Die griechische Verpackungsindustrie befindet sich derzeit in einer Phase struktureller Neuordnung. Nach Darstellung von Grocery Trade News haben Hersteller in den vergangenen Jahren Kapazitäten ausgebaut, Produktionslinien modernisiert und sich stärker an den Anforderungen internationaler Handelsmarkenprogramme ausgerichtet. Der Markt wird dabei vor allem von flexiblen Verpackungen, Wellpappe und Metallverpackungen getragen. Wichtigste Wachstumstreiber sind steigende Lebensmittelexporte, die Nachfrage nach gekühlten Produkten, der Tourismus sowie die Ausweitung von Private-Label-Programmen.
Ein besonderer Einschnitt ist der Wegfall der inländischen Behälterglasproduktion. Nach der endgültigen Schließung des Egaleo-Werks von BA Glass in den Jahren 2024/2025 verfügt Griechenland nicht mehr über eigene Produktionsstätten für Glasbehälter. Sämtliche gewerblich genutzten Glasverpackungen, die von griechischen Getränkeherstellern und FMCG-Produzenten eingesetzt werden, werden nun importiert, vor allem aus Werken in Bulgarien und Rumänien. Dieser strukturelle Einschnitt hat Auswirkungen auf Lieferzeiten, die Logistikplanung und die Resilienz der Lieferketten in Produktkategorien, die auf Glasverpackungen angewiesen sind.
Drei tragende Säulen der Verpackungsnachfrage
Die griechische Lebensmittel- und Getränkeindustrie zählt zu den tragenden Säulen der verarbeitenden Industrie und ist zugleich ein Schlüsselsektor für den Verpackungsmarkt. Als einer der größten industriellen Abnehmer prägt sie den Bedarf an Primär-, Sekundär- und Transportverpackungen in weiten Teilen des Landes. Die Branche ist eng mit Landwirtschaft, Tourismus, Gastronomie und Hotellerie verflochten und verfügt über eine starke Präsenz auf europäischen und internationalen Märkten. 2022 entfielen auf sie 27,7 Prozent aller Industrieunternehmen Griechenlands, 23,2 Prozent des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe sowie 21,9 Prozent des Produktionswerts. Auch im Außenhandel hat der Sektor großes Gewicht: Der Anteil verarbeiteter Lebensmittel und Getränke an den gesamten Warenexporten des Landes stieg 2024 auf 14,0 Prozent, nach 13,4 Prozent im Vorjahr. Die Ausfuhren werden vor allem von Obst und Gemüse, Milchprodukten sowie Ölen und Fetten getragen, die zusammen rund zwei Drittel der Exporte des Sektors ausmachen. Für die Verpackungsindustrie bedeutet das eine dauerhaft hohe Nachfrage nach produktspezifischen, logistikfähigen und exporttauglichen Verpackungslösungen. Hinzu kommt die logistisch günstige Lage Griechenlands als Drehscheibe zwischen Europa, Asien und Nordafrika, die sowohl den Export verpackter Waren als auch den Import von Verpackungsmaterialien unterstützt.
Verstärkt wird dieser Bedarf durch den Tourismus, der den Verbrauch von Getränke-, Foodservice- und HoReCa-nahen Verpackungen saisonal deutlich erhöht. ELSTAT (Hellenic Statistical System) meldet für 2024 rund 29,5 Millionen Ankünfte und 116,9 Millionen Übernachtungen in Hotels und ähnlichen Betrieben, jeweils über Vorjahr. Das ist für den Verpackungsmarkt relevant, weil saisonale Spitzen den Bedarf an schnell verfügbaren, logistikfähigen Verpackungslösungen erhöhen.
Kreislaufwirtschaft und Recycling
Für 2023 werden für Griechenland 107,65 kg Verpackungsabfall pro Kopf ausgewiesen; die Recyclingquote liegt bei 48,0 Prozent (51,7 kg Pro Kopf). Damit bleibt Griechenland deutlich unter dem EU-Niveau: Die EU weist 2023 177,8 kg pro Kopf erzeugten Verpackungsabfall sowie eine Gesamtrecyclingquote von 67,5 Prozent aus.
Der Materialmix der in Griechenland erzeugten Verpackungsabfälle (2023, Anteil am Gesamtgewicht) ist stark von papierbasierten Lösungen geprägt: Papier/Pappe ~39,7 Prozent, Kunststoff ~23,5 Prozent, Glas ~13,8 Prozent, Holz ~13,6 Prozent, Metall ~9,2 Prozent (Sonstige ~0,2 Prozent). Im EU-Vergleich ist der Kunststoffanteil in Griechenland höher, der Glasanteil niedriger.
Vermutlich hat Griechenland das Ziel für die Vorbereitung zur Wiederverwendung und das Recycling von Siedlungsabfällen bis 2025 nicht erreicht und ist gefährdet, das Recyclingziel für sämtliche Verpackungsabfälle zu verfehlen. Gleiches gilt für das Ziel, die Deponierung von Siedlungsabfällen bis 2035 zu begrenzen.
Der Markt steht daher unter Druck, Verpackungssysteme stärker zu modernisieren. Die EEA (European Environment Agency) nennt als laufende oder geplante Hebel in Griechenland unter anderem Pay-as-you-throw, einen landesweiten Einwegpfandansatz für bestimmte Verpackungen sowie eine schrittweise Erhöhung der Deponieabgabe auf 55 Euro je Tonne bis 2027. Für Verpackungshersteller und Markenartikler bedeutet das: Design for Recycling, getrennte Materialströme und datenfähige EPR-Compliance gewinnen an Bedeutung.
Besonders wichtig für Verpackungsanbieter ist die anstehende Neuordnung des Pfandsystems für Getränkeverpackungen. Griechenland bereitet die Einführung eines landesweiten Deposit-Return-Systems für Kunststoffflaschen und Aluminiumdosen vor. Der Rollout soll noch 2026 beginnen und sich über zwei Jahre landesweit ausdehnen. Die Einführung wurde in Griechenland mehrfach verschoben. Ein geplanter Start Ende 2025 ist nicht erfolgt und die Umsetzung wurde durch legislative, administrative und operative Hürden verzögert . Ursprünglich diskutierte Einbeziehung von Glasflaschen und Getränkekartons wurde demnach wieder fallengelassen. Vorgesehen sind mehr als 4.200 Rücknahmeautomaten und rund 9.700 manuelle Rücknahmestellen in Supermärkten, kleinen Läden, Kiosken und im Gastgewerbe. Das neue System soll Rückgabeanreize über ein Pfand von 0,10 Euro bis 0,5 Liter und 0,15 Euro bei größeren Gebinden schaffen. Ziel ist eine Sammel- und Recyclingquote von 90 Prozent bis 2028.
Für die Verpackungswirtschaft ist das aus mehreren Gründen relevant. Erstens werden PET- und Aluminium-Getränkeverpackungen künftig gezielt aus dem bisherigen Blue-Bin-System herausgelöst. Das dürfte die Qualität der erfassten Wertstoffe verbessern, verändert aber zugleich die Stoffströme und Erlösstrukturen im bestehenden Verpackungsrecycling, weil gerade Kunststoff und Aluminium zu den wertvolleren Fraktionen zählen.
Die Richtung ist klar: Der griechische Verpackungsmarkt wächst nicht einfach weiter, er wird neu sortiert. Gewinner werden jene Anbieter sein, die Versorgung, Recycling und regulatorische Anforderungen früh zusammenführen – und aus dem Umbau einen Wettbewerbsvorteil machen.
Autor: Alexander Stark, Redakteur FACHPACK360°