Laut Studie nutzt nur ein Viertel der Unternehmen Plattformen zur Zusammenarbeit mit Lieferanten. Ist das nicht ein Armutszeugnis für eine Branche, die sich immer smarter geben will?
Die Erkenntnis ist da – aber der Umsetzung fehlt es häufig an Ressourcen oder Priorität. Damit der Mehrwert von Plattformen verstanden und gelebt werden kann, braucht es einen echter Kulturwandel – auf Seiten aller Nutzer. Zusammenarbeit darf nicht nur auf Angebotsabgaben und Preisverhandlungen reduziert werden. Gerade in der Verpackungsentwicklung – von nachhaltigen Materialien bis zu automatisierungsfreundlichem Design – entstehen die besten Lösungen, wenn Lieferanten früh eingebunden sind. Digitale Plattformen sind hier das Rückgrat für strukturierten Austausch.
Der Einkauf wird in Ihrer Studie als strategischer „Motor für Innovation“ beschrieben. Das klingt gut – aber wie strategisch ist der Einkauf in der Realität der mittelständischen Verpackungsindustrie wirklich?
Noch nicht strategisch genug. In zu vielen Unternehmen ist der Einkauf noch immer operativ, reaktiv und kostengetrieben. Dabei sehen wir in unserer Studie, dass sich genau hier der Wandel abzeichnet: 47,1 % der Befragten sagen, dass sich der Einkauf zur strategischen Funktion entwickelt hat. Für Verpackungsunternehmen bedeutet das: Der Einkauf entscheidet mit, welchen Innovationen Vorrang gegeben wird und wie Fragestellungen rund um Circularity Eingang in die Materialauswahl finden. Wer den Einkauf nur als Kostenstelle sieht, verliert langfristig den Anschluss.
Danke für das Gespräch, Frau Zeller.
Fazit: Die Ergebnisse des Einkaufsbarometers Mittelstand 2025, das der BME gemeinsam mit Onventis und der ESB Business School erstellt hat, zeigen deutlich: Ohne digitale und kollaborative Beschaffung ist Zukunftsfähigkeit nicht denkbar. Besonders für die Verpackungsbranche, die stark von globalen Lieferketten, Nachhaltigkeitsdruck und Innovationsgeschwindigkeit betroffen ist, bieten die Erkenntnisse der Studie wichtige Impulse – von KI über Lieferanten-Scoring bis zur strategischen Neuausrichtung des Einkaufs.
Autor: Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME)