• 04.05.2026
  • Länder-/Marktbericht

Rumäniens Verpackungsmarkt sortiert sich neu

Rumänien gehört zu den spannendsten Verpackungsmärkten in Osteuropa: hohe Verpackungsmengen und ein reifendes Rücknahmesystem stehen Herausforderungen bei Sammlung, Recycling und Infrastruktur gegenüber. Aktuelle Daten zeigen, wie stark sich der Markt verändert.
Rumänische Flagge auf orangem Hintergrund
Rumäniens Verpackungsmarkt verändert sich deutlich: Das Pfandsystem gewinnt an Bedeutung, während Sammlung, Recycling und Infrastruktur zentrale Herausforderungen bleiben.

Der rumänische Verpackungsmarkt ist 2025 deutlich in Bewegung geraten. Prägend ist dabei vor allem das Nebeneinander von zwei zentralen Erfassungs- und Verantwortungssystemen: Während das SGR-Rücknahmesystem bei Einweg-Getränkeverpackungen an Bedeutung gewinnt, bleibt die erweiterte Produzentenverantwortung über OIREPs für viele andere Verpackungsströme zentral. Recycling, Sammlung und Infrastruktur unterscheiden sich regional jedoch deutlich.

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2025 wurden insgesamt 2,54 Millionen Tonnen Verpackungen auf dem rumänischen Markt in Verkehr gebracht.

Papier, Holz und Kunststoff prägen den Markt

Von der rumänischen Umweltfondsverwaltung AFM veröffentlichte Daten liefern für 2025 ein detailliertes Bild der Verpackungsströme in Rumänien. Demnach wurden 2025 insgesamt 2,54 Millionen Tonnen Verpackungen auf dem rumänischen Markt in Verkehr gebracht. 

Papier/Karton dominierte mit 801.594 Tonnen beziehungsweise 31,49 Prozent, gefolgt von Holz mit 667.088 Tonnen (26,22 Prozent). Kunststoff blieb mit 522.426 Tonnen der drittgrößte Materialstrom. Davon entfielen 149.761 Tonnen auf PET. Glasverpackungen lagen bei 445.714 Tonnen beziehungsweise 17,52 Prozent, Metallverpackungen bei 74.461 Tonnen und Aluminiumverpackungen bei 33.375 Tonnen.

EPR und SGR mit eigenem Fokus

Neben den in Verkehr gebrachten Mengen erfasste die AFM auch die Verpackungsabfälle, die über das OIREP-System recycelt wurden (erweiterten Produzentenverantwortung; EPR). 2025 waren das insgesamt 1.112.086 Tonnen. Von diesen Mengen entfielen 568.888 Tonnen auf Papier/Karton, 203.148 Tonnen auf Holz, 179.147 Tonnen auf Kunststoff ohne PET und 31.990 Tonnen auf PET. Hinzu kamen 77.925 Tonnen Glas, 45.695 Tonnen Metall und 5.294 Tonnen Aluminium. Zusätzlich wurden 66.080 Tonnen durch andere Verfahren als Recycling verwertet. Nach den vorliegenden Angaben betraf dies vor allem Kunststoff- und Papier/Kartonverpackungen.

Papier/Karton erreicht auf dieser Berechnungsbasis eine Recyclingquote von rund 71 Prozent. Holzverpackungen kommen auf rund 30 Prozent. Kunststoffverpackungen einschließlich PET erreichen rund 40 Prozent. Für PET allein liegt der rechnerische Wert im OIREP-System bei rund 21 Prozent, für Glas bei rund 17 Prozent und für Aluminium bei rund 16 Prozent. Metall kommt auf rund 61 Prozent.

Diese Werte bilden aber nur eine Seite des Gesamtbildes ab: Bei PET, Glas und Aluminium wird ein wesentlicher Teil des Verpackungsstroms inzwischen über das Garantie-Rückgabe-System (SGR) erfasst. Dadurch erscheinen die OIREP-Werte für diese Materialien niedriger, als es eine Gesamtbetrachtung der Rückgabe- und Verwertungswege nahelegen würde. 

SGR steht für Sistemul de Garanție-Returnare, das rumänische Garantie-Rückgabe-System für Einweg-Getränkeverpackungen. Es entspricht funktional einem Pfandsystem. Daneben arbeiten in Rumänien sogenannte OIREPs. Das sind Organisationen, die im Auftrag von Produzenten Verpflichtungen aus der erweiterten Produzentenverantwortung für Verpackungen übernehmen. Das SGR hat seit seiner Einführung vor allem den Bereich der Getränkeverpackungen verändert. Andere Verpackungsströme werden weiterhin über OIREPs oder individuell durch Hersteller verwaltet.

Auffällig ist zudem der Unterschied zwischen Gesamtmarkt und kommunalem OIREP-Fluss. Während Holz im Gesamtmarkt der zweitgrößte Materialstrom ist, spielt es in der kommunalen Sammlung nur eine geringe Rolle. Dort dominieren vor allem Papier/Karton, Nicht-PET-Kunststoffe und Glas.
 

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OIRPEP und SGR haben sehr unterschiedliche Materialschwerpunkte.

Pfandsystem gewinnt deutlich an Gewicht

Nach Angaben der rumänischen Umwelt-NGO Ecoteca, der Asociația Ecoteca, entfielen von der Gesamtmenge 2.067.414 Tonnen auf das klassische System der erweiterten Produzentenverantwortung, also das OIREP-System, sowie auf die individuelle Verwaltung durch Produzenten. Im Garantie-Rückgabe-System wurden 2025 insgesamt 477.243 Tonnen nicht wiederverwendbare Primärverpackungen auf den Markt gebracht. Das entspricht 6,26 Milliarden Einheiten. Davon wurden 389.046 Tonnen zurückgegeben. Die Rückgabequote lag damit bei rund 81,5 Prozent nach Gewicht. 352.698 Tonnen gelangten nach den Angaben tatsächlich in Verwertungs- und Recyclinganlagen.

Bei den einzelnen Materialien zeigt sich die Rückgabeleistung besonders deutlich. Im SGR wurden 105.132 Tonnen PET-Verpackungen auf den Markt gebracht und 86.229 Tonnen zurückgegeben. Das entspricht rund 82 Prozent. Bei Glas standen 339.464 Tonnen in Verkehr gebrachte Verpackungen 275.930 Tonnen Rückgaben gegenüber, also rund 81 Prozent. Aluminium erreichte mit 23.740 Tonnen auf den Markt gebrachten und 19.798 Tonnen zurückgegebenen Verpackungen rund 83 Prozent.

Diese Werte erklären, warum PET, Glas und Aluminium im klassischen OIREP-System vergleichsweise niedrige Quoten aufweisen. Ein erheblicher Teil dieser Verpackungsströme wird inzwischen vom SGR erfasst.

Offiziell liegt Rumänien bei Verpackungsrecycling nach zuletzt verfügbaren EU-Daten für das Jahr 2022 nur bei rund 37 bis 38 Prozent. Für 2025 deutet die Kombination aus OIREP und SGR auf Basis der AFM-Daten auf eine deutlich höhere rechnerische Quote von etwa 57,6 Prozent hin. Rumänien bleibt damit im europäischen Vergleich ein schwacher Verpackungsrecycler, holt aber erkennbar auf.

Ecoteca weist zudem darauf hin, dass die Leistung des Pfandsystems nicht allein an der Rückgabequote gemessen werden sollte. Zwischen Markteinführung, Rückgabe und tatsächlichem Eintritt in Recyclinganlagen liegen mehrere Stufen. Von 275.930 Tonnen zurückgegebenem Glas gelangten 249.764 Tonnen in Recyclinganlagen. Bei PET standen 105.132 Tonnen auf dem Markt 86.229 Tonnen Rückgaben gegenüber; 78.593 Tonnen erreichten Recyclinganlagen.

Die Rückgabequote der SGR-Verpackungen verbesserte sich laut Ecoteca zwischen Januar 2024 und Dezember 2025 deutlich. Im gesamten Zeitraum lag der Durchschnitt bei 69,2 Prozent. Die monatliche Auswertung zeigt einen Anstieg von etwa 55 Prozent im Jahr 2024 auf rund 83 Prozent im Jahr 2025. In einzelnen Monaten überschritt das System die Marke von 100 Prozent, etwa im Januar 2025 mit 106,1 Prozent und im Oktober 2025 mit 103,9 Prozent.

Ecoteca führt diese Spitzenwerte darauf zurück, dass ein Teil der 2025 zurückgegebenen Verpackungen bereits zuvor gekauft und erst später zurückgebracht wurde. Insgesamt wertet die Analyse die Entwicklung als Zeichen dafür, dass das SGR die Anfangsphase verlassen und eine stabilere Betriebsphase erreicht hat.

Auch ein Guardian-Bericht auf Basis von RetuRO-Daten verdeutlicht die Größenordnung des Systems. RetuRO ist der Betreiber des rumänischen Garantie-Rückgabe-Systems. Dem Bericht zufolge wurden bis Ende September 2025 rund 7,5 Milliarden Getränkeverpackungen zurückgegeben: etwa 4 Milliarden PET-Flaschen, 2 Milliarden Dosen und 1,5 Milliarden Glasbehälter. Der Bericht nennt außerdem mehr als 500.000 Tonnen gesammeltes hochwertiges Recyclingmaterial.

 

Zwei Systeme, eine gemeinsame Aufgabe

Die kombinierte Architektur aus klassischer Produzentenverantwortung und Garantie-Rückgabe-System beginnt, sichtbare Ergebnisse zu liefern. Das SGR stabilisiert die Rücknahme von Getränkeverpackungen, während die OIREPs weiterhin große Mengen außerhalb dieses Systems abdecken.

Im Moment bestehen aber noch stark abweichende lokale Strukturen, unterschiedliche Übernahmetarife für Materialien sowie ungleich verteilte öffentlich finanzierte Sammelprojekte. Die Leistungsfähigkeit des Recyclingsystems hängt in Rumänien also nicht nur von nationalen Regeln ab, sondern auch von regionaler Organisation und vorhandener Infrastruktur. Die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre wird sein, beide Systeme besser miteinander zu verzahnen und regionale Unterschiede zu verringern.
 

Autor: Alexander Stark, Redakteur FACHPACK360°