- 12.02.2026
- Länder-/Marktbericht
Portugals Verpackungsmarkt: Wachstum im Frischebereich, Bremsfaktor Recycling
Portugals Verpackungsindustrie bewegt sich zwischen Wachstum und Regulierung. Während Materialsegmente vor allem in der Frischekette zulegen, wird der Markt zunehmend an Recyclingfähigkeit und Materialverfügbarkeit gemessen.

Der portugiesische Verpackungsmarkt wird aktuell von drei Entwicklungen beeinflusst, die teilweise in unterschiedliche Richtungen wirken: In wichtigen Materialbereichen gibt es ein moderates Wachstum, im Frischebereich steigt die Nachfrage vor allem durch Exporte, und gleichzeitig geraten Sammel- und Recyclingsysteme zunehmend unter Druck.
Einige Segmente wachsen also stabil, und Frische-Lieferketten sorgen für zusätzliche Mengen. Gleichzeitig bleibt offen, ob am Ende auch genug geeignete Abfall- und Materialströme zusammenkommen, die sich hochwertig recyceln lassen.
Diese Einschätzung basiert auf Prognosen zu Kunststoff-, Glas- und Fresh-Food-Verpackungen sowie auf Daten zur Sammlung von Verpackungsabfällen.
Kunststoffverpackungen im Plus
Im Segment der Kunststoffverpackungen rechnet die Studie „Portugal Plastic Packaging Industry Outlook 2022–2026“ bis 2026 mit einem Umsatzanstieg auf knapp 914 Mio. Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 1,6 Prozent seit 2013. Im Jahr 2024 belegte Portugal mit einem Verkaufsvolumen von 834,46 Mio. Euro weltweit Rang 12 und lag damit hinter Griechenland, das auf einen identischen Wert kam.
Auch im Außenhandel wird ein moderates Plus erwartet. Die Exporte portugiesischer Kunststoffverpackungen sollen bis 2026 auf 326,68 Mio. US-Dollar steigen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2,2 Prozent seit 1993 entspricht. Im Vorjahr erreichte Portugal mit Exporten von 287,78 Mio. US-Dollar Rang 30 im weltweiten Vergleich, wiederum knapp hinter der Slowakei.
Gleichzeitig dürften die Importe weiter zunehmen. Für 2026 prognostiziert die Studie ein Importvolumen von 374,08 Mio. US-Dollar, ebenfalls bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2,2 Prozent seit 1993. Im Jahr 2021 lag Portugal mit Importen von 330,69 Mio. US-Dollar weltweit auf Rang 33, hinter Indien.Frischebereich als Wachstumstreiber
Im Frischebereich ist der Innovationsdruck besonders hoch, weil Verpackung direkt über Haltbarkeit, Ausschuss, Lebensmittelsicherheit und Logistikfähigkeit entscheidet. Dieser Bereich spielt für Portugal mit seinen umfangreichen Lebensmittelexporten eine besonders wichtige Rolle. Grand View Research beziffert den Markt für Fresh Food Packaging in Portugal 2020 auf 370 Mio. US-Dollar und erwartet bis 2028 ein Wachstum auf 490 Mio. US-Dollar. Als Wachstumsrate wird eine CAGR von 3,6 Prozent (2021–2028) genannt.
Zwei Nachfragetreiber stechen hervor. Erstens ist Portugal laut EU Fish Market Report der höchste Pro-Kopf-Konsument von Fisch und Meeresfrüchten in Europa (53,61 kg im Jahr 2023). Damit werden frische, gekühlte und teilweise verarbeitete Seafood-Kategorien zu einem zentralen Absatzfeld, in dem Verpackung maßgeblich über Produktqualität, Shelf-Life und Food Safety entscheidet.
Zweitens erhöhen exportgetriebene Frischeketten den Bedarf an standardisierten und robusten Verpackungslösungen. Portugalglobal berichtet für 2024 beispielsweise über mehr als 1,8 Mio. Tonnen exportierte Obst-, Gemüse- und Blumenmengen sowie einen Rekordwert von 2,5 Mrd. Euro. Beim Exportvolumen stiegen die Ausfuhren um 2,4 Prozent auf 1.816.807 Tonnen. Hauptabsatzmarkt für diese Produkte ist die Europäische Union, die wertmäßig 81 Prozent der Exporte auf sich vereint. Spanien ist mit 37,6 Prozent der wichtigste Zielmarkt, gefolgt von Frankreich (13 Prozent), den Niederlanden (9 Prozent), Deutschland (7,9 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (6,8 Prozent).
Papier mit Luft nach oben
Papier- und kartonbasierte Verpackungen bleiben ein zentraler Pfeiler der portugiesischen Verpackungswertschöpfung. IBISWorld führt die Branche „Paper and paperboard packaging manufacturing“ in Portugal mit 242 Unternehmen. Die Marktgröße der Branche „Paper and paperboard packaging manufacturing“ wird für 2026 auf 1,7 Mrd. Euro beziffert.
Gleichzeitig weisen die Marktforscher für den Zeitraum 2020 bis 2025 eine rückläufige Entwicklung aus, was auf Kosten- und Effizienzdruck sowie Strukturwandel hindeutet. Wachstum entsteht in der Praxis daher weniger durch eine pauschale Volumenausweitung als über konkrete Anwendungsfelder: transportoptimierte Wellpappenlösungen, hochwertige Faltschachteln sowie recyclingkompatible Barriere- und Beschichtungskonzepte.
Die Marktgröße der vorgelagerten Branche „Paper and paperboard manufacturing“ in Portugal beziffert IBIS World auf rund 4,9 Mrd. Euro.Getränke stützen Glasbehälterabsatz
Der portugiesische Behälterglasmarkt wächst moderat, aber stabil. Nach Angaben von Mordor Intelligence steigt das Marktvolumen von 2,02 Mio. Tonnen im Jahr 2025 auf 2,08 Mio. Tonnen im Jahr 2026 und soll bis 2031 rund 2,41 Mio. Tonnen erreichen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 2,95 Prozent.
Getränke bleiben mit 56,2 Prozent der wichtigste Endmarkt. Nachhaltigkeitsanforderungen und steigende Recyclingquoten prägen die Marktentwicklung, während Energiepreise ein zentraler Kosten- und Wettbewerbsfaktor bleiben. Produktionsseitig ist der Markt vor allem im Cluster Marinha Grande konzentriert; führende Anbieter sind Verallia, Vidrala und BA Glass.
Portugal recycelt zu wenig
Die größte strukturelle Herausforderung bleibt die Recycling-Performance. Sociedade Ponto Verde berichtet für das erste Halbjahr 2025 lediglich ein Plus von 2 Prozent bzw. 4.009 Tonnen bei der selektiven Sammlung von Verpackungen. Insgesamt wurden 231.000 Tonnen Verpackungsabfälle zur Verwertung bzw. zum Recycling weitergeleitet.
Besonders kritisch ist der Glasstrom: Im ersten Halbjahr 2025 wurden 99.321 Tonnen Glas gesammelt – rund 1.300 Tonnen weniger als im Vergleichszeitraum. Auch bis Ende September blieb das Wachstum der selektiven Sammlung bei etwa 2 Prozent. Rückläufig waren auch Getränkekartonverpackungen (ECAL) mit 4.044 Tonnen und minus 9% (405 Tonnen weniger). Zuwächse verzeichneten hingegen Papier/Karton mit 78.486 Tonnen (+4%), Kunststoff mit 42.844 Tonnen (+3%) sowie Aluminium mit 1.030 Tonnen (+1%), wobei Aluminium trotz Anstieg weiterhin als Problemfeld gilt.
Der regulatorische Rahmen ist klar: Bis Ende 2025 müssen mindestens 65 Prozent des gesamten Verpackungsabfalls (nach Gewicht) recycelt werden; bis 2030 steigt das Ziel auf 70 Prozent. Parallel verschärft die neue EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR, Verordnung (EU) 2025/40) die Anforderungen an Design, Recyclingfähigkeit und Systemverantwortung. Sie trat am 11. Februar 2025 in Kraft und gilt grundsätzlich ab dem 12. August 2026.
Autor: Alexander Stark, Redakteur FACHPACK360°