Wo Glas-Mehrweg im wahrsten Sinne seine Grenzen haben kann, ist der Transportweg. Wenn wir beispielsweise Tomatensoße aus Italien beziehen, ist es doch sehr fraglich, ob es nachhaltig ist, das Leergut über diese großen Distanzen zurück zu transportieren. Und schließlich ist für uns auch Babynahrung eine Glas-Mehrweggrenze. Nicht alle verwenden die empfohlenen Kunststofflöffel und Metalllöffel können einfach immer wieder zu Mikrobeschädigungen am Glas führen und damit irgendwann zum Glasbruch. So einen Rückruf will kein Produkthersteller und kein Händler. Da bleibt man dann bei der Einweglösung.
Lassen sich etablierte Mehrweg-Systeme für andere Produkte quernutzen und gibt es neue Anwendungsbereiche?
Wir experimentieren seit 2019 gemeinsam mit Partnern, ob und wie sich etablierte Mehrweggebinde für andere Produkte nutzen lassen. Die Ergebnisse sind durchwachsen. Größe und Form der etablierten Glas-Mehrwegverpackungen sind für andere Produkte oft nicht optimal. Andere Füllgrößen führen zu anderen Preisen, die auf den ersten Blick höher erscheinen. Dazu kommt, dass die Produkthersteller oft keine Spüllogistik haben oder ihre Logistik auf Einweg optimiert ist. Auch die Restentleerung ist bei etablierten Glas-Mehrweg-Formaten oft nicht optimal, beispielsweise im Fall von Cremes. Und schließlich gibt es die schon erwähnte Einschränkung, dass Glas für leichte Trockenprodukte selbst als Mehrweglösung nicht nachhaltig ist. Wir bleiben aber an dem Thema Quernutzung dran, denn die Sache ist zwar herausfordernd, aber gleichzeitig niederschwellig.
Neue, positive Erfahrungen haben mit einem Glas-Mehrwegsysteme für Öle gemacht. Da nutzen wir die dotch-Flasche, die 2024 auch den Deutschen Verpackungspreis gewonnen hat. Diese Mehrwegflasche wurde speziell für Öle konzipiert, so dass Form und Größe passen. Von Vorteil ist auch, dass dotch kein reiner Flaschenanbieter ist, sondern auch Transport und Spüllogistik anbietet. Was bleibt ist etwas Kommunikationsaufwand gegenüber den Kundinnen und Kunden, für die Mehrweg in diesem Segment neu ist.
Autor: Christian Nink, Freier Journalist