Italiens Verpackungsbranche trotzt den Umständen
20.03.2023 Look into Europe Länder-/Marktbericht

Italiens Verpackungsbranche trotzt den Umständen

Italien ist als siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt eine Hausnummer im globalen Handel. Auch bei Verpackungsmaterialien und -maschinen mischen die Hersteller ganz vorne mit. Die Krisen der vergangenen Jahre hat die Branche dabei überraschend gut gemeistert.

Kunststoffflaschen werden automatisiert in Kartons platziert In der Verpackungsautomation gehören italienische Hersteller zur Spitze auf dem Weltmarkt.

Italienische Exporteure sind mit ihren Lebensmitteln auf der ganzen Welt ein Begriff. Abgepackt für die Reise in Supermärkte und Restaurants, landen Spezialitäten wie Käse, Pasta, Wein oder Oliven auf den Tischen unzähliger Verbraucher. So bekannt sie auch sein mögen, machen Lebensmittel aber nur einen geringen Teil der italienischen Exporte aus. Die drittgrößte Volkswirtschaft Europas und siebtgrößte der Welt produziert unterschiedlichste Waren für den Export. Die Ausfuhren reichen von Maschinen (17,7 Prozent) und Fahrzeugen (7,4 Prozent) über Pharmazeutika (6 Prozent) bis hin zu Konsum- und Luxusgüter. Diese Waren werden in Primär-, Sekundär- und Transportverpackungen unterschiedlicher Materialien auf den Weg zu den Kunden gebracht.

Dem italienischen Verpackungsinstitut zufolge gibt es deshalb auch eine direkte Korrelation zwischen der Produktionstätigkeit im Land und der Performance des Verpackungssektors. So kam dem Sektor 2021 die wirtschaftliche Erholung nach der Covid-Pandemie zugute. Selbstverständlich war dabei auch die Inlandsnachfrage ein starker Treiber für den Verpackungsbedarf. Die Daten des italienischen Instituts für Statistik (ISTAT) zeigten im Dezember 2022 einen positiven Trend für das Bruttoinlandsprodukt: Nach 6,6 Prozent im Jahr 2021 wurden für 2022 immerhin noch 3,9 Prozent und Wachstum prognostiziert. Für 2023 erwarten die Experten ein verhaltenes Wachstum von 0,4 Prozent. Diesem Trend folgend verzeichneten die Verpackungshersteller 2021 positive Zahlen und konnten ihre Produktion im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent steigern. Was die Materialien betrifft, so haben unter den verschiedenen Verpackungsarten neben den Glasverpackungen die Metallverpackungen am besten abgeschnitten: +20 Prozent für Aluminiumbehälter, +5,8 Prozent für Glasverpackungen und +5 Prozent für Verpackungen aus Stahl. Auch die Verpackungen aus Zellulose erwiesen sich als sehr gesund und schlossen das Jahr 2021 mit einem Produktionsplus von 10,5 Prozent ab.

 

Verpackung liefert Antworten auf Konsumtrends

Gute Absatzzahlen konnten die Verpackungshersteller auch dank des boomenden Online-Handels in Italien erzielen. Ähnlich wie in Deutschland stieg dieser während der Corona-Lockdowns rasant an. Wie die Forscher des „Osservatori Digital Innovation del Politecnico di Milano” berichten, wuchsen die Online-Einkäufe der Italiener im Jahr 2022 um +14 Prozent und erreichen einen Gesamtwert von 45,9 Milliarden Euro. Online-Services ausgenommen, stieg der Absatz von Produkten über digitale Verkaufskanäle im Vergleich mit 2021 um 10 Prozent auf 34 Milliarden Euro.

Dieser Konsumtrend wirkte sich positiv auf die Nachfrage nach Verpackungen aus. Zum einen kommen laut Mordor Intelligence zunehmend flexible Verpackungslösungen zum Einsatz – das gilt insbesondere dann, wenn die Produkte vor Umwelteinflüssen geschützt werden müssen. Gleichzeitig profitierten aber auch Verpackungen auf Zellstoffbasis und hier speziell die Anbieter von Wellpappe. Nach den Zahlen von PackMedia mach deren Anteil an den Verpackungen im E-Commerce etwa 88 Prozent aus.

Verpackungsmaschinen Made in Italy

Ein starkes Standbein der italienischen Volkswirtschaft ist der Maschinenbau. Auch einige der Weltmarktführer im Verpackungsmaschinenbau haben ihren Standort in Italien und sind regelmäßige Aussteller auf der FACHPACK in Nürnberg. Organisiert sind die Unternehmen im Verband der italienischen Verpackungsmaschinenhersteller UCIMA, der für 2022 erfreuliche Zahlen vorlegen konnte. 

Der Gesamtumsatz der Branche blieb demnach mit rund 8 Milliarden Euro stabil und lag nur 3 Prozent hinter dem Rekordjahr 2021. Die Maschinen aus Italien kommen gut bei den Kunden im Ausland an: Die Hersteller konnten Verpackungsmaschinen im Wert von 6,19 Milliarden Euro exportieren. Dieser Wert lag allerdings um 4,3 Prozent unter dem des Vorjahrs. Positiv entwickelte sich hingegen die Inlandsnachfrage mit einem Wachstum von 1,3 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind umso beeindruckender, wenn sie vor dem sich verschlechternden geopolitischen Hintergrund betrachtet werden. Lieferverzögerungen von wichtigen Komponenten aus Asien sowie steigende Energiepreise und Transportkosten wirkten sich auch auf die Maschinenhersteller aus. Trotz dieser Widrigkeiten hatte die Branche Ende 2022 noch volle Auftragsbücher.

Vorsichtig optimistische Aussichten

Mit Blick auf das Jahr 2023 ist die italienische Verpackungsbranche etwas weniger optimistisch. Da ihr Erfolg direkt mit der Produktionsleistung der gesamten Volkswirtschaft verknüpft ist, bekommt sie Abwärtstrends ebenfalls zu spüren. Die Stärke im Export macht die Hersteller zudem verwundbar für globale Entwicklungen. Und auch im Inland halten sich die Konsumenten wegen steigender Preise bei ihren Kaufentscheidungen zurück. Für das zweite Halbjahr sehen die Analysten aber einen Hoffnungsschimmer, der sich dann auch wieder positiv auf die Zahlen der Verpackungsbranche auswirken dürfte.