• 15.04.2026
  • Artikel

Warum Stroh für die Verpackungsindustrie plötzlich strategisch wird

Alternative Fasern gewinnen in der Papier- und Verpackungsindustrie an Bedeutung. OutNature und LEIPA treiben mit einer neuen Strohfaserproduktionsanlage die Entwicklung faserbasierter Verpackungen voran und setzen auf eine breitere Rohstoffbasis, regionale Rohstoffquellen und Kreislaufwirtschaft.
Strohballen auf einem frisch gedroschenen Feld
OutNature und LEIPA wollen Recyclingfaser und Strohfaser zu einem leistungsfähigen Papier für Verpackungsanwendungen verbinden.

Als offizieller Sponsor des diesjährigen Deutschen Verpackungskongresses in Berlin stellte OutNature zentrale Zukunftsfragen der Papier- und Verpackungsindustrie in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Jetzt erst recht! Unternehmerische Handlungsspielräume entlang der Supply Chain nutzen“ ging es um Versorgungssicherheit, Kreislaufwirtschaft und die Erweiterung der Rohstoffbasis. 

Ein zentrales Thema des Auftritts war die Verwendung bisher unterschätzter Ressourcen. In seiner Keynote zeigte Sales Director Thomas Strieder auf, wie sich landwirtschaftliche Reststoffe für die Papierproduktion aufbereiten lassen. Sein Fazit: Die Transformation von Stroh in hochwertige Papierfaser ist ein entscheidender Hebel, um den Weg für eine echte, funktionierende Kreislaufwirtschaft zu ebnen. 

Thomas Strieder, Sales Director von OutNature
Thomas Strieder, Sales Director bei OutNature, erläuterte auf dem Deutschen Verpackungskongress die strategische Bedeutung von Stroh als alternative Faserquelle für die Papier- und Verpackungsindustrie.

Versorgungssicherheit wird strategisch

2026 bringt für die Papier- und Verpackungsindustrie neue Herausforderungen und veränderte Rahmenbedingungen. Märkte, Regulierungen und Versorgungssicherheit entwickeln sich dynamisch – strategische Entscheidungen werden komplexer. 

„Wir sehen klar, dass sich die Branche von reinen Materialdiskussionen hin zu systemischen Fragen bewegt. Es geht nicht mehr nur darum, welches Material eingesetzt wird, sondern woher es kommt, wie stabil die Versorgung ist und wie gut es in bestehende Kreisläufe integriert werden kann“, betont Thomas Strieder und ergänzt: „Versorgungssicherheit, regulatorische Anforderungen und Umweltwirkungen greifen immer stärker ineinander und werden gemeinsam zum Innovationstreiber.“ 

Alternative Fasern rücken vor diesem Hintergrund stärker in den Fokus, weil sie mehrere Herausforderungen gleichzeitig adressieren. Der Rohstoff Holz ist endlich und unterliege wachsenden Nutzungskonflikten, so OutNature. Gleichzeitig steigt der Bedarf an faserbasierten Verpackungen weiter.

Pflanzenfasern wie Silphie, Stroh oder Paludi-Biomasse eröffnen hier neue Spielräume. Sie wachsen schnell nach, können in Deutschland angebaut werden und erweitern die Rohstoffbasis der Industrie. 

 

Strohfaser als Alternative im Rohstoffmix

OutNature arbeitet seit 2019 als Start-up innerhalb der PreZero-Unternehmensfamilie an pflanzenbasierten Faserlösungen. Das positioniert sich als Innovationstreiber für alternative Faserlösungen, der von der Forschung bis zur Marktreife zukunftsfähige Materialkreisläufe realisiert. Nach Ansicht von OutNature bietet die Strohfaser dabei mehr als eine ökologische Alternative: Sie soll eine konkrete Antwort auf die drängende Ressourcenfrage in der Papier- und Verpackungsindustrie geben.

Durch die Nutzung von Stroh – einem Nebenprodukt, das keine zusätzlichen Anbauflächen benötigt – soll eine Alternative zur Frischholzfaser geboten werden. Zugleich verweist das Unternehmen darauf, dass sich durch die regionale Beschaffung in Nordostdeutschland die CO₂-Emissionen aufgrund kurzer Transportwege verringern können. 

Die Vorbereitungen für die eigene Strohfaserproduktionsanlage laufen auf Hochtouren. Im vierten Quartal 2026 sollen dann die ersten Fasern aus eigener Produktion vom Band laufen. LEIPA plant, die Strohfasern an seinem Standort Schwedt/Oder in Kombination mit Altpapier einzusetzen. Aktuell verarbeitet der Standort jährlich über eine Million Tonnen Altpapier, um daraus verschiedene Papiere für Verpackungen und grafische Anwendungen herzustellen. 

 

LEIPA Synergy verbindet Recyclingfaser und Strohfaser

Ein wichtiger Meilenstein der Partnerschaft mit LEIPA ist die Einführung des gemeinsam entwickelten Strohpapieres unter dem Namen „LEIPA Synergy“.  Der Name soll für die Verbindung von technischem Know-how und alternativen, pflanzlichen Rohstoffquellen stehen. „Synergy steht für den gemeinsamen Weg, den LEIPA und OutNature gehen. Es beschreibt das Ergebnis, wenn technisches Know-how und alternative, pflanzliche Rohstoffquellen ineinandergreifen“, heißt es von Unternehmensseite. Für 2027 ist vorgesehen, dass die Papiere von LEIPA im Werk in Schwedt/Oder hergestellt werden.

Erste Untersuchungsergebnisse bestätigen das Potenzial dieser Kombination: Die Festigkeitseigenschaften der Strohfasern übertreffen die herkömmlicher Altpapierfasern deutlich. Damit verbinden die Unternehmen die Erwartung, dass „LEIPA Synergy“ ein technisch leistungsfähiges Papierprodukt sein kann. 

Das Projekt zeigt damit exemplarisch, wie sich alternative Rohstoffquellen, industrielle Partnerschaften und regionale Wertschöpfung zu einem neuen Ansatz für die Papierindustrie verbinden lassen.

 

Redakteur: Alexander Stark, FACHPACK360°