- 18.06.2026
- Interview
- Frauen in der Verpackungsindustrie
Julia Knobloch: Verpackung muss vom Lebenszyklus her gedacht werden
Nachhaltige Verpackungen, Rezyklateinsatz und recyclinggerechtes Design gehören zu den zentralen Themen in der Verpackungsentwicklung des Mainzer Reinigungs- und Pflegemittelherstellers Werner & Mertz. Seit zwei Jahren arbeitet Julia Knobloch dort als Deputy Head of Packaging Development. Die Verpackungsentwicklerin spricht im Interview über Motivation, Rezyklateinsatz und die Rolle von Kunststoffen in einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.

Frau Knobloch, Sie entwickeln bei Werner & Mertz nachhaltige Verpackungslösungen. Was ist Ihre wichtigste Aufgabe – und was motiviert Sie daran besonders?
Für mich ist dabei die wichtigste Aufgabe, den gesamten Lebenszyklus einer Verpackung bereits bei der Entwicklung zu berücksichtigen. Design4Recycling ist die Grundlage, auf der wir im Team der Verpackungsentwicklung von Werner & Mertz Verpackungen gestalten. Vor allem motiviert mich daran, dass ich mit meiner Arbeit konkret etwas bewirken kann und nachhaltige Verpackungen in den Markt bringe. Das Besondere ist, dass wir die Entwicklung von Anfang bis Ende begleiten und bei jedem Schritt dabei sind. Der Austausch mit möglichen Packmittellieferanten ist genauso wichtig wie der interne Austausch mit allen beteiligten Abteilungen.
Zur Entwicklung gehört auch, die Packmittel bei uns auf den Produktionslinien zu testen und für die Produktion freizugeben. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass neben den technischen Aspekten auch die regulatorischen Anforderungen berücksichtigt werden müssen. Mich begeistert besonders die hohe Vielseitigkeit in der Verpackungsentwicklung bei Werner & Mertz.
Sie haben zuvor in anderen Branchen gearbeitet. Was unterscheidet die Verpackungsentwicklung bei Werner & Mertz von Ihren früheren Stationen?
Aus meiner Sicht unterscheidet sich die Verpackungsentwicklung bei Werner & Mertz vor allem dadurch, dass Nachhaltigkeit und Innovation nicht nur ein Ziel sind, sondern auch wirklich umgesetzt werden. Trotz höheren Kosten und zeitintensiveren Entwicklungszeiten werden nachhaltige und innovative Verpackungen realisiert. Letztes Jahr im Juni wurde beispielsweise der Weltrekord „1 Milliarde Flaschen aus 100 % Post-Consumer-Rezyklat“ aufgestellt und ist ein schönes Beispiel hierfür.
Werner & Mertz setzt Rezyklat seit Jahren im industriellen Maßstab ein. Was können andere Verpackungsanwender aus dieser Erfahrung lernen?
Werner & Mertz setzt seit 2008 Rezyklat ein und zeigt damit seit vielen Jahren, dass es funktioniert, daraus qualitativ hochwertige Verpackungen in den Markt zu bringen. Dabei ist es wichtig, die gesamte Wertschöpfungskette zu betrachten. Der Einsatz von Rezyklat darf nicht isoliert betrachten werden, sondern kann meiner Meinung nach nur funktionieren, wenn man Design4Recycling berücksichtigt und im Austausch mit Packmittellieferanten, Recyclern und Sortieren steht. Dadurch entsteht ein besseres Verständnis für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette und alle können sich gemeinsam weiterentwickeln.
Kunststoffverpackungen stehen häufig in der Kritik. Warum bleiben sie aus Ihrer Sicht dennoch wichtig – wenn sie konsequent kreislauffähig gestaltet werden?
Kunststoff erfüllt Anforderungen an Verpackungen, die andere Materialien oft nur eingeschränkt leisten können. Wichtig beim Kunststoffeinsatz ist, dass die Verpackungen nach dem Lebenszyklus wieder in den hochwertigen Kreislauf zurückgeführt werden können und somit Kunststoff über mechanisches Recycling als Wertstoff erhalten bleibt. Recyclingfähige Verpackungen und der Einsatz von Rezyklat sparen fossile Rohstoffe ein. Zusätzlich bringt der Einsatz von Kunststoffverpackungen durch das niedrige Gewicht Vorteile im Transport und bei der Gesamt-CO2-Bilanz mit sich. Meiner Meinung nach sollte Kunststoff an sich nicht als negativ bewertet werden. Zur Beurteilung einer Verpackung muss die gesamte Wertschöpfungskette betrachten und bewertet werden.