- 23.02.2026
- Artikel
Trends und Schwerpunkte: Erkenntnisse der WorldStar-Awards 2026
Für die WorldStars 2026 wurden Anfang des Jahres 234 Sieger aus 36 Ländern in 19 Kategorien ausgezeichnet. Viel Quantität und Qualität. Für einen kompakten aber qualifizierten Ein- und Überblick haben wir einige der europäischen Jurorinnen und Juroren zu ihren Eindrücken befragt.

Das Teilnehmerfeld beim WorldStar 2026 zeigt eine klare Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen die konsequente Umsetzung der PPWR-Anforderungen, die verstärkte Integration von Post-Consumer-Rezyklaten (PCR), ein verbessertes Design for Recycling, Materialeffizienz und Monomateriallösungen. Bei den Anwendungen sind der Schutz von Lebensmitteln, nutzerorientierte Verpackungslösungen und eCommerce aber auch Transportlösungen für die Lieferkette wichtige Arbeitsfelder.
Insgesamt wird Nachhaltigkeit zur strukturellen Anforderung in der Verpackungsentwicklung und verliert ihren Status als reines Marketinginstrument. Nurlan Idemen, Jurymitglied und Generalsekretär der Turkish Packaging Manufacturers Association (ASD) sieht „einen deutlichen Wandel von experimentellen Nachhaltigkeitskonzepten hin zu industriell umsetzbaren und skalierbaren Lösungen. Viele Gewinnerbeiträge zeigten eine ausgewogene Integration von Umweltleistung mit Kosteneffizienz, Automatisierungskompatibilität und Lieferkettenstabilität.“

Wo gibt es besonders gute Erfolge?
Nach Ansicht von Juror Ernst Krottendorfer, Managing Director von Packforce Austria, zeigen sich „besonders deutliche Fortschritte bei der Integration von PCR-Materialien und bei Monomaterial-Lösungen für bessere Recyclingfähigkeit. Viele Lösungen sind bereits skalierbar und unterstützen direkt die Anforderungen der PPWR sowie die CSRD-Berichtspflichten, insbesondere im Haushalts- und FMCG-Bereich“.
Auch die anderen befragten Jurymitglieder betonen die Fortschritte beim Einsatz von Monomaterial und PCR. Darüber hinaus finden Innovationen im Bereich faserbasierter Verpackungen Erwähnung, die unter Einsatz von Coatings verbesserte Barriereeigenschaften und eine höhere funktionale Zuverlässigkeit auch für kontaktsensitive Anwendungen erzielen.
Ein weiteres Feld erfolgreicher Innovationsarbeit sind Transport- und eCommerce-Lösungen, wo Redesign-Maßnahmen zur Reduzierung von Leerraum und Materialeinsatz führen und gleichzeitig die Performance verbessern. Beim Design for Recycling fällt auf, dass in den jeweiligen Ländern bewusst für bereits bestehende und funktionierende Abfallmanagementsysteme gearbeitet wird.
Wo brauchen wir dringend mehr Lösungen?
Wo Erfolg ist, braucht es mehr davon: Trotz bereits erreichter Fortschritte sehen die Jurymitglieder Handlungsbedarf, um mehr Lösungen für echte Recyclingfähigkeit im industriellen Maßstab zu erreichen, leistungsfähige Monomateriallösungen für komplexe Anwendungen zu entwickeln und die Verpackungsminimierung im Transport- und eCommerce-Bereich weiter voranzutreiben. „Die zentrale Herausforderung bleibt der Übergang von „theoretisch recyclingfähig“ zu „praktisch und flächendeckend recyclingfähig“ in ganz Europa“, so Krottendorfer. Auch Oliver Berndt, Head of Events & Marketing des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi) sieht „Lücken bei recycelbaren Monomateriallösungen, die geschlossen werden müssen.“ Außerdem wünscht er sich Design, „das sich stärker an den Bedürfnissen von Verbraucherinnen und Verbrauchern orientiert“.
Antro Säilä, Juror und Managing Director der Finnish Packaging Association, sieht Bedarf bei „Wiederverwendungssysteme, die unabhängige Nachweise erbringen können, dass sie funktionieren und ökologisch vorteilhafter sind als bisherige Lösungen“. Ágnes Pelczer, Jurorin im Dienst der Ungarischen Association of Packaging and Materials Handling, sieht „akuten Bedarf an skalierbaren Lösungen für komplexe Lebensmittelverpackungen, insbesondere dort, wo Barriereeigenschaften und Anforderungen an die Haltbarkeit weiterhin herausfordernd sind“. Und für Nurlan Idemen bestehen weiterhin „deutliche Lücken bei nachhaltigen Hochbarriereverpackungen für empfindliche Lebensmittel- und Medizinanwendungen. Zudem sind dringend weitere Innovationen bei End-of-Life-Lösungen für flexible Verpackungen erforderlich, insbesondere in Regionen mit fragmentierter oder uneinheitlicher Recycling-Infrastruktur.“

Welche Trends werden in den nächsten Jahren besonders wichtig?
2030 werden viele verbindliche und strenge Ziele im Rahmen der PPWR scharf geschaltet oder weiter verschärft. Diese Vorgaben werden die Innovationsarbeit der kommenden Jahre dominieren, ist sich Antro Säilä sicher. „Die nächsten Jahre werden ausschlaggebend für die praktische Umsetzung sein“, sagt auch Ernst Krottendorfer, der neben Design for Recycling nach EU-Kriterien, verbindlichen PCR-Quoten, Verpackungsminimierung, der Reduktion unnötiger Komponenten, Wiederverwendungs- und Refill-Systemen sowie messbaren und überprüfbaren Nachhaltigkeitskennzahlen auch auf die Bedeutung des Verpackungsdatenmanagements hinweist.
Für Nurlan Idemen wird Design for Recycling, das sich an regionalen regulatorischen Vorgaben orientiert, im Fokus stehen. Als zentralen Innovationstreiber sieht er „die Kombination aus Gewichtsreduzierung und struktureller Intelligenz anstelle eines bloßen Materialaustausches“.
Für Oliver Berndt werden „kreislauffähige und CO₂-arme Monomaterial-Verpackungen sowie Refill-Systeme entscheidend sein. Der Übergang zu papierbasierten Lösungen für sensible Güter wie Food und Pharma wird beschleunigt, um EU-Regulierungen und Kreislaufwirtschaft zu erfüllen. Vielleicht nimmt Smart Packaging mit Sensorik für Food Safety an Fahrt auf.“
Ágnes Pelczer erwartet, dass „der regulatorische Druck Innovationen bei der Vereinfachung von Verpackungen und der Entwicklung lebenszyklusorientierter Designs weiter beschleunigen“ wird.
Author: Christian Nink, Freier Journalist