Marktführer Coca-Cola bietet dauerhaft 16 verschiedene kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke in 330-ml-Dosen an. Nach Unternehmensangaben sei es das vielfältigste Angebot seit jeher. Die Brauereigruppe Paulaner hat ihre Spezi in Dosen um Limo Orange und Zitrone ergänzt. Die Krombacher-Gruppe führt bei ihrer Fassbrause, der Mineralbrunnen Hassia bei der Marke Bizzl neue Dosen-Varianten ein. Auch Eistees – zum Beispiel von Pfanner, Lipton oder Rauch – werden in Dosen angeboten und sind für den To-go-Bereich attraktiv.
Coca-Cola investiert in Abfülllinie für Dosen
Coca-Cola European Partners (CCEP) kündigte an, in Deutschland 150 Millionen Euro in deutsche Abfülltechnik und Infrastruktur zu investieren. Fast ein Drittel davon fließt in den Produktionsstandort Halle, wo für zehn Millionen Euro eine neue und damit vierte Abfülllinie für Getränkedosen entstehen soll. Sie soll 2026 anlaufen. Künftig werden in der Händelstadt dann neben den Eisteegetränken der Marke Fuze Tea und den Sportgetränken der Marke Powerade auch die Klassiker Coke, Fanta und Sprite abgefüllt – in 0,25 und 0,33 Liter Dosen. Mit der Millionen-Investition reagiert Coca-Cola auf die gestiegene Nachfrage: „Dosen liegen im Trend“, erklärt Uwe Blabusch, Betriebsleiter im Werk in Halle. „Allein im vergangenen Jahr erreichten Getränke in Dosen im deutschen Markt ein Absatzplus von rund zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“
Fünf Vorteile der Dose
Aus Herstellersicht haben Dosen viele Vorteile:
- Sie haben sehr gute Barriereeigenschaften. Licht und Sauerstoff kommen nicht hinein, Kohlensäure kann nicht entweichen.
- Die große Öffnung ermöglicht eine schnelle Abfüllung.
- Die Dose ist ein Wertschöpfungsgebinde. Convenience-Käufen sind für für den To-go-Verzehr bereit, tiefer in die Tasche zu greifen als beim Vorratskauf, wo Preise genauer verglichen werden. Eine Drittel-Liter-Dose Coke für 99 Cent kommt auf einen Literpreis von rund 3 Euro. Auch im Vergleich zu anderen Portionsgebinden wie der PET-Flasche mit einem Literpreis von 2,18 Euro schneidet die Dose oftmals teurer ab.
- Die Transportkartons sind gut stapelbar. In der Logistik und Distribution komme der Dose zugute, dass das Gesamtgewicht zu 97 Prozent aus dem Getränk und zu nur 3 Prozent aus der Verpackung bestehe.
- Die runden Gebinde gelten als nahezu unzerbrechlich, neigen allerdings bei großem Druck zu Beulen.
Bei Coca-Cola machen die 0,33-Liter-Dosen fast 7 Prozent Anteil am Verkaufsvolumen aus. Vor fünf Jahren waren es noch 3,3 Prozent. Um weiter mit dem Trendgebinde Dose zu wachsen, gilt es, die Präferenzen der Verbraucher zu beachten. Die Dose wird sehr stark von der jungen Zielgruppe nachgefragt. Menschen zwischen 30 und 39 Jahren trinken häufiger aus der Dose, so Marktforscher.
Umweltsünder oder Recyclingmeister?
Ist die Dose auch zwei Jahrzehnte nach Einführung des Pfands ein Umweltsünder? Fast alle Getränkedosen in Deutschland finden ihren Weg zurück in die Kreislaufwirtschaft – sei es als neue Getränkedose oder als Bestandteil von Fahrrädern oder Elektroautos – der Kreislauf ist also nicht geschlossen. Felix Brandenburg, Vorsitzender des Forum Getränkedose, sagt dazu: „Die Aluminium-Getränkedose ist mit einer Recyclingquote von über 99 Prozent die am häufigsten recycelte Getränkeverpackung in Deutschland. Auch in der EU konnte 2021 laut neuesten Zahlen ein Recyclingrekord von 76 Prozent erreicht werden. Ich bin zuversichtlich, dass wir es mit der verpflichtenden Einführung von Pfandsystemen schaffen können, auch in Gesamt-Europa die Quote wesentlich zu steigern." Das Forum Getränkedose ist ein Zusammenschluss der Verpackungshersteller Ardagh Group, Ball Beverage Packaging Europe und Crown Holdings.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erklärt, jedes Gramm neues Aluminium sei umweltschädlich. Bei der Verarbeitung des Rohstoffs Bauxit entstehe ein mit Schwermetallen belastetes Abfallprodukt. Auch koste das Einschmelzen über mehrere Stunden viel Energie. Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, sagt: „Mit dem Dosenwerk in Halle manifestiert Coca-Cola über Jahrzehnte ein umwelt- und klimaschädliches Einweg-Geschäftsmodell – und bedroht das mittelständisch geprägte Mehrwegsystem in Deutschland.“ Angesichts der Klimakrise brauche man besonders umweltfreundliche Verpackungen wie regionale Mehrwegflaschen. „Bereits seit Jahren wird die im Verpackungsgesetz festgelegte Mehrwegquote von 70 Prozent unterschritten.“ Die neue Bundesregierung müsse zur Förderung von Mehrweg eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg-Kunststoffflaschen und Dosen einführen, so die DUH.
von Anna Ntemiris, Redakteurin