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24. - 26. September 2024 // Nürnberg, Germany

FACHPACK Newsroom

Gemeinsam für die Kreislaufwirtschaft

Porträt von Sandra Pechac
Transition in Packaging
© Plattform Verpackung mit Zukunft / Wolfgang Lienbacher

Damit die Kreislaufwirtschaft für Verpackungen funktionieren kann, müssen Unternehmen zusammenarbeiten, gemeinsam Verantwortung übernehmen und über den Tellerrand blicken. Die Plattform Verpackung mit Zukunft bildet hierfür ein schlagkräftiges Netzwerk.

Um die Müllproblematik und den Einfluss von Verpackungen auf den Klimawandel proaktiv anzugehen, haben sich die österreichischen Unternehmen ALPLA und Greiner zusammengetan und Ende 2019 mit fünf weiteren Unternehmen die Plattform Verpackung mit Zukunft ins Leben gerufen. Schnell waren weitere Mitstreiter aus der Wertschöpfungskette gefunden – vom Rohstoffverarbeiter bis zum Recycler, vom Verpackungs- bis zum Konsumgüterhersteller. Ziel ist es, das Thema Verpackung, deren Nutzen und den richtigen Umgang mit dieser besser zu kommunizieren. Darüber hinaus will die Initiative eine funktionierende Kreislaufwirtschaft maßgeblich voranbringen. Gemeinsame Basis aller Mitgliedsunternehmen sind die Grundsätze „Replace, Reduce, Reuse und Recycle“. Obwohl der Nukleus der Plattform in Österreich liegt, ist das Netzwerk inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus aktiv – vor allem im benachbarten Deutschland.

Den Austausch zwischen den derzeit 25 Mitgliedsunternehmen und der Dialog mit der Öffentlichkeit liegt seit Anfang 2021 in den Händen von Sandra Pechac. Als Plattformkoordinatorin laufen bei ihr die Fäden für die strategische Kommunikation zusammen. „Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, als gemeinsames Sprachrohr der Mitglieder zu agieren und natürlich die operative Umsetzung aller geplanten Kommunikationsmaßnahmen. Die Kommunikation geht sowohl nach innen, also in die Plattform hinein, als auch nach außen, beispielsweise zu den Konsumentinnen und Konsumenten sowie zu Unternehmen, die nicht direkt in der Wertschöpfungskette ,Verpackung‘ angesiedelt sind“, beschreibt Pechac ihre Rolle.

Kommunikation nach innen und außen

Für die Außenkommunikation stand zunächst der Aufbau von professionellen Social-Media-Kanälen mit entsprechendem Content, z.B. in Form von Videoformaten an. Sie sind ein Instrument, um mit den Konsumenten in Austausch zu treten. Denn die Diskussionen der vergangenen Jahre hat ein verzerrtes Bild von Verpackungen in der Öffentlichkeit hinterlassen. Es ist eben nicht richtig, dass man Verpackungen überhaupt nicht brauchen würde und sie nur zu Problemen führen würden. „Klar ist: jede überflüssige Verpackung ist zu vermeiden. Was auf den ersten Blick manchmal überflüssig erscheint, ist es in vielen Fällen aber nicht. Wir möchten einen differenzierten Blick auf das Thema ermöglichen“, so Pechac.

Die praktische Plattformarbeit mit den Mitgliedern hat Sandra Pechac ebenfalls weiter ausgebaut. „Ich muss gut zuhören und ein Gefühl dafür haben, was die Mitglieder gerade bewegt. Dadurch kann ich dann Kontakte herstellen, aus denen sich möglicherweise Synergien ergeben“, sagt sie. Ein erklärtes gemeinsames Ziel der Plattform ist die strategische Zusammenarbeit unter den Plattformmitgliedern zu fördern. Auf diesem Weg bringt die Plattform Innovationen und Leuchtturmprojekte voran.

„Die Ideen dazu werden meist in den Unternehmen selbst angestoßen. In den Mitgliederversammlungen besteht dann die Möglichkeit, diese Ideen zu pitchen, um geeignete Partner innerhalb der Plattform, unter Maschinenherstellern, Recyclern oder Materialherstellern zu finden“, erläutert Pechac. Denn die Herausforderungen für die Realisierung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft sind groß – kein einzelnes Unternehmen kann sie alleine stemmen. Die Mitglieder bringen das Know-how aus ihren jeweiligen Teilbereichen ein und ergänzen sich. „Wenn sich die Partner gefunden haben, bilden sie kleinere Arbeitsgruppen, die ich dann begleite und koordiniere. So kommen wir bei Erreichen bestimmter Meilensteine immer wieder zusammen und diskutieren den Zwischenstand“, erklärt die Plattformkoordinatorin. Auf der FACHPACK im Herbst wird die Plattform am Stand des Mitgliedsunternehmens CLARUS Films Einblick in ihre Arbeit geben und eventuell schon erste Ergebnisse für die derzeit noch laufenden Leuchtturmprojekte präsentieren.

Wertschöpfungskette im Blick

Beim Thema Nachhaltigkeit gibt es laut Pechac inzwischen sehr viele Innovationen, die zeigen, wie ernst die Industrie diese Aufgabe und ihre gesellschaftliche Verantwortung nimmt. Doch was den Blick aufs Ganze und die dafür notwendige Zusammenarbeit angeht, sieht sie noch Ausbaupotenzial. Eine Idee sei schließlich nur so gut, wie ihre praktische Umsetzung. „Wenn zum Beispiel ein Konsumgüterhersteller ein neues Produkt auf den Markt bringt, muss er vorher einmal den gesamten Kreislauf durchspielen – und dazu braucht er das Wissen und die Erfahrung der anderen Unternehmen in der Verpackungswertschöpfungskette“, meint Pechac.

Wie das funktioniert, macht die Plattform Verpackung mit Zukunft vor. „Wir wollen, dass die Verpackungen, die durch unsere Mitglieder hergestellt und auf den Markt gebracht werden, kreislauffähig sind“, erklärt Pechac. Beispielsweise gehe es darum, problematische Materialien zu vermeiden (Replace), Verpackungsgrößen zu überdenken (Reduce) und die Verpackungen recycelbar zu gestalten (Recycle). Auch welches Material am besten geeignet ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Dabei warnt Pechac davor, Kunststoffe pauschal auszuschließen: „Kein Material ist von vornherein schlechter oder besser als ein anderes. Kunststoffe sind für viele Bereiche unverzichtbar und haben auch Vorteile was die Nachhaltigkeit angeht. Wir kommunizieren faktenbasiert und sprechen sowohl die negativen als auch die positiven Eigenschaften an.“

Verbraucher mit ins Boot nehmen

In ihrer Transformation sieht sie die Branche schon auf einem guten Weg. Die Unternehmen sind eifrig dabei, sich Nachhaltigkeitsziele zu setzen. „Mich freut, die Anstrengungen der Branche zu sehen und ihre Reise zu begleiten“, betont Pechac. Wie erfolgreich die Innovationen der Hersteller sind, steht und fällt allerdings auch mit der Akzeptanz der Konsumenten und dem richtigen Umgang mit Verpackungsabfall. Die Hersteller müssen im Auge behalten, ob ihre Entwicklungen im Alltag dann auch so umgesetzt werden, wie es beabsichtigt ist. Beim Verpackungsdesign ist es nach Auffassung von Pechac wichtig, den Verbrauchern die Mülltrennung so leicht wie möglich zu machen. Eine Lösung sieht sie im zunehmenden Austausch von Verbundstoffen durch Monomaterialien.

„Wir haben in unserer Arbeit bei Aufklärungskampagnen gesehen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten sehr darum bemüht sind, nachhaltig zu handeln und beim Einkaufen die richtigen Entscheidungen zu treffen“, ist Pechac überzeugt. Oft sind sie aber von Halbwahrheiten oder Mythen geleitet. Die Aufgabe der Plattform ist deshalb, Unsicherheiten zu beseitigen und den nachhaltigen Umgang mit Verpackungen zu erleichtern. „Da hat es in den letzten Jahren ein Umdenken gegeben. Die Verbraucherinnen und Verbraucher schenken dem Thema Verpackung mehr Aufmerksamkeit“.

Damit alle Räder ineinandergreifen, sprich ein geschlossener Kreislauf für Verpackungen entsteht, ist allerdings noch einiges zu tun. Doch Pechac ist sich sicher: „Wenn alle Unternehmen, die an der Produktion, der Nutzung und der Verwertung von Verpackung beteiligt sind, an einen Tisch kommen, dann kann man wirklich etwas bewegen.“

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