dass möglichst wenig Leervolumen entsteht“.
Wichtiger Schritt für die künftige PPWR-Compliance
Dietmeier ergänzte, dass Vega schon heute mit der neuen Anlage in der Lage wäre, das Leervolumen auszuwerten und entsprechende Nachweise bei Bedarf auch Behörden bereitzustellen – ein wesentlicher Baustein für die künftige PPWR-Compliance. Anna Hornig betonte in diesem Zusammenhang, dass Verstöße gegen die künftigen Vorgaben sanktioniert werden können und Unternehmen sich deshalb frühzeitig vorbereiten sollten.
Neben den regulatorischen Aspekten bringt das Projekt eine Reihe weiterer Effekte. Die entwickelten Lösungen sind so ausgelegt, dass sie sich bei Bedarf auf andere Produktionsstandorte übertragen lassen. Damit unterstützt das Projekt weiteres Wachstum und eine skalierbare Standortentwicklung. Das Verpackungsdesign wurde parallel weiterentwickelt. Exakt platzierte Aufreißfäden erleichtern das Öffnen der Verpackung, wiederverschließbare Produktkartons verbessern das Handling für Kundinnen und Kunden.
Das Beispiel von Packsize und Vega zeigt, wie sich regulatorische Anforderungen der PPWR in konkrete Verpackungsprozesse übersetzen lassen. Maßgerechte Kartons, datenbasierte Cubing-Software und automatisierte Abläufe reduzieren nicht nur Leerraum und Materialeinsatz, sondern verbessern auch Ergonomie, Prozessstabilität und Flächeneffizienz in der Verpackungslogistik.
Autor: Alexander Stark, Redakteur FACHPACK360°